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Aus der Stadt In 80 Tagen um die Welt – auf einer Vespa
Hannover Aus der Stadt In 80 Tagen um die Welt – auf einer Vespa
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16:38 04.10.2018
Markus Andre Mayer hat die Welt auf dem Sitz einer Vespa umrundet. Nun berichtete er in seinem Verein – dem Vespa Club Hannover – von seinem Abenteuer. Quelle: Moritz Frankenberg
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Jede dieser Zahlen erzählt eine eigene Geschichte: Zwölf abgefahrene oder geplatzte Reifen, zwei zerschlissene Kupplungen, fünf defekte Zündkerzen und ein eingebranntes Loch in der Zylinderwand erklären ganz gut, warum eine Vespa vielleicht nicht das passendste Fahrzeug für eine Weltreise ist. Markus Andre Mayer hat die Reise trotzdem absolviert. 27113 Kilometer fuhr er auf dem italienischen Kult-Roller um die Welt und berichtete nun in der ehemaligen Mensa der Tierärztlichen Hochschule seinen Vereinsfreunden vom Vespa Club Hannover von seinen Erfahrungen.

„Ich fahre seit 25 Jahren Vespa und wollte immer mit meiner Freundin mal nach Capri fahren. Die Freundin ging verloren, aber die Idee war geblieben“, erzählt Mayer. Der ehemalige Fallschirmspringer sucht schon seit Jahren das Abenteuer und die Herausforderung. Eine Weltumreise im Auto? Mayer reizte eher die technische Herausforderung und bereitete seine Reise mehr als eineinhalb Jahren vor. Er fuhr in die USA und in die Niederlande, um dort strategisch Roller zu platzieren, um Frachtkosten bei den Strecken über die Ozeane zu sparen. Mit einer dritten Vespa reiste er von Madrid aus los.

Das Benzin in Asien war für die Vespa nicht gut

Die Route des 42-Jährigen führte ihn über Italien nach Slowenien, Albanien, Griechenland, Türkei und Aserbaidschan. Bis zu 640 Kilometer am Tag fuhr der Vespa-Fan. „Immer wieder traf ich Mitglieder von Vespa-Klubs, die mich gastfreundlichen aufnahmen“, berichtet Mayer. Die Reise wurde trotzdem schnell zum Kampf um passende Ersatzteile. Mayer traf auf wilde Kamele, Stiere und viel zu schnelle Lastwagen hinter ihm. Die Vespa litt unter schlechter Benzin-Qualität in Asien, dass zum Teil in einfachen Cola-Dosen transportiert wurde. Manchmal war die rettende Tankstelle auch einfach zu weit weg. Bei mehr als 40 Grad musste Mayer einmal in einer Wüste in Kasachstan am Straßenrand auf Hilfe warten. „Nach Stunden kam tatsächlich ein Auto mit passendem Benzin. Wenn man einmal Benzin mit einem Schlauch aus dem Tank angesaugt hat, vergisst man den Geschmack im Mund nie.“

Die Russen haben noch nie eine Vespa gesehen

Trotz der Anstrengungen wurde Mayer auf seiner Reise immer wieder herzlich empfangen. „Es muss oft ausgesehen haben, als würde ich auf einem Einhorn in die Stadt reiten – die Menschen in Russland zum Beispiel hatten noch nie eine Vespa gesehen!“ Mayer fuhr von Wladiwostok mit Fähren bis nach Südkorea, durchquerte anschließend die USA mit 6150 Kilometern auf der Vespa und erreichte erst vor wenigen Tagen wieder Europa. Nun erzählt er in Vespa-Klubs von der Reise, ein Buch soll folgen. Mayer sammelt Geld, um die verbliebenen Roller wieder einzusammeln. Zudem treibt ihn schon ein neues Reiseprojekt um. „In einer Ape hat man deutlich mehr Platz für fotografisches Equipment“, sagt Mayer. Eine Ape ist ein Fahrzeug mit drei Rädern des italienischen Herstellers Piaggio. Es ist das Unternehmen, dass auch die Vespa hergestellt hat. Mit der Technik dürfte sich Mayer nun ausreichend auskennen.

Von Jan Sedelies