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Aus der Stadt Lüttje Lage: Die kleine Verkehrswende
Hannover Aus der Stadt

Lüttje Lage: Die kleine Verkehrswende

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13:11 19.04.2020
Bernd Haase Quelle: HAZ
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Hannover

An der Giebelseite unseres Hauses befindet sich ein Balkon, von dem aus man unsere Ortsdurchfahrt bestens überblicken kann. Wenn Twenge eine Zoll- oder eine Mautstation (ich wäre sehr für Letzteres) erhalten sollte, könnte man sie bei uns einrichten.

Was wir seit einiger Zeit beobachten: Das Geschehen unter uns auf der Straße hat sich verändert. Sie gehört nicht mehr den Autos. Es waren bei uns häufig die großräumigen, die den Eindruck erwecken, als führen ihre Besitzer mit ihnen nicht zur Arbeit oder zum Einkaufen, sondern mit Karacho in eine Straßenschlacht. Auch die Busse fahren seltener.

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Dafür sind jetzt morgens die Jogger und Walker unterwegs. Etwas später am Vormittag tauchen die ersten Spaziergänger auf, die Gassigeher mit ihren Hunden und die Fahrradfahrer, von denen einige sehr sportlich fahren, andere gemütlich. Oft sind es Familien, wir haben noch nie so viele kleine Kinder gesehen, die mit ihren Eltern gemeinsam radeln.

Was auch auffällt: Alle bewegen sich gelassener. Gerieten Mütter und Väter früher in Panik, wenn die Kinder zu weit vorausfuhren, dürfen die das jetzt. Fußgänger, einst darauf bedacht, sich nicht zu weit in den Fahrbahnraum zu wagen, gehen jetzt nebeneinander und können sich unterhalten, ohne dass der Hinter- dem Vordermann ins Ohr brüllen muss.

Die übliche Hektik auf unserer Ortsdurchfahrt gibt es derzeit nicht. Wir sind gespannt, ob etwas davon bleibt, wenn das Leben nicht mehr durch ein Virus bestimmt wird. Sollte es so sein, hätte der Erreger neben vielem Schlechten auch etwas Gutes bewirkt: die von manchen erhoffte Verkehrswende, zumindest in Twenge.

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Von Bernd Haase

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