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Aus der Stadt „Lüttje Lage“: Meine Sternstunde
Hannover Aus der Stadt „Lüttje Lage“: Meine Sternstunde
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13:11 28.01.2019
Simon Benne Quelle: Franson
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Hannover

Ich bin ein reaktionärer Chauvinist. Darum knurrte ich leise, als ich jüngst beim Frühstück die Überschrift „Schüler*innen schulen Senior*innen“ auf der Homepage der Stadt lesen musste. „Die machen jetzt wirklich ernst!“, murmelte ich. Mir gegenüber saß die Phalanx der weiblichen Familienmehrheit. „Ein großes I mitten im Wort reicht den FeministInnen jetzt nicht mehr“, erklärte ich meinen drei Töchtern. „Jetzt stecken sie Sterne in die Wörter, um die große Gruppe der Geschlechtsneutralen und Unentschlossenen nicht vor den Kopf zu stoßen.“

„Du bist echt sowas von altmodisch“, sagten meine Töchter augenrollend. Ich klärte sie mit rotem Kopf darüber auf, dass diese unterbeschäftigten Bürokrat*innen mit ihrer missionarischen Volkspädagogik mein Denken manipulieren möchten, mittels staatlich normierter Sprache, um aus mir einen besseren Menschen zu machen. „Aber ich hab‘ das durchschaut!“, triumphierte ich. „Chill mal, Daddy“, sagten meine Töchter kühl. Der Eishauch des Feminismus wehte mich an.

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Ich ließ nicht locker. „Wenn ich sage, ,Schüler schulen Senioren’ , wird man im Jahr 2019 ja wohl davon ausgehen, dass da auch Schülerinnen mitmachen. Da man muss nicht extra Sternchen malen!“ Diese elitären Binnensterne sind für mich kein Sieg der Emanzipation, sondern eine Verhunzung der Sprache. Sie stören Lesefluss und Stilempfinden. „Schiller wusste schon, warum man ein Drama nicht ,Die Räuber*innen‘ nennt!“, raunzte ich.

Meine Töchter sahen mich an, als wäre ich ein Teller Calenberger Pfannenschlag. Sie ließen mich wissen, dass es nur an Typen wie mir läge, wenn es noch immer kaum Frauen auf Führungsposten gebe. Ich wollte entgegnen, dass Frauen auch unter den Insassen deutscher Justizvollzugsanstalten dramatisch unterrepräsentiert sind und eine Quotenregelung ins Spiel bringen. Doch da mussten sie zur Schule. Ich aber nahm mir vor, allen Oberlehrenden mutig entgegen zu treten. Oder ich schreibe eine Beschwerde an den*die Oberbürgermeister*in von Hannover*sie.

Von Simon Benne