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Aus der Stadt „Lüttje Lage“: Meine Wendejacke
Hannover Aus der Stadt

"Lüttje Lage": Meine Wendejacke

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17:51 05.11.2019
Simon Benne Quelle: Samantha Franson

Es dauerte ein bisschen, bis ich die Jacke im Keller gefunden hatte. Der Stoff war brüchig geworden, aber ihr Pink leuchtete noch genau so knallig wie vor 30 Jahren. Ich zwängte mich hinein. Irgendwie musste sie durch das lange Hängen im Schrank enger geworden sein. „Das ist die Jacke von dem Foto“, sagte ich, als ich mich meinen Kindern präsentierte.

Sie sahen mich fassungslos an. Mein kleiner Sohn lachte gluggernd, meine drei Töchter stemmten die Hände in die Hüften. „Das ist ja entsetzlich!“, sagten sie, „mach das weg!“ In ihren Blicken las ich, dass so ein Farbton nicht einmal im Karneval zu verantworten war.

Es gibt ein Foto von mir aus dem Jahr 1989, das mich in genau dieser Jacke auf der Berliner Mauer zeigt. Mein Heldenmoment. Im Allgemeinen haben Wessis wie ich ja nicht allzu viel zum Freiheitskampf im Osten beigetragen. Immerhin: Ein paar Monate vor der Grenzöffnung, bei einem Kurzbesuch in West-Berlin, hatte ich im angeschickerten Zustande nachts eine leere Bierflasche an die Mauer geworfen und mutig gerufen: „Ich komme bald wieder, dann willich von diesem Schandbau hier nix mehr sehen!“ Was soll ich sagen. Es hat funktioniert.

In den Wochen danach kamen dann viele DDR-Bürger nach Hannover. Sie trugen Stone-washed-Jeans, und in ihrem Frisuren spiegelte sich das ganze Elend der sozialistischen Mangelwirtschaft. Damals erkannte man sie auf den ersten Blick. Wenn man sich heute Fotos aus der Wendezeit anschaut, kann man Ossis und Wessis nicht mehr unterscheiden. Heute wissen wir: Wir sahen damals alle gleich bescheuert aus. Die mit den billigen Ost-Jeans waren nicht besser oder schlechter angezogen als die mit den pinken Jacken.

Wenn Jahrestage ins Haus stehen, wird ja immer wieder auf so manchen Missstand im deutsch-deutschen Binnengefüge hingewiesen. Ich persönlich finde aber, in Fragen der Mode ist die deutsche Einheit schon ein gutes Stück vorangekommen.

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Von Simon Benne

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