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Aus der Stadt Bäume sollen für Spielplatz weichen
Hannover Aus der Stadt Bäume sollen für Spielplatz weichen
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10:00 01.02.2019
Wohin mit Rutsche und Schaukel? Das Areal für den geplanten Spielplatz am Pastor-Jäckel-Weg ist umstritten. Quelle: Foto: Susanna Bauch
List

Gegen den Bau eines neuen Spielplatzes regt sich selten Protest, anders bei der geplanten Spielfläche am Pastor-Jaeckel-Weg in der List. Denn für die Neuanlage eines öffentlichen Spielplatz an der Teilstrecke zwischen den Straßen Am Listholze und Günther-Wagner-Allee sollen 36 Bäume weichen. „Warum muss das sein“, fragte Dirk Hofmeier, Vorstandsmitglied des Naturschutzvereins BUND, in der Januarsitzung des Umweltausschusses. Immerhin gebe es weiter südlich eine freie Fläche, auf der ebenfalls ein Spielplatz entstehen könnte. Unterstützung erhält Hofmeier von den Grünen im Bezirksrat Vahrenwald-List. Es handele sich um sehr alte Obstbäume, die unnötig gefällt werden, so die Parteivertreter.

Die Strecke rund um den Verbindungsweg neu zu gestalten liegt vor allem dem zuständigen Bezirksrat schon lange am Herzen. Studenten haben diesbezüglich bereits verschiedene Entwürfe und Lösungsmöglichkeiten vorgestellt, konkrete Pläne gibt es allerdings erst einmal für den Spielplatz. Rund 456 000 Euro sind dafür veranschlagt, an der Planung für die Spielfläche hat die Stadt Kinder und Eltern beteiligt. Ihre Ideen hat das Landschaftsarchitekturbüro chora blau aufgenommen, geplant sind in einem ersten Entwurf eine Vogelnestschaukel, eine Spielhütte, Rutschen, Klettermöglichkeiten mit Türmen, Brücken und Netzen. Als Fallschutz sind Holzschnitzel geplant. Auf Baumstämmen und Findlingen können die Kinder balancieren. Baubeginn soll im Sommer sein.

Der Spielplatz wird nach Westen zur Günther-Wagner-Allee und im Süden zum Pastor-Jaeckel-Weg mit einem 80 Zentimeter hohen Gittermattenzaun begrenzt, an allen drei Eingängen sollen farblich auffällige Asphalt-Tattoos mit Fußabdrücken von Wildtieren die verschiedenen Bereiche betonen. Außerdem sollen Radfahrer und Fußgänger damit auf das besondere Areal aufmerksam gemacht werden. Das Miteinander der verschiedenen Verkehrsteilnehmer, Kinder und Spaziergänger war im Umweltausschuss Anlass für einen Dringlichkeitsantrag der Grünen und SPD im Bezirksrat Vahrenwald-List. Sie fordern in dem Bereich eine Trennung von Rad- und Fußweg, die Verwaltung lehnte dies mit Hinweis auf die drei Meter breite Fläche ab, die ausreichend für Fußgänger und Radler sei. Zumal dafür weitere Bäume weichen und Geländeteile aufwendig angehoben werden müssten.

An anderer Stelle indes sind Baumfällungen geplant – für die erforderliche Anhebung der Spielplatzfläche, die noch in eiern Senke liegt. Die Stadtverwaltung räumte ein, dass alternative Flächen nicht geprüft wurden, gab aber auch zu bedenken, dass der Spielplatz auf anderen Grundstücken womöglich kleiner ausfalle. Am Ende müsse der Rat entscheiden. „Wir müssen an dieser Stelle Bäume fällen, weil sich Schadstoffe im Boden befinden und die Erde ausgetauscht werden muss“, sagte Planerin Hilke Bergerstock. Gebe es keine Altlasten im Untergrund, hätte man die Bäume in den neuen Spielplatz integrieren können.

Am Ende des Umweltausschusses wurde die Entscheidung über das Bauvorhaben auf Wunsch der Grünen vertagt. Das Thema steht jetzt auf der kommenden Sitzung des Bezirksrates Vahrenwald-List am 11. Februar. Gestern bereits hatte der BUND Mitglieder des Bezirksrates zu einem Ortstermin eingeladen. Dabei wurden Alternativflächen diskutiert, für die keine Baumfällungen nötig wären. Die Ergebnisse des Ortstermins lagen zu Redaktionsschluss noch nicht vor.

Kommentar: Spielen unter (Obst)-Bäumen

An diesen düsteren Tagen sieht das Areal seitlich des Pastor-Jäckel-Wegs in der List besonders trostlos aus. Wenige Fußgänger und Radfahrer sind unterwegs, ansonsten matschiges Laub, kahle Äste und dürres Gestrüpp. Bald soll hier zwischen dem Teilstück Günther-Wagner-Allee und Am Listholze nicht nur wieder Frühling sondern auch ordentlich Leben einziehen. Die Stadt plant einen Spielplatz mit vielen spannenden Möglichkeiten für Mädchen und Jungen. Grundsätzlich eine prima Idee. Allerdings müssten für Wippe und Rutsche etliche Bäume weichen – das geplante Gelände wäre sonst nicht spielplatztauglich – es liegt zum einen in einer Mulde, zum anderen werden Altlasten im Boden vermutet. Der BUND hat bereits einen Alternativvorschlag parat, und nicht alle Mitglieder des Bezirksrats Vahrenwald-List sind glücklich über die radikale Lösung. An den Seiten des Pastor-Jäckel-Wegs liegen jede Menge grüne Brachflächen. Auf den ersten Blick jedenfalls scheint es durchaus machbar, den Spielplatz ein wenig zu verrücken, damit die vielen Bäume stehen bleiben können. Vielleicht ist sogar eine Spielanlage unter Obstbäumen denkbar, auch eine Senke oder Mulde kann ja spielerisch miteinbezogen werden – in diesem Fall mit Austausch von belastetem Erdreich und diversen Sicherungseinrichtungen. Baumbestand und Bolzanlage jedenfalls sollten sich hier nicht ausschließen. Es wäre schade, wenn sich kein Mit- oder Nebeneinander finden würde.

Von Susanna Bauch

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