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Aus der Stadt Neues Fotobuch zeigt Hannovers Veränderung
Hannover Aus der Stadt Neues Fotobuch zeigt Hannovers Veränderung
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00:15 20.12.2018
Zeitreise: Fast 60 Bildpaare zeigen Hannover früher und heute.
Zeitreise: Fast 60 Bildpaare zeigen Hannover früher und heute. Quelle: Conrad von Meding
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Hannover

Was für eine Schönheit strahlt das untergegangene Hannover auf alten Bildern aus – und was für eine Modernität die nach 1945 neu aufgebaute Stadt. Etliche Bildbände beschäftigen sich mit der Gegenüberstellung von alten und aktuellen Fotopaaren. Einige davon sind eher dilettantisch, weil weder Perspektiven noch Jahreszeiten stimmen. Dem hannoversche Grafiker Michael Narten aber ist mit dem jetzt erschienenen, mittlerweile dritten Band seiner „Zeitreisen“ wieder ein handwerklich gelungenes Produkt geglückt.

Viele Fotografien von Hauschild, Koberg und Wagner

Eine Besonderheit des neuen Bands: Etliche der historischen Motive sind bisher unveröffentlicht. Natürlich sind Bilder des langjährigen HAZ-Fotografen Wilhelm Hauschild dabei, aber auch von Heinz Koberg und Hans Wagner, und zudem Postkartenansichten von Karl Friedrich Wunder aus dem 19. Jahrhundert. Schade ist, dass die Urheber der historischen Motive nicht direkt am Bild genannt werden, sie wollen im schwer lesbaren Register nachgeschlagen werden.

Fast durchgehend gelungen aber ist Narten bei der Zusammenstellung der Bildpaare die Wahl von Perspektive und Brennweite und auch die Gesamtstimmung. Im Buch finden sich die zumeist schwarz-weißen Altbilder auf der linken Aufschlagseite, das aktuelle Pendant auf der rechten, zuweilen gibt es ein Zusatzbild, um die Situation besser zu erläutern. Beeindruckend sind die Perspektiven der zerstörten Stadt als Gegenüberstellung zum modernen Hannover. Überraschend ist für den zeitgenössischen Betrachter, wie viele Autos einst durch die Innenstadt fuhren, wo heute Fußgängerzone ist. Und besonders gelungen ist eine Zusammenstellung vom heutigen Flohmarktufer, wo sich früher um die alte Leinetorbrücke (Schlossstraße) geduckte Fachwerkhäuser drängten und heute die Weite der urbanen Landschaft zu sehen ist.

Pflichtlektüre für Hannover-Liebhaber

Fast 60 Bildpaare hat Narten versammelt und mit kurzen Erklärtexten garniert. Darunter findet sich auch eine überraschende Fotomontage von Hauschild, die eine Straßenbahn aus einer imaginären Tunnelausfahrt an der Goseriede auftauchen lässt. Einige aktuelle Motive sind schon wieder überholt. So drehen sich am ehemaligen Volkshochschulgebäude gegenüber dem Rathaus noch die Kräne, und auf der Goethestraße wird noch gearbeitet. Aber auch daran zeigt sich, wie schnell der Wandel in einer Großstadt geht. Für Hannover-Liebhaber ist das Buch fast eine Pflichtlektüre, in der vieles neu und wieder zu entdecken ist.

„Michael Nartens Zeitreise durch Hannover“, erschienen bei Leuenhagen & Paris, 144 Seiten, 20 Euro.

Von Conrad von Meding