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Aus der Stadt Lüttje Lage: Wir sind plakatfreie Zone
Hannover Aus der Stadt

Lüttje Lage: Wir sind plakatfreie Zone

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20:00 02.09.2021
Bernd Haase
Bernd Haase Quelle: HAZ
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Hannover

Wenn es derzeit etwas im Überfluss gibt, dann sind es Wahlplakate. Sie hängen massenhaft an Laternen und Schildermasten oder stehen großformatig am Straßenrand und manchmal auch auf Feldern. Weil gleichzeitig Kommunal- und Bundestagswahlen sind, muss man sich Zeit nehmen, um durchzusteigen, wer da alles für was wirbt und für welches politische Mandat kandidiert. Das Ganze wirkt unsortiert.

Es gibt aber auch Ausnahmen. Bei uns in der Siedlung Twenge waren kürzlich die Linken da und haben ein Plakat aufgehängt, auf dem sie ankündigen, Politik mit links machen zu wollen. Nun ja. Damit hängen bei uns in der Ortsdurchfahrt jetzt genau drei Plakate, alle an einem Laternenmast schräg gegenüber von unserem Haus. Außer den Linken gibt es noch eine CDU-Politikerin, die wieder in die Regionsversammlung möchte und eine von der SPD, die sich für Stadt- und Ortsrat interessiert und behauptet, „näher dran“ zu sein. An was genau, verschweigt sie. Die zwei Nebenstraßen sind plakatfreie Zone.

Wir sind unentschlossen, was wir von der Sache zu halten haben. Einerseits tragen Wahlplakate nicht wirklich zur Bereicherung des Ortsbildes bei. Andererseits fühlen wir uns vernachlässigt. Wir haben den Eindruck, als seien die bummelig hundert Twenger Wähler den Parteien nicht so wichtig, als das man sich großartig um sie kümmern müsste. Möglicherweise halten sie auch den Prozess der politischen Willensbildung bei uns für abgeschlossen.

Das könnte sich rächen, denn angeblich zählt jede Stimme, also auch unsere. Wir sind durchaus offen für Neues, wie meine Frau kürzlich bewiesen hat, als sie sich ihr erstes Smartphone zulegte. Was die Politik angeht, werden wir wohl tatsächlich noch in die Wahlprogramme schauen müssen.

Von Bernd Haase