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Aus der Stadt Lindener Narren „grillen“ die Stadtverwaltung
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Lindener Narren „grillen“ die Stadtverwaltung

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16:04 28.01.2020
„Die Über- oder Untertreibungen bitte nicht so ernst nehmen“: Die Stunksitzung im GOP. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

So bissig und unter der Gürtellinie wie bei einem „Roast“ auf Comedy Central geht es bei der Stunksitzung der Lindener Narren im Varieté GOP nicht zu. Die Stadtverwaltung und ihre Akteure, die hier aufs Korn genommen werden, kommen glimpflich davon, während auf einschneidende Ereignisse des vergangenen Jahres zurück geblickt wird. „Wir nehmen alles auf die Schippe – von lokaler Politik, Landes- und Bundespolitik bis zur Weltpolitik ist alles dabei“, sagt Moderator Martin Argendorf. An ausreichend Steilvorlagen habe man sich bedient und die richtige Mischung zusammengestellt.

  Quelle: Florian Petrow

„Oma ist 'ne alte Umweltsau“: Was darf Satire?

Zur Begrüßung gibt es am Eingang Lüttje Lage. Den Start auf der Bühne macht der Shanty Chor Lohnde mit dem umstrittenen Lied „Oma ist 'ne alte Umweltsau“. Nun habe man es auf ein Niveau mit den Öffentlich-Rechtlichen geschafft, sagt Martin Argendorf, Präsident der Lindener Narren. Zusammen mit Moderatorin Laura Zacharias führt er durch den Abend. „Was darf Satire?“, diskutieren sie zu Anfang. Im letzten Jahr habe nicht nur der WDR einen „Shitstorm“ für das „Umweltsau“-Lied kassiert, auch für das Programm des letzten Jahres der Lindener Narren habe es Gegenwind auf Facebook gegeben. Dennoch wolle man weitermachen wie bisher, sagt der Präsident der Lindener Narren. „Die Über- oder Untertreibungen bitte nicht so ernst nehmen“, sagt Laura Zacharias. Hannover 96 hingegen sei Realsatire, da müsse man sich gar nicht anstrengen.

  Quelle: Florian Petrow

Harald Härke: „Das ist ja alles noch völlig schmerzfrei“

Die Rathausaffäre ist immer wieder Thema des Abends. Der suspendierte Kulturdezernent Harald Härke sitzt in der ersten Reihe und lässt es über sich ergehen. Gegen die Verantwortlichen vom Sprengelmuseum sei Härke beinahe harmlos, wie es Marietta von Uetze ausdrückt. Darauf, dass er hier aufs Korn genommen wird, hatte er sich zuvor eingestellt. „Das ist ja alles noch völlig schmerzfrei“, sagt Harald Härke, der gerne zum Karneval geht und die Lindener Narren unterstützt. Im letzten Jahr habe er ausgesetzt. Die diesjährige Veranstaltung lobt er im Vergleich zum Debüt, das noch verbesserungswürdig war: „Es ist viel spritziger und ironischer als vor zwei Jahren bei der Premiere“. Im Vergleich zum Vorjahr sei es jedoch „sehr, sehr sanft“, meint ein anderer Besucher.

Eckhard Scholz: „Man kommt nicht zur Stunksitzung, um von allen beklatscht zu werden“

Marietta von Uetze knöpft sich ebenfalls den gescheiterten OB-Kandidaten Eckhard Scholz vor. Trotzdem oder gerade deshalb habe ihm der Auftritt der älteren Dame am meisten zum Lachen gebracht. „Sie hat uns alle aufs Korn genommen, was nicht nur deftig, sondern auch richtig lustig war“, sagt Scholz, der 2018 Ehrensenator der Lindener Narren war, und fügt hinzu: „Man kommt nicht zur Stunksitzung, um von allen beklatscht zu werden“.

  Quelle: Florian Petrow

Der aktuelle Oberbürgermeister Belit Onay ist nicht anwesend. Die Witze über ihn fallen zahm aus. Man müsse abwarten, ob er in Zukunft mehr Angriffsfläche biete, meint Argendorf.

Eines der Highlights des Abends ist der Sketch im Standesamt Hannover. Ein Riesenbaby mit Schnuller bekommt nach 47 Jahren Warten endlich seine Geburtsurkunde, während ein längst verwester Zombie-Opa seine Sterbeurkunde abholt.

Zehn Greta Thunbergs tanzen „She's a Maniac“

Es geht auch um die Wurst, genauer gesagt um den Fleischskandal der Firma Wilke. Steven Vroon tritt als unhygienischer Metzger auf. Mit blutverschmierter Schürze und Nudel am Bart spricht er von Tuberkulosehusten seiner osteuropäischen Kollegen. Nicht sonderlich geschmackvoll, doch das Publikum nimmt es mit Humor. Bei der Musikeinlage „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“ wird beherzt mitgeklatscht. Ironischerweise wird anschließend Frühstücksfleisch in Dosen als Werbegeschenk verteilt. Zum Glück stürmen in diesem Moment etwa zehn Greta Thunbergs mit Pappschildern auf die Bühne und tanzen ihre Gruppenchoreografie zum Flashdance-Song „She's a Maniac“. Gretas verschollene Schwester ist auch da, und zwar in pinker Glitzerjacke. Sie mache sich für das Klima stark, zum Beispiel bei der Sitzdemo auf dem Sonnendeck.

  Quelle: Florian Petrow

Neben dem Bauchrednergespräch zwischen einem Hausmeister mit seinem Raben gehören ein Puppenspiel im Rathaus und tanzende, in neonfarben leuchtende Flamingos zum Programm. Flache Wortspiele zum Thema „Dinge, die man beim Karneval und beim Sex sagen kann“ erinnern an ähnliche Twitter-Hashtags. Die „Kastagnetten“, drei Women in Black, sind eine Hommage an die Bullyparade.

„Die Stunksitzung wird politisch – das ist gut und muss so sein“

Die Soldatin Nariman Hammouti-Reinke aus Hannover-Linden spielt in ihrer Laudatio „Ich mag Deutsche“ mit Klischees zum Thema Herkunftsidentität. „Die ganze Zeit über die Bundespolitik zu schimpfen, bringt ja nichts, wenn man nicht in seiner eigenen Heimatstadt anfängt“, sagt sie. Dass das Publikum erst auftauen muss, nimmt sie gelassen und teilt weiter aus: „Ich würde ja meine Kinder nicht auf eine Schule schicken, auf die nur Deutsche gehen“. Da laufe man Gefahr, dass sich die Kids bei schlechtem Umgang falsche Vorbilder wie Uli Hoeneß, Jan Ulrich oder Martin Winterkorn suchen. Nach der Veranstaltung hat ein Zuschauer lobende Worte: „Die Stunksitzung wird politisch – das ist gut und muss so sein“.

  Quelle: Florian Petrow

Der Stunk-Preis geht in diesem Jahr an die Stadtverwaltung im Bau-, Bürger- und Standesamt. Am Rosenmontag wird die Stunksitzung wiederholt.

Von Lisa Eimermacher

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