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Aus der Stadt Lüttje Lage: Geräusche auf dem Lande
Hannover Aus der Stadt

Lüttje Lage: Geräusche auf dem Lande

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12:18 19.06.2019
Bernd Haase Quelle: HAZ
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Hannover

Man hört immer wieder mal von Leuten, die von der Stadt aufs Land ziehen und sich dann erst wundern, dann darüber ärgern, wie es dort klingt. Darüber zum Beispiel, dass die Kirche samt regelmäßigem Geläut noch im Dorf gelassen wurde. Darüber, dass Kühe nicht nur Molkereien beliefern, sondern auch Muh machen. Hähne, die mit ihrem Krähen die aufgehende Sonne begrüßen, sind ohnehin ein Dauerbrenner.

Jetzt muss sich in Frankreich, das den gallischen Hahn immerhin zum Nationalsymbol erhoben hat, eine Frau vor Gericht verantworten. Ihr Gockel namens Maurice kräht zum Verdruss von einem benachbarten Ehepaar frühmorgens ebenso zuverlässig wie laut. Die Kläger wollen ihm nun den Schnabel stopfen; ein erster Verhandlungstermin brachte aber noch kein Ergebnis.

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Die Angelegenheit sorgt für Wirbel, und die Unterstützerschar für den Hahn Maurice wächst. Interessant ist nun das Vorgehen des Bürgermeisters eines Nachbardorfs. Er fordert, Hahnengeschrei zum immateriellen Kulturerbe zu erklären und damit per se und für alle Zeiten unter Schutz zu stellen. Nicht nur das: Damit die Sache rund wird, stehen auf seiner Liste auch Kuhmuhen, Schafsblöken, Ziegengemecker, Vogelgezwitscher, Hundegebell und, um das Tierische zu Verlassen, Glockenläuten.

Ich habe überlegt, ob es auch in Twenge Geräusche gibt, die Kulturerbe sein könnten. Die letzten Kühe haben zwar das Dorf schon lange verlassen, und eine eigene Kirche hat es ohnehin nie gegeben, aber es leben bei uns natürlich Hunde, Vögel sowie am Ortsrand Schafe. Eigentlich aber ist das prägende Geräusch zumindest tagsüber das der Autos, die unablässig auf unserer Ortsdurchfahrt unterwegs sind. Manche fahren mehrmals am Tag hin und her. Zum immateriellen Kulturerbe taugt das aber wohl eher nicht.

Lüttje Lage: Hier finden Sie weitere lustige Texte aus unserer Serie.

Von Bernd Haase