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Aus der Stadt Lüttje Lage: Aus voller Kehle
Hannover Aus der Stadt

Lüttje Lage: Aus voller Kehle

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20:00 23.03.2021
Bernd Haase
Bernd Haase Quelle: HAZ
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Hannover

Bei uns im Garten war kürzlich frühmorgens heftig Radau in der Vogelwelt, obwohl die Balzzeit noch nicht auf Hochtouren läuft. Die Amseln schimpften wie die Rohrspatzen, die Spatzen flogen zeternd hin und her. Die kleinen Zaunkönige, die noch nicht lange bei uns leben, waren in Aufruhr. Selbst die Tauben, die sich selten aus der Ruhe bringen lassen, lärmten, und es klang unwillig. Oben auf der Hecke saß derweil ein Vogel und sang, was sein rotes Kehlchen hergibt.

Es dürfte eine Art Triumphgesang gewesen sein, denn das Rotkehlchen ist jetzt zum zweiten Mal nach 1992 zum Vogel des Jahres ausgerufen worden. Das wird sich schnell unter den gefiederten Freunden herumgesprochen haben. Der Naturschutzbund, der für die Aktion verantwortlich ist, zog zum ersten Mal nicht Experten zu Rate, sondern führte eine Volksabstimmung durch, bei der die Vögel allerdings selbst nicht teilnehmen durften.

Insgesamt 455.000 Menschen haben ihre Stimme abgegeben. Nach der ersten Runde lag noch die Stadttaube vorn, stürzte dann allerdings in der Endrunde der besten Zehn auf Platz fünf ab. Hinter dem Sieger landeten die Rauchschwalbe, der Kiebitz und die Feldlerche auf den weiteren Plätzen. Die von uns favorisierte Amsel flatterte auf Platz zehn, der Neuntöter, den wir ebenfalls in Erwägung gezogen hatten, schaffte es nicht ins Finale.

Laut Naturschutzbund handelt es sich beim Rotkehlchen um einen stimmgewaltigen Sympathieträger von zutraulicher Art. Über die Amsel ist so etwas nicht zu hören. Sie war noch nie Vogel des Jahres und wird es vermutlich auch nicht mehr werden. Der Wettbewerb soll auch künftig per Abstimmung entschieden werden. Bei so etwas gewinnen in der Regel die, die sich am besten anbiedern können.

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Von Bernd Haase