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Aus der Stadt Millionenbetrag für Problemquartier: Canarisweg soll grüner und lebenswerter werden
Hannover Aus der Stadt

Millionenbetrag für Problemquartier auf dem Mühlenberg: Canarisweg soll grüner und lebenswerter werden

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16:30 10.02.2020
Zu steile Anstiege: Am Canarisweg am Mühlenberg sollen die Wege rollstuhlgerecht werden. Quelle: Marcel Schwarzenberger
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Mühlenberg

Der Canarisweg soll kinder- und seniorenfreundlicher werden – und auch deutlich grüner. In Kürze soll die Aufwertung des Grünstreifens entlang der Bornumer Straße, der Auffahrt zur Bückeburger Allee und der Wohnbebauung am Canarisweg beginnen. Den Anfang macht nun der Neubau eines Spielplatzes. Das Projekt ergänzt weitere zentrale Vorhaben, darunter die Aufwertung des Problemquartiers durch die Wohnungsgenossenschaft Hanova: Das Tochterunternehmen der Stadt erwarb jüngst 216 Wohnungen in dem Hochhauskomplex. Zudem wird die Kinderbetreuung vor Ort komplett neu geordnet. Hierfür baut die Stadt bald das neue Familienzentrum an der Beckstraße. In dem Ende 2018 als Interimslösung eröffneten Kita-Containerdorf in der Nachbarschaft werden bereits 215 Kinder betreut.

Bolzplatz und Schaukelwald

Vom Spielplatz hingegen profitieren überwiegend ältere Kinder. Die Stadt gestaltet das Gelände am Canarisweg auch nach 2017 gesammelten Wünschen der jüngsten Anwohner völlig neu. Veraltete Geräte sollen verschwinden, mehrere barrierefrei erreichbare Spielinseln entstehen. Geplant sind ein Bolzplatz, Kletteranlagen, Angebote für Kleinkinder, ein Schaukelwald und Ruhezonen für Spaziergänger und Eltern. Allein in diesen Bereich investiert die Stadt rund 750.000 Euro.

Bis in den Hof am Hochhauskomplex Canarisweg hinein werden die Freiflächen neu gestaltet. Quelle: Marcel Schwarzenberger

Weitere 605.000 Euro sollen in die beiden folgenden Bauabschnitte fließen. Die politischen Gremien stimmten diesen Vorhaben bis Ende vorigen Jahres zu. Sie umfassen das Areal rund um den Kreuzungsbereich Bornumer Straße und Auffahrt zur Bückeburger Allee. Kernbereich ist der kleine Platz an der Fußgängerampel Bornumer Straße, über die Passanten zur Beckstraße kommen. Von diesem Platz aus werden die Bereiche auf beiden Seiten der Canarisweg-Hochhäuser erschlossen – auch der Hof sowie der neue Spielplatz.

Wege werden barrierearm

Alle Wege sollen erneuert und barrierearm ausgebaut, die derzeit teilweise steilen Anstiege rollstuhlgerecht abgemildert werden. Der Bezirksrat Ricklingen forderte zwar jüngst, dass die Stadt getrennte Fuß- und Radwege bauen solle, um Unfällen vorzubeugen. Die Verwaltung lehnte das aber mit Hinweis darauf ab, dass die neuen Wege mit drei Metern Breite ausreichend Raum zum Ausweichen böten. Zudem wären die Kosten um bis zu 40.000 Euro gestiegen. Allerdings sind neue Bepflanzungen, Beleuchtungen und taktile Leitsysteme für sehbehinderte Menschen vorgesehen. Mit den Bauarbeiten für diese beiden Abschnitte will die Stadt voraussichtlich im Herbst 2020 beginnen.

Kommentar: Gut investiertes Geld

In keinem Stadtteil Hannovers ist der Druck, die Zustände zu verbessern, so groß wie in Mühlenberg. 69 Prozent der Kinder im Stadtteil sind laut der jüngsten Statistik der Stadt Hannover aus dem Jahr 2018 von Armut bedroht. Das ist ein trauriger Rekord. Auch bei der Arbeitslosenquote liegt Mühlenberg mit 17,7 Prozent vorn. 66,3 Prozent der Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund – bei Schulkindern ist die Zahl noch wesentlich höher. 2017 gab es Schlagzeilen, weil Mieter eines großen Blocks am Canarisweg einfach ihren Müll aus dem Fenster warfen – und der landete auf dem Außengelände eines Kindergartens, sodass dieses gesperrt werden musste.

Die AfD erhielt bei der Bundestagswahl 2017 in einem Mühlenberger Wahllokal 26,2 Prozent der Stimmen und wurde stärkste Kraft. Keine Frage: Die Menschen im Stadtteil fühlen sich abgehängt. Das soll sich nun ändern – und zwar gleich mit einem ganzen Paket von Maßnahmen. Durch die Aufwertung von Wohnraum – 216 Wohnungen kaufte die städtische Wohnungsgesellschaft Hanova jüngst –, durch die Neuorganisation der Kinderbetreuung im Stadtteil, durch Investitionen in Spielplätze, Grünflächen und Wege.

Bemerkenswert dabei ist, dass es die Stadt nicht bei Einzelmaßnahmen belässt, die einzelnen Gruppen zugute kommen, sondern ein Gesamtpaket schnürt. Denn die Menschen auf dem Mühlenberg müssen spüren, dass die Gesellschaft sie nicht allein lässt.

Von Rüdiger Meise

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Von Marcel Schwarzenberger

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