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Aus der Stadt Wie soll Hannover sauberer werden?
Hannover Aus der Stadt Wie soll Hannover sauberer werden?
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13:07 21.11.2018
Helfen höhere Bußgelder? Beim HAZ-Forum ging es um die Sauberkeit der Stadt. Dabei diskutierten der Inhaber des Loseladen, Michael Albert, die Geschäftsführerin von eichels Event, Stefanie Eichel, der Kämmerer und Ordnungsdezernent Dr. Axel von der Ohe und Aha-Geschäftsführer Thomas Schwarz. Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Hannover

Mit der Kampagne „Hannover sauber!“ möchte Hannovers Ordnungsdezernent und Kämmerer Axel von der Ohe die Stadt sauberer machen. Das in Zusammenarbeit mit Aha erarbeitete Sauberkeitskonzept setzt auf die Verstärkung von Reinigungspersonal und Abfallfahndung, eine verbesserte Zusammenarbeit mit dem städtischen Ordnungsdienst, eine neue App zur Meldung von Müll und eine Sensibilisierung der Bevölkerung für den achtlosen Umgang mit Müll. Beim HAZ-Forum stellte er die Pläne den HAZ-Lesern vor und diskutierte anschließend mit Aha-Geschäftsführer Thomas Schwarz, dem Betreiber des Loseladens Michael Albert und Stefanie Eichel von der Veranstaltungsagentur eichels Event über Bußgeldkataloge, Pfandsysteme und ein neues Bewusstsein für Müllproduktion und Müllvermeiung.

Wie wird Hannover nachhaltig sauberer? Darum ging es beim HAZ-Forum.

HAZ-Lokalchef Heiko Randermann fragte den Dezernenten, wie die Verbesserung bei der Abfallfahndung konkret aussehen soll. „Die Abfallfahndung wird personell erheblich aufgestockt. Wir haben künftig mehr Mitarbeiter, die auch den wilden Müll auf dem Schirm haben“, sagte von der Ohe. Die Verwaltung wisse viel über Plätze, an denen wilder Müll illegal abgeladen wird. „Da werden wir künftig genau hinschauen.“ Für die neue Gründlichkeit werde auch mehr Geld in die Hand genommen. „Wir haben bisher etwa eine Million Euro für die Müllentsorgung pro Jahr ausgegeben. Wir legen nun etwa 1,2 Million Euro drauf“, sagte von der Ohe. Mit Geld allein sei das Problem des wilden Mülls aber nicht langfristig zu lösen. „Wir arbeiten darum langfristig am Bewusstsein für Müllvermeidung in der Gesellschaft. Denn es ist Geld, das wir woanders nicht einsetzen können", sagte von der Ohe. Für ihn hängen Sicherheitsempfinden und Ordnung zusammen.

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„Wie wird Hannover sauberer?“

Aha-Geschäftsführer Thomas Schwarz hatte zum Forum eine Karte der Einsatzgebiet mitgebracht. Illegale Müllentsorgungen gebe es demnach fast überall. Auch in Döhren zum Beispiel gelte das Prinzip: „Kofferraum auf und raus". Bei den Müllverursachern macht Schwarz vor allem junge Bewohner aus. „Es sind oft 13- bis 25-Jährige, die locker-flockig drauf sind und die wenig von autoritärer Ansprache halten“, sagte Schwarz. „Mit der Pubertät scheint eine soziale Dysfunktion einzusetzen.“ Daher setzt er bei der Vermittlung von Müllvermeidung besonders an den Schulen sinnvoll. Schwarz machte aber auch eine grundsätzliche zunehmende Achtlosigkeit aus. „Es sind die kleinen Dinge, mit denen es losgeht. Die Zigarettenkippe, die weggeschnippt wird, der Kaugummi“, sagte der Aha-Geschäftsführer. „Wir haben uns als Aha bisher auf die großen Müllberge konzentriert. Mit mehr Leuten können wir nun genauer hinschauen."

Um mehr Bewusstsein für Müllvermeidung warben auch Michael Albert vom Loseladen und Stefanie Eichel von der Veranstaltungsagentur eichels Event. Albert schlug vor, die Entsorgung von Kunststoffen im Produktpreis abzubilden. „Die Produzenten würden sich dann überlegen, ob sie auch solche Kosten tragen wollen - und suchen nach Alternativen zu Mikroplastik zum Beispiel.“ Man sollte auf die Kosten von Müll schon im Vorfeld und während der Produktion einwirken. Stefanie Eichel sprach als Organisatorin von Großveranstaltungen wie den Marathon oder den Triathlon von gesellschaftlicher Verantwortung. „Wir kommunizieren mit allen Partnern und Teilnehmer, dass wir die Strecken sauber halten wollen“, sagte Eichel. „Wir möchten die Gäste unserer Stadt Willkommen heißen." Zudem seien auch junge Leute an einer gesunden Zukunft interessiert. Unter den HAZ-Leser regten auch Mitglieder der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde an, sich gesellschaftlich zu engagieren. Die Gemeinde sammelt seit Jahren am Neujahrstag den Müll der Feiernden auf. „Wir möchten so Verantwortung übernehmen“, sagt Imam Basìl Bhatti.

Die HAZ-Leser fragten im Anschluss nach Bußgeldhöhen. Von der Ohe appellierte alle Maßnahmen gemeinsam zu denken. „Wir werden das Thema Sauberkeit nicht über Bußgelder allein lösen können. Es ist nur ein Instrument.“

Lesen Sie hier den Live-Ticker des Abends

Von Jan Sedelies