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Aus der Stadt Gerüstimplantat bietet Halt für Zahnersatz
Hannover Aus der Stadt Gerüstimplantat bietet Halt für Zahnersatz
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18:08 16.10.2018
Patient Richard Ingerowski (links) profitiert von dem neuartigen Gerüstimplantat, das Professor Nils-Claudius Gellrich entwickelt hat. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Für Patienten mit stark zurückgegangenen Kieferknochen gibt es Hoffnung. Bisher mussten sie sich aufwendigen Operationen unterziehen, damit ein festsitzender Zahnersatz in ihrem Mund Halt bekommt. Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover haben ein Verfahren entwickelt, das schneller und sicherer Hilfe verspricht. „Für den Schwund von Knochen gibt es unterschiedliche Gründe: Entzündungen, Tumore, Unfälle oder auch angeborene Defekte“, erläutert Professor Nils-Claudius Gellrich, Direktor der MHH-Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Wenn einem Patienten jahrelang Zähne fehlen und er die Kieferknochen nicht mehr durchs Kauen beansprucht, kann das ebenfalls zum Abbau führen.

Bisher musste der Kieferknochen dann mit eigenem Knochenmaterial aus Beckenkamm oder Wade wieder aufgebaut werden. „Das erfordert mehrere Operationen, die Behandlung dauert rund ein Jahr. Besonders für ältere und auch sehr kranke Patienten kommt diese Belastung meist nicht mehr in Frage“, erklärt MHH-Mitarbeiter Björn Rahlf. In seiner eigenen Zahnarztpraxis in Rendsburg begegnen dem Mediziner häufig ältere Patienten, die aufgrund von Knochenschwund nur noch schwer zu versorgen sind.

Die Kieferchirurgen setzen nun auf eine neue Methode: Sie implantieren ein stabiles und zugleich filigranes Gerüst aus Titan, das Lücken im Kieferknochen überbrückt. Sie setzen dafür an den noch vorhandenen Kieferteilen an. Gellrich und Rahlf haben dieses Gerüstimplantat gemeinsam entwickelt, die MHH hält das Patent. „Wir planen die Gerüststruktur wie eine Krake, die sich an verschiedenen Punkten festhält“, erläutert Gellrich. Für jeden Patienten entsteht ein individuelles Gerüst. Ausgangspunkt ist seine Knochenstruktur im Mundraum, die durch diagnostische dreidimensionale Bildgebung erfasst und am Bildschirm rekonstruiert wird. Das dazu passende Gerüst entsteht digital im Metallpulverdruck bei einer Firma in Tuttlingen. Bisher wendet ausschließlich die MHH die Methode an, die Zahnmediziner haben 21 Patienten behandelt. Auf das Gerüstimplantat wird dann der Zahnersatz eingesetzt.

Zu diesen ersten Patienten gehört Richard Ingerowski. Der 77-Jährige hatte durch einen gutartigen Tumor die Hälfte seines Oberkiefers eingebüßt. „Ich habe zwar Teilprothesen getragen, aber das war immer ein Fremdkörper im Mund.“

Von Bärbel Hilbig

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