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Aus der Stadt Lüttje Lage: Waldmeister in Variationen
Hannover Aus der Stadt

Lüttje Lage: Waldmeister in Variationen

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19:42 13.05.2020
Bernd Haase Quelle: HAZ
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Hannover

Im Mai bietet eine ausschweifende Natur bekanntlich allerlei Verlockungen, eine hört auf den Namen Waldmeister. Bei uns im Garten unter der Weide am Teich hat er sich mächtig ausgebreitet und bot mit seinen grünen Stängeln und den weißen Blüten einen wunderschönen Anblick – allerdings nur so lange, bis ich ihn großflächig aberntete.

Man kann mit Waldmeister manches anstellen. Ich habe einen Teil der Ernte zusammen mit Zitronenscheiben in heißes Wasser gelegt, das Ganze zwei Tage ziehen lassen und so einen Sirup fabriziert, der sogar meiner Frau schmeckt. Der andere Teil ergab, aufgesetzt mit einem guten Weißwein und Sekt, eine wundervolle Bowle, wie ich fand.

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Beschwingter Nachmittag

Als wir am folgenden Sonntagmittag allein – wegen des Virusviehzeugs sind größere Zusammenrottungen ja verboten – beim Spargelessen am Tisch saßen, servierte ich die Bowle als Aperitif. Meine Frau nippte nur kurz und fand das Ganze wenig berauschend. Ich wollte prüfen, ob sie recht hatte, und trank ihr Glas auch noch aus. Nach dem Essen war mir nach einem Digestif. Ich weiß nicht, ob der Feinschmecker dazu Bowle benutzt, aber es war halt noch welche da. Den Rest des Nachmittags verbrachte die Hälfte unserer Hausbewohner in einer gewissen Beschwingtheit, die der anderen auf den Wecker ging.

Zwischenzeitlich war der Waldmeister wieder nachgewachsen. Ich ging wieder zur Weide und schnitt. „Das reicht gerade für Sirup“, sagte meine Frau und trug dabei einen Blick zur Schau, der besagte, dass ich gern auch mehrere Liter davon kochen dürfte – aber nur davon. Als Aperitif muss ich mir etwas anderes suchen.

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Von Bernd Haase

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