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Aus der Stadt „Lüttje Lage“: Das Problem mit den Werwölfen
Hannover Aus der Stadt „Lüttje Lage“: Das Problem mit den Werwölfen
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15:40 11.01.2019
Simon Benne Quelle: Franson
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Es gibt da eine Theorie, die besonders in feministischen Kreisen beliebt ist. Demnach gibt es von Natur aus praktisch keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Es ist allein die übermächtige Gesellschaft, die wehrlose Kinder quasi willkürlich in Jungen- oder Mädchenrollen zwingt. Ich persönlich bin da eher skeptisch. Weil ich ein Geschichtenerzähler bin.

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Seit fast 16 Jahren bringe ich jeden Abend Kinder ins Bett. Und jeden Abend nehme ich eine Bestellung auf, was denn bitte in der Einschlafgeschichte vorkommen soll. Meine drei Töchter wollten regelmäßig Prinzessinnen, Ballerinen und pinke Einhörner. Ich schwöre, dass ich da nichts forciert habe. Mein kleiner Sohn hingegen will Ritter, Autounfälle und umstürzende Baukräne. Derzeit haben besonders Werwölfe Konjunktur. Sie wissen schon, diese haarigen Untiere, die man nur mit einer geweihten Silberkugel zur Strecke bringen kann.

„Du erzählst unserem armen Bruder nur Mist!“, monierten die drei großen Schwestern jetzt. „Bring doch mal was Schönes, sowas wie früher bei uns Mädchen!“

Am Abend verlangte mein Sohn wieder nach Werwölfen. „Es war einmal ein süßes kleines Werwolfbaby“, begann ich also. „Nein“, protestierte mein Sohn, „ein großer, bissiger Werwolf!“ Ich seufzte. „Es war einmal ein großer Werwolf“, sprach ich. Hinter der Tür hörte ich vernehmliches Räuspern meiner Töchter. Es begann eine erzählerische Gratwanderung.

In meiner Geschichte trifft der Werwolf in der Laatzener Masch um Mitternacht einen richtigen, echten Wolf, der gerade von der Ballettstunde mit lauter Prinzessinnen kommt, die bei einer Tasse Erdbeertee die Probleme anderer Leute besprochen haben. Am Ende beißt der Werwolf den gewöhnlichen Wolf, nachdem er um Erlaubnis gefragt hat. Der normale Wolf verwandelt sich fortan bei jedem Vollmond in einen Menschen, marschiert in die nächste Kneipe und bestellt sich zum Glas Bier einen schönen Napf Hundefutter.

An dieser Stelle ist es mir ein echtes Bedürfnis zu betonen, dass feministische Einflüsse den Erzählschatz unserer Nation bunter und vielfältiger machen.

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Von Simon Benne