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Aus der Stadt Lüttje Lage: Schonzeit für Fliegen
Hannover Aus der Stadt

Lüttje Lage: Schonzeit für Fliegen

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17:28 02.06.2019
Bernd Haase Quelle: HAZ
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Hannover

Wir saßen beim Abendessen, als ich ein Geräusch hörte, das bei mir umgehend Mordgelüste auslöst. Die ersten Fliegen des Jahres kreiselten durch das Wohnzimmer, zwei dicke Brummer. Fliegen sind meiner Meinung nach die nervtötendsten Tiere, die die Schöpfung ersonnen hat. Sie schwirren ohne ersichtlichen Grund um einen herum, krabbeln über Brote und Beilagen oder setzen sich auf empfindliche Stellen wie zum Beispiel die Nasenspitze und den kleinen Zeh, wenn man auf dem Sofa liegt. Deshalb töte ich sie, das tapfere Schneiderlein war im Vergleich zu mir ein Anfänger.

Ich ging zum Schrank, in dem die Fliegenklatsche liegt. „Und was ist mit dem Insektensterben?“, fragte meine Frau. Ich hatte ihr in der Vergangenheit einige lehrreiche Vorträge zu diesem Thema gehalten, beispielsweise dann, wenn sie sich über Mücken beklagt, die sie gerne stechen.

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Unrecht hatte sie ja nicht. Fliegen sind unzweifelhaft Insekten, deren Schutzstatus sich seit einiger Zeit enorm verändert hat. Der Naturschutzbund, so erinnerte ich mich, ruft derzeit dazu auf, die Exemplare im persönlichen Umfeld zu zählen und zu melden, um ein Bild über die Bestände zu gewinnen. Als Beispiele nennt er dabei neben einigen speziellen Arten auch die gewöhnliche Stubenfliege.

Ich beschloss eine Schonzeit für Fliegen. Stattdessen werde ich sie zählen und legte eine entsprechende Liste an. Sollten sie diese Toleranz allerdings nicht durch angepasstes Benehmen honorieren, kann es sein, dass in Zukunft einige Striche wieder von dieser Liste verschwinden müssen.

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Von Bernd Haase

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