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Aus der Stadt Lüttje Lage: Atempause im Herbst
Hannover Aus der Stadt

Lüttje Lage: Atempause im Herbst von Bernd Haase

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20:00 01.10.2021
Bernd Haase
Bernd Haase Quelle: HAZ
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Der Herbst hat sich in den vergangenen Tagen langsam in Twenge eingeschlichen und damit auch in unserem Garten. Die Sonne schafft es längst nicht mehr über die Bäume, sondern funkelt durch sie hindurch. Sie ist seit dem Sommer milder geworden, betätigt sich nicht mehr als Brenner und Senger. Nun ist sie Künstlerin, zaubert Licht- und Schattenspiele, lässt Tautropfen auf dem Rasen glitzern und Spinnweben in den Nischen der Fenster.

Auch im Garten und in den Beeten wandelt es sich. Bei uns waren viele Sträucher, Stauden und Blumen in den vergangenen Monaten hyperaktiv, haben nach den beiden Dürrejahren zuvor gewuchert und getrieben, als müssten sie etwas aufholen. Selbst die Rosen, sonst oft Sorgenkinder, taten mit. Ständig haben wir geschnippelt und gejätet. Jetzt ist Schluss damit. Nichts wird mehr größer und breiter, sondern welker und langsam braun.

Ich lese dieser Tage ständig, was ich noch alles tun soll oder sogar muss. Neue Blumen und Sträucher einsetzen zum Beispiel, damit es im Frühling schnell wieder weitergeht mit der blühenden Pracht. Auslichten soll ich, den Rasen noch einmal gründlich pflegen (welchen Rasen? Bei uns gewinnt immer Moos) und Gemüse säen.

Lüttje Lage: Weitere lustige Texte aus unserer Serie lesen Sie hier.

Nichts davon wird passieren. „Es gibt eine Stille des Herbstes bis in die Farben hinein“, schrieb der Dichter Hugo von Hofmannsthal. Die wollen wir nicht stören. Der Garten kann auch einmal ohne uns auskommen. Wir gönnen uns und ihm eine Atempause, nutzen die Terrassentage, die noch bleiben. Dass das Laub der Bäume von grün zu bunt wechselt und ankündigt, dass es auch in diesem Spätherbst wieder in Massen fallen wird, steht auf einem anderen Blatt.

Von Bernd Haase