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Aus der Stadt Beziehungsstreit: Frau ersticht ihren Partner
Hannover Aus der Stadt Beziehungsstreit: Frau ersticht ihren Partner
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16:05 18.07.2018
Nachbarn haben in der Nacht zu Mittwoch laute Schreie aus dem Haus gehört.
Nachbarn haben in der Nacht zu Mittwoch laute Schreie aus dem Haus gehört. Quelle: Peer Hellerling
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Isernhagen

In Altwarmbüchen hat ein Beziehungsstreit in der Nacht zu Mittwoch ein tödliches Ende genommen. Eine 34-Jährige stach laut Polizei gegen 3.30 Uhr in der gemeinsamen Wohnung in der Straße An der Riehe auf ihren 39-jährigen Lebensgefährten ein. Der Rettungsdienst hatte noch versucht, Stefano C. zu reanimieren – allerdings erfolglos. „Er erlag wenig später seinen schweren Verletzungen“, sagt Polizeisprecher André Puiu. Die Ermittler nahmen die 34-Jährige noch in der Wohnung fest. Die Hintergründe für den Angriff sind noch unklar, die Spurensicherung war bis in den späten Vormittag in Altwarmbüchen. An der Wohnungstür zeugt immer noch Blut von der Beziehungstat.

Unmittelbar nach der Messerattacke wurde der Angreiferin offenbar bewusst, was sie getan hatte. Laut Ewa Plona-Hinze, die einen Blumenladen genau unter der Wohnung des Pärchens besitzt, klopfte die 34-Jährige „völlig aufgelöst, blutig und mit dem Messer in der Hand“ beim Nachbarn, der zwei Wohnungen weiter lebt. „Sie sagte ihm, sie habe gerade Mist gemacht“, so Ewa Plona-Hinze. Eine andere Anwohnerin berichten, dass sie kurz vor der Bluttat wachgeworden sei und lautes Geschrei der Frau aus der Wohnung des Pärchens gehört habe. „Außerdem klang es bereits gegen 22 Uhr so, als ob jemand Möbel zertrümmert“, sagt eine Nachbarin.

Laut, betrunken, drogenabhängig

Stefano C. lebte seit mindestens zwei Jahren in der Wohnung, seine Freundin sei vor etwas mehr als einem halben Jahr dazugekommen. „Sie lebte sehr zurückgezogen“, sagt Horst Landenberg, der gegenüber wohnt. Wirklich gesehen und unterhalten habe sich niemand mit der schlanken Blondine. Mehrere Anwohner berichten zudem übereinstimmend, dass das Paar regelmäßig Alkohol trank und drogenabhängig war. Unter anderem vor etwa zwei Wochen schmiss C. abends einen Fernseher und einen Kühlschrank von seinem Balkon direkt auf den Fußweg vor dem Blumenladen. „Zum Glück ging da gerade niemand lang“, sagt Ewa Plona-Hinze. Nach HAZ-Informationen ist der 39-Jährige zudem kein Unbekannter bei der Polizei. Die Beamten waren regelmäßig vor Ort und sollen ihn auch mindestens einmal mitgenommen haben.

Erst vor zwei Wochen schmiss Stefano C. einen Kühlschrank und einen Fernseher von seinem Balkon auf die Straße. Quelle: privat

Die Bewohner des Hauses hatten gehofft, dass C. ruhiger wird, wenn seine Lebensgefährtin mit einzieht. Doch auch dann sei er „immer auffällig, laut und besoffen“ gewesen. Regelmäßig habe es Streit gegeben. Laut Plona-Hinze habe es in ihrem Laden häufig so geklungen, „als wäre über mir ein Bauunternehmen im Einsatz“. Wenn das Paar frühmorgens das Haus verließ, sei es nachmittags mit Bier-Sechserträgern zurückgekommen. Als Landenberg am Mittwoch gegen 4.30 Uhr den Leichenwagen sah, vermutete er zunächst, der 39-Jährige sei an einer Drogen-Überdosis gestorben.

Auch Notwehr denkbar

Nach Angaben der Polizei war die 34-Jährige nach ihrer Festnahme nicht alkoholisiert. „Die Untersuchungen hinsichtlich berauschender Mittel steht aber noch aus“, sagt Puiu. Die Frau befindet sich momentan in Polizeigewahrsam, bis zum Mittwochmittag konnte die Verdächtige noch nicht vernommen werden. Offen ist daher unter anderem, als was die Tat juristisch gewertet wird. Bislang ermittelt die Polizei wegen eines Tötungsdeliktes gegen die 34-Jährige. Laut Puiu könnte sich im Zuge der weiteren Untersuchungen aber genauso gut herausstellen, dass es Notwehr war.

Von Peer Hellerling