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Aus der Stadt Lüttje Lage: Das Brummen im Kino
Hannover Aus der Stadt Lüttje Lage: Das Brummen im Kino
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19:35 22.02.2019
Hans-Peter Wiechers Quelle: HAZ
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Bei mir war – warum auch immer – die Blamierfunktion eingestellt. Was bedeutete, dass sich das Gerät immer dann meldete, wenn es möglichst unpassend war. In der Schlange vor der Kinokasse zum Beispiel.

Ich bin gerade dran, schaue der Verkäuferin in die blauen Augen, sage „Bitte zweimal Graffiti“ und brumme. Die junge Frau schreckt auf, alle Kinogänger in meiner Nähe lauschen irritiert. Ich versuche mit leiser Verzweiflung, ein bisschen souverän zu sein: „Das Brummen, das bin ich.“ Jetzt bloß keine langen Erklärungen. Jemand lacht leise. Sie gibt auf 20 Euro raus. Ich fliehe in den Kinosaal.

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Später im Film kommt sich auf der Leinwand ein Paar näher, er streichelt, sie streichelt, nur leise Musik – und ich brumme. Manchmal halte ich den Arm wohl irgendwie falsch, dann misst die gemeine Schachtel gleich zweimal hintereinander, bis die Liebesszene ihren Höhepunkt erreicht und zum Glück die Filmmusik lauter wird und mein Brummen untergeht. Wir hatten uns schon ziemlich abseits gesetzt, meine Frau und ich, aber ein junger Typ mit guten Ohren, zwei Reihen vor mir, drehte sich um, zischelte eine Frechheit, die ich aber nicht richtig verstand. „Warte bis du sechzig bist“, dachte ich rachsüchtig.

Lüttje Lage: Hier finden Sie weitere lustige Texte aus unserer Serie.

Hans-Peter Wiechers und Gabi Stief lesen am 26. Februar um 19 Uhr im Theatermuseum im Schauspielhaus aus ihrem Buch „Der Mordverdacht“.

Von Hans-Peter Wiechers