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Aus der Stadt Lüttje Lage: 14 Euro für die Katz
Hannover Aus der Stadt Lüttje Lage: 14 Euro für die Katz
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06:00 06.04.2019
Michael Zgoll
Michael Zgoll Quelle: privat
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Am Freitag führte ich mit einer Mitarbeiterin des Bauordnungsamts ein Telefongespräch. Wollte wissen, warum ich 14 Euro für eine Akteneinsicht zahlen soll, die ich nie in Anspruch genommen habe. Am Ende dieses Telefonats hatte ich zweierlei gelernt. Die Stadt Hannover wird immer kreativer, um ihren Bürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und: Es gibt Bedienstete, die diesem Übel mit Galgenhumor begegnen.

Es war Mitte Februar, als ich für ein älteres Haus in Citynähe Einsicht in die Bauakten beantragte, es ging um eine Dachkonstruktion. Diese Einblicke, die mich 50 bis 60 Euro kosten sollten, muss man per E-Mail anfordern, auch gleich einige Unterlagen beibringen. Damit erwirbt man die Zusicherung, nach frühestens vier Wochen angerufen zu werden. Um einen Akteneinsichtstermin ausmachen zu dürfen. „Wir können nachvollziehen, dass die recht lange Wartezeit für Sie ungünstig ist“, heißt es entschuldigend in einem Merkblatt. Wohl wahr. Bei mir dauerte es sieben Wochen, bis der Anruf kam – und da hatte sich die Sache schon wieder erledigt. Dies teilte ich der Sachbearbeiterin mit, am Mittwoch.

Zwei Tage darauf ereilt mich besagter Kostenbescheid. Gänzlich unerwartet. Zahlen soll ich für eine Viertelstunde angefangener Arbeitszeit. Ich rufe im Amt an. Eine Mitarbeiterin erläutert mir, mit matter Stimme, das sei die Vergütung für das Hochholen eines Aktenordners aus dem Keller. Und das Zurückbringen. Diese Gebühr werde erst seit 2019 erhoben, und es hätten sich auch schon etliche Bürger beschwert, aber sie könne es nicht ändern.

Ich reiße mich zusammen. Den Rechtsweg wolle ich wegen dieses Betrags sicher nicht beschreiten, sage ich, und so solle sie die 14 Euro denn als meinen bescheidenen Beitrag ansehen, beim Stopfen des aktuellen 250-Millionen-Euro-Lochs der Stadt behilflich zu sein. Sie freue sich, entgegnet die Frau, dass ich so gelassen reagiere. Und wenn ich mein Auto am Wochenende auf einem Behindertenparkplatz abstelle, so ihr Vorschlag, helfe ich der Stadt noch mehr.

Tut mir leid. Ich werde nicht absichtlich falsch parken, werde mich an der Kaisergabel nicht mit Tempo 80 blitzen lassen und in der Arndtstraße nicht bei Rot über eine Ampelkreuzung fahren. Liebe Verwaltung, diese 14 Euro Strafgebühr müssen erst mal reichen.

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Von Michael Zgoll