Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Mietnomaden richten Schaden von 80.000 Euro an: Ehepaar bleibt auf Kosten sitzen
Hannover Aus der Stadt

Mietnomaden in Hannover: Schaden von 80.000 Euro angerichtet

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:45 07.11.2019
Die Mieter haben auch Backofen und Mikrowelle zerstört. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

„Wir sind einfach nur verzweifelt“, sagt Sabine Reuter. Vor fünf Jahren hatte die 55-Jährige gemeinsam mit ihrem Mann Harald (Namen von der Redaktion geändert) ein Haus in Hannover-Bemerode gekauft. „Als Anlage für eine kleine Zusatzrente“, berichtet sie. „Ein schönes Haus“, sagt ihr Mann. Am Giebel hängen noch die Zeichen einer besseren Zeit: Ehrenscheiben der Schützengilde Kirchrode.

Aber hier ist nichts mehr so, wie es war. Das Ehepaar ist Mietnomaden zum Opfer gefallen. Diese haben das Haus in der Hartestraße nach und nach ramponiert, das Gebäude ist ein Fall für eine Komplettsanierung.

„Der schwärzeste Tag in unserem Leben“

Rund 280.000 Euro hatte das Ehepaar aus Kirchrode für das Haus in einer ruhigen Wohngegend in Bemerode bezahlt, ein Gutachter hat mittlerweile einen Schaden in Höhe von 80.000 Euro festgestellt. Heizkörper sind aus der Wand gerissen, Wände und Decken durchfeuchtet, Türen eingetreten, das einst schöne Stabparkett in vielen Räumen ist nicht mehr zu gebrauchen.

„Das war der schwärzeste Tag in unserem Leben, als wir uns auf die spätere Mieterin eingelassen haben“, sagt Sabine Reuter. „Eine Frau mit drei oder vier Kindern, die einen ordentlichen Eindruck machte“, berichtet sie. Sie sei sehr nett gewesen und habe den beiden auch leid getan. Die Miete für die alleinerziehende Frau kam vom Jobcenter.

In die obere Wohnung des Hauses habe die Stadt dann auch noch eine Frau mit Kindern einquartiert, die sich in einer ähnlichen Situation befunden habe. „Ein halbes Jahr lief alles gut, die haben sich sogar um den Garten gekümmert“, berichtet Harald Reuter.

„Der hat das Haus nach und nach zerschrottet“: Die Probleme begannen, als ein junger Mann mit in das Haus eingezogen ist. Quelle: Tim Schaarschmidt

Haus nach und nach beschädigt

Der Ärger habe begonnen, als die Stadt in dem Haus noch einen jungen Mann untergebracht habe, der bereits mehrfach straffällig geworden war, so berichtet es Reuter. Der junge Mann ist mit einer der beiden dort wohnenden Familien verwandt. Es sei durchaus üblich – wenn es den Wunsch und die Möglichkeit gebe – Menschen bei deren Angehörigen unterzubringen, sagt Stadtsprecherin Konstanze Kalmus.

„Der hat das Haus nach und nach zerschrottet“, berichtet der Hausbesitzer. Der Mann habe unter anderem das Treppengeländer zur oberen Etage zerstört, gegen Türen getreten sowie Scheiben und Briefkästen kaputt gemacht. „Ich habe immer wieder mit seinem Vormund gesprochen“, sagt Harald Reuter. Dieser habe einfach immer nur behauptet, er kümmere sich um den Jungen. Passiert sei aber gar nichts.

Alleinstehende Männer lebten im Keller

Beschwerden kamen auch aus der Nachbarschaft. Denn immer häufiger gab es in der Hartestraße Randale. Das hing möglicherweise auch damit zusammen, dass die beiden Frauen auf eigene Rechnung die Kellerräume des Hauses an alleinstehende Männer vermieteten. „Die haben aus dem Haus ein Freudenhaus gemacht“, sagt Harald Reuter. Es gab zahlreiche Polizeieinsätze. Zudem riefen die Mieter bei Problemen immer wieder die Feuerwehr – wenn sie zum Beispiel einen Heizkörper aus der Verankerung gerissen hatten und das Wasser durch die Decken lief.

Offenbar gab es auch Einbruchsversuche: Eine Tür ist völlig zerstört. Quelle: Tim Schaarschmidt

Zwei Jahre mussten die Reuters klagen, bis sie vor Gericht Erfolg hatten und das Haus geräumt wurde. Aber der Ärger ist noch nicht zu Ende. Mehrmals sei in den vergangenen Wochen versucht worden, in das Haus einzubrechen: Ein Wohnzimmerfenster ist am Fenstergriff eingeschlagen, ebenso wie das Glas in der Haustür. Offenbar wollten die ehemaligen Mieter noch zurückgelassene Sachen aus den Wohnungen holen. Außerdem erhält das Ehepaar Drohanrufe.

Gesamtschaden liegt bei mehr als 100.000 Euro

Der Schaden liegt insgesamt bei über 100.000 Euro. Denn zu den vom Gutachter geschätzten Sanierungskosten kommen noch rund 10.000 Euro für Anwälte und Gerichte sowie 12.000 Euro Mietausfälle. „Uns ist nicht klar, warum das Jobcenter zum Schluss die Miete einfach nicht mehr gezahlt hat“, sagt Sabine Reuter.

Zum Einzelfall will sich das Jobcenter aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht äußern. Vermutlich haben sich die Mieter vom Jobcenter die Miete auf ihr eigenes Konto überweisen lassen und dann monatelang nicht an die Vermieter weitergeleitet. Das Jobcenter müsse das so machen, wie es die Mieter wünschten, „wir dürfen niemanden bevormunden“, sagt Pressesprecherin Ute Gonser.

Mieter verlassen Haus erst nach Räumungsklage

Das Ehepaar hofft, dass es nicht auf den Kosten sitzen bleibt. „Irgendwer muss doch die Verantwortung übernehmen“, sagt Sabine Reuter. Gemeinsam mit ihrem Mann hofft sie, dass die Stadt für einen solchen Fall versichert ist.

Rathaussprecherin Kalmus betont, dass die Stadt den Ärger der Vermieter verstehe und bedauere. Eine Versicherung bestehe in der konkreten Situation allerdings nicht. Denn die Stadt lehne Schadensersatzansprüche wegen fehlender rechtlicher Voraussetzungen ab, beispielsweise habe die Stadt ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt. Ansprüche müssten auf zivilrechtlichem Weg gegenüber dem mutmaßlichen Schadensverursacher geltend gemacht werden, meint Kalmus.

So können sich Vermieter gegen Mietnomaden schützen

Sogenannte Mietnomaden erkennt man als Vermieter meist nicht auf den ersten Blick. Wenn erst einmal der Mietvertrag unterschrieben ist und sie in Haus oder Wohnungen eingezogen sind, ist es zu spät. Vor Abschluss des Mietvertrages sollte sich der Vermieter deshalb so umfassend wie möglich über den Interessenten an der Wohnung oder dem Haus informieren, rät der Vorstandschef von Haus- und Grundeigentum, Rainer Beckmann. Dazu gehöre auch eine Bonitätsauskunft bei der Schufa oder bei Creditreform und eine Mieterselbstauskunft.

Die Mieterselbstauskunft informiert über die privaten Lebensumstände des Mieters und darüber, wie viele Personen in die Wohnung oder in das Haus einziehen werden. Die Auskunft ist freiwillig. Sollte der spätere Mieter dabei falsche Angaben machen, kann der Mietvertrag angefochten und gekündigt werden, sagt Beckmann.

Der Vorstandschef von Haus- und Grundeigentum rät auch dazu, sich von künftigen Mietern den Personalausweis und drei Gehaltsabrechnungen vorlegen zu lassen. Selbstständige können ihren Verdienst mithilfe ihrer Einkommensteuerbescheide nachweisen.

Es sei außerdem sinnvoll, den vorherigen Vermieter des Interessenten zu kontaktieren, meint Beckmann. „Falls der Mieter dessen Namen nicht nennen will, besteht Grund zu Misstrauen.“

Beckmann schlägt zudem vor, die Mietkaution als Barzahlung direkt am Mietbeginn anstatt einer Kautionsversicherung einfordern. „Offenbart hier der Mieter Liquiditätsprobleme, besteht ebenfalls Grund zum Misstrauen“, sagt er. Beckmann schränkt aber ein, dass Mieter gesetzlich berechtigt seien, die Kaution in drei Raten zu zahlen. „Alle anderen Abkommen zum Nachteil des Mieters sind nicht wirksam“, stellt er klar.

Lesen Sie auch

Von Mathias Klein

Der Streik bei der Lufthansa trifft den Flughafen Hannover auch am Freitag. Nachdem bereits am Donnerstag mehrere Starts abgesagt wurden, fallen auch am Freitag zehn von 16 Inlandsflügen der Lufthansa aus. Insgesamt sei die Situation am Airport in Langenhagen aber ruhig, sagt eine Sprecherin: Viele Kunden hätten umgebucht.

08.11.2019

Um den Druck in der Tarifauseinandersetzung zu erhöhen, wird bei der Gilde wieder gestreikt. Der Ausstand begann am Mittwochabend gegen 22 Uhr. Bis Donnerstag, 14 Uhr, wollen die Mitarbeiter auf der Straße bleiben.

07.11.2019

Bis zu 20.000 Euro kostet der Wiederaufbau einer Laube nach Brandstiftung, plus Entsorgungskosten. Viele Kleingärtner können sich das nicht leisten. Jetzt hat der Verband der Kleingärtner eine neue Versicherung abgeschlossen, die für alle Mitglieder Pflicht ist. Damit steigen die Leistungen, gleichzeitig aber auch die Beiträge.

07.11.2019