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Aus der Stadt „Lüttje Lage“: Regelwerk der Klinikraucher
Hannover Aus der Stadt „Lüttje Lage“: Regelwerk der Klinikraucher
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08:49 11.04.2019
HAZ-Redakteur Rüdiger Meise Quelle: Michael Soboll
Lüttje Lage

„Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Aus gegebenem Anlass war das bekannte Zitat von Karl Lagerfeld ja kürzlich nochmal überall zu lesen. Ich finde ja, der Mann hatte nicht ganz Recht. Es gibt durchaus Gelegenheiten, in denen Jogginghosen legitim sind. Zum Beispiel beim Joggen. Oder im Krankenhaus, nach einer Beinoperation. Allerdings ist da eine Situation, in der selbst frisch aus der Narkose erwachte Notfallpatienten sich in eine Levis zwängen sollten: Beim Rauchen vor dem Klinikeingang.

Die Raucher vor jeder deutschen Krankenhaustür tragen Uniform: Jogginghose, Badelatschen und Ballonseide. Erlaubt ist auch Bademantel statt Ballonseide. Für Rauchertrauben vor Kliniken gibt es ein festes Regelwerk – gerade hatte ich ein paar Tage Gelegenheit, dieses zu studieren. Dazu gehört neben der Uniform auch, dass der Raucher sich auf keinen Fall mehr als zwei Meter von der Tür entfernen darf. Selbst wenn der Rasen nebenan von der Frühlingssonne erwärmt wird, steht die Traube der Raucher daher auf verschattetem Pflaster. Zehn Meter weiter lockt eine Bank am Waldrand mit Blick auf einen kleinen See - und sogar einem Mülleimer mit Aschenbecher daneben. Doch die Rauchertraube rührt sich nicht vom Fleck. Kleiner Waldspaziergang? Bei Strafe verboten. Eine spezielle Raucherpolizei wacht über die Schrittfrequenz jedes rauchenden Patienten. Bei mehr als 100 Schritten am Tag droht Zigarettenentzug. Wahrscheinlich dient das der Gesundheit des Patienten, um das frisch operierte Raucherbein zu schonen. Anders kann ich es mir nicht erklären.

Es ist dies der Tag und die Stunde, Klinikraucher zum zivilen Ungehorsam gegen ihr Regelwerk aufrufen: Zähne zusammenbeißen und die Jeans über den Streckverband ziehen. Ein bisschen Würde fördert die Genesung. Ein Tag später vielleicht sogar den Schatten verlassen und mutig die Sonne treten. Wenn man sich dann dabei von der Raucherpolizei erwischen lässt und Zigarettenverbot bekommt, ist viel erreicht.

Von Rüdiger Meise

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