Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt „Lüttje Lage“: Was am Ende wirklich zählt
Hannover Aus der Stadt

"Lüttje Lage": Was am Ende wirklich zählt ist Klopapier

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
16:14 10.03.2020
Simon Benne Quelle: Samantha Franson
Anzeige
Hannover

Man sagt ja, in Krisenzeiten besönnen sich die Menschen auf das, was wirklich wichtig ist. Ich weiß jetzt, was unbedingt dazugehört. Nicht Liebe, Freunde und Familie. Nicht Ehre, Gott und Vaterland. Sondern Klopapier. Banales Klopapier.

Ich weiß das, weil bei mir daheim die weibliche Familienmehrheit derzeit im großen Stil Vorsorge trifft. Genau habe ich es nicht verstanden. Aber offenbar hat der Bruder einer Frau, die drei Straßen weiter wohnt, vor vier Jahren einen Schulfreund besucht, dessen angeheirateter Schwippschwager ein Halbchinese sein soll. Außerdem hat der Großvater unseres Friseurs unlängst eine Postkarte aus Südtirol bekommen und – unbedarft, wie er ist – mit bloßen Händen angefasst.

Jedenfalls gehen alle weiblichen Familienmitglieder fest davon aus, dass wir schon bald unter Quarantäne gestellt werden. Dass dann Menschen in Astronautenanzügen mit Kärchern um unser Haus schleichen, unterstützt durch Pestärzte mit Schnabelmasken und Rauchfässern. Und dass wir zum Überleben dann vor allem Klopapier brauchen. Also schickten sie mich los, welches zu besorgen.

Ich steuerte drei nahe Supermärkte an. Ohne Erfolg. Überall waren die Klopapierregale so leer wie einst die Kohlenkeller im dritten Kriegswinter. Das Gute am Kapitalismus ist, dass der Markt solche Engpässe meist rasch kompensiert. Und daheim stellte ich fest, dass die weibliche Familienmehrheit ohnehin schon so viel Klopapier gebunkert hatte, dass ich überlege, im Falle anhaltender Versorgungsdefizite einzelne Rollen bei Ebay zu versteigern.

An dieser Stelle ist es an der Zeit, einmal völlig ironiefrei all jenen Menschen zwischen Uetze und Wuhan einen solidarischen Gruß zu entbieten, die bereits in Quarantäne leben. Danke, dass Sie die Isolation auf sich nehmen, damit der Rest der Menschheit von diesen viralen Mistviechern verschont bleibt. Ich finde, Sie haben einen Orden verdient. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie all das haben mögen, was Sie brauchen. Auch … Sie wissen schon.

Hier finden Sie weitere lustige Texte aus unserer Serie

Von Simon Benne

Sechs Menschen in der Landeshauptstadt haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Das Gesundheitsamt der Region Hannover hat auf einer Pressekonferenz über die Krankheitsverläufe und Regelungen zur Reiserückkehrern sowie Veranstaltungen informiert. Hier können Sie den Stream sehen.

10.03.2020

Ein 30-Jähriger fiel im Sommer 2019 auf dem Küchengartenplatz in Hannover nicht nur mit einem Hitler-Gruß auf, sondern auch, weil er das Wort „Neger“ gegenüber einer jungen Frau gesagt haben soll. Das Amtsgericht konnte dem Angeklagten Letzteres zwar nicht eindeutig zugeschrieben, verurteilte ihn aber für das erste Delikt zu einer Geldstrafe.

10.03.2020

Jetzt gibt es die ersten Corona-Fälle auch in der Landeshauptstadt Hannover: Sechs Menschen haben sich mit dem Virus infiziert. Die Region Hannover hat am Nachmittag reagiert: Bis zum 22. März sind alle Großveranstaltungen in der Stadt untersagt.

10.03.2020