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Aus der Stadt „Lüttje Lage“: Marianne kennt sich aus
Hannover Aus der Stadt

„Lüttje Lage“: Marianne kennt sich aus

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13:24 16.08.2019
Rüdiger Meise Quelle: HAZ

Gestern, am Telefon. Ich hatte im Internet einen Schuh einer US-amerikanischen Weltmarke bestellt, den es leider nirgendwo in Hannover zu kaufen gibt. Ehrenwort. Hab’ alles abgeklappert. Leider ging auch die Lieferung per Paketbote daneben, manchmal ist einfach der Wurm drin. So rief ich also die Hotline an und wählte zunächst eine Landessprache. Dann manövrierte mich eine freundliche Computerstimme durch das Auswahlmenü – ich hörte mich „eins“, „drei“ und „zwei“ sagen, man kennt das. Endlich landete ich in einem Callcenter. Bei Marianne.

„Was kann ich für dich tun?“ Die Marke duzt also am Telefon. Klar, sie wendet sich an junge Menschen und an solche, die sich vorgenommen haben, sich so zu fühlen, obwohl die Zeit vorbei ist. Entsprechend duze ich mit – und erkläre, dass der Paketbote offenbar den Briefkasten verfehlt hat.

„Welche Straße? Ach, da wohnst du!“, sagt Marianne. „Das ist ja eigentlich ziemlich zentral. Welche Höhe ist das etwa?“

„Ziemlich nah am … äh …“, ich bin verwirrt. „Woher weißt du das?“, frage ich. „Kennst du dich in Hannover aus?“

„Na klar. Stadteinwärts oder stadtauswärts?“, fragt Marianne. „Manche Paketboten sind echt Deppen.“

Das Gespräch macht mir Angst. Ist die Welt inzwischen so transparent, dass der US-amerikanische Weltkonzern jeden Paketboten in der List persönlich kennt? Dann schalte ich auf der Stelle das Internet ab. Vorsichtig spüre ich nach:

„Liebe Marianne, ich dachte, ich sei in einem Riesen-Callcenter in Bangladesh gelandet und du seist für den deutschsprachigen Raum zuständig – Deutschland, Österreich, Schweiz. Woher kennst du die List?“

„Ich sitz’ hier in der Nordstadt.“

„Ach! Und sag bloß, du heißt tatsächlich Marianne?“

„Jo. Du heißt ja auch Rüdiger.“

So nett das Gespräch auch ist: Leider kann Marianne nicht helfen. Ich bestelle also erneut. Mal schauen, obs diesmal klappt mit dem Weltkonzern. Wenn nicht, ruf ich wieder in der Nordstadt an.

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Von Rüdiger Meise

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