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Aus der Stadt Lüttje Lage: Flaschenmüll in Grünbraungrau
Hannover Aus der Stadt Lüttje Lage: Flaschenmüll in Grünbraungrau
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19:58 18.01.2019
Michael Zgoll
Michael Zgoll Quelle: HAZ
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Hannover

Ich stehe vor einem Dreigestirn von Glascontainern. Zu meinen Füßen habe ich zwei Kartons abgestellt, gefüllt mit Flaschenmüll aus Festtagszeiten. Die Container sind weiß, braun und grün. Meine Behältnisse sind glasklar, braun, grün – und irgendwas dazwischen. Genau hier liegt mein Problem.

Bei Gurken- und Rotkohlgläsern gibt‘s kein Vertun, sie landen flugs im weißen Container. Rapsöl- und Sektflasche – Farbton Tanne – wandern ins Grüne, Maggi bahnt sich eine Gasse in die braune, prall gefüllte Box. Dann kommt das Massengut. Die Weinflaschen.

Ein wenig irritiert bin ich schon, dass in den Vorwochen in unserem Hause so viel Alkohol getrunken wurde, aber das ist jetzt nicht das Thema. Gebot der Stunde ist, die Überbleibsel verantwortungsvoll zu verklappen. Farbgetreu. Schließlich will ich es der Recyclingindustrie so leicht wie möglich machen. Und meine Qualifikation als Glasmüllentsorger unter Beweis stellen.

Doch wo ist der rechte Platz für das Leergut Samtrot Kabinett, Kellerei Rolf Willy? Die Flasche ist braun. Nein, eher grün. Grünbraun. Oder doch braungrün? Prüfend halte ich sie gen Himmel, lasse Licht ins Glas. Jetzt erscheint das Grün viel klarer. Das Braun aber auch. Primitivo Puglia und Schönlaub Grauburgunder sind keinen Deut besser. Das Leergut changiert. In vino veritas? In gefüllten Weinflaschen mag man die Wahrheit finden, in leeren sicher nicht.

Ich denke an Loriot. An den wundervollen Sketch mit der Eheberaterin und dem verklemmten Paar. Wie war doch gleich die Lieblingsfarbe von Herrn Blöhmann? Eine Art Braungrau mit Grün? Oder doch eher ein grünlich blaues Braunrotgrau? Da hat sich die Weinflaschenindustrie was abgeguckt.

Ich entscheide mich. Weise dem Samtrot Kabinett die Farbe Braun zu. Nun aber kommt der übervolle Container ins Spiel. Ich schiebe und drücke, doch das ist gefährlich. Und endlich erkenne ich, angesichts des noch aufnahmefähigen Grünglasbehälters, dass alle meine Weinflaschen grün sind. Klirr, klong, schepper – grüner geht‘s nicht.

Von Michael Zgoll