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Aus der Stadt Mutmaßlicher Mörder von Shilan H. gefasst
Hannover Aus der Stadt Mutmaßlicher Mörder von Shilan H. gefasst
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00:20 17.10.2018
Die 21-jährige Shilan H. wurde im März 2016 auf einer Hochzeitsfeier in Hannover-Vahrenheide erschossen.
Die 21-jährige Shilan H. wurde im März 2016 auf einer Hochzeitsfeier in Hannover-Vahrenheide erschossen. Quelle: Uwe Dillenberg
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Dohuk/Hannover

Der mutmaßliche Mörder der im März 2016 in Vahrenheide erschossenen Shilan H. ist offenbar gefasst. Wie die kurdische Polizei am Sonntag mitteilte, soll der 24-jährige Kurde Sefin Nahmann P. im Irak festgenommen worden sein. Die deutschen Behörden und Interpol fahnden nach ihm, weil er verdächtigt wird, seine 21-jährige Cousine bei einer Hochzeitsfeier vor den Augen der Gäste getötet zu haben. Sie soll sich geweigert haben, ihn zu heiraten.

Der Verdächtige sei am Freitag in der kurdischen Provinz Dohuk im Nordirak festgenommen worden, sagte der leitende Polizeibeamte Hajman Suliman. Er sitze nun dort in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Hannover wiederum teilte am Montagmorgen auf HAZ-Anfrage mit, dass sie noch keine Kenntnis über die Festnahme habe. „Eine offizielle Bestätigung steht noch aus“, sagt Sprecher Thomas Klinge. Sollte die Nachricht stimmen, müsse anschließend geklärt werden, ob der Verdächtige nach Deutschland überstellt werde.

Die Schießerei ereignete sich am Abend des 13. März 2016 auf der jesidischen Hochzeitsfeier in einem Star Event Center an der Straße Am alten Flughafen in Vahrenheide, Shilan H. und der Todesschütze waren unter den 300 Gästen. Der damals 22-Jährige soll gezielt auf seine Cousine zugegangen sein und sie mit mehreren Schüssen getötet haben. Fünf weitere Menschen wurden bei dem Vorfall verletzt.

Trotz Fahndung samt Foto durch Polizei und Staatsanwaltschaft blieb Sefin Nahmann P. verschwunden. Vieles deutete bereits damals darauf hin, dass sich der Todesschütze ins Ausland abgesetzt hatte. Unter anderem wurde gegen einen Cousin des 24-Jährigen ermittelt, der P. bei seiner Flucht direkt nach den Schüssen geholfen haben soll. Beide wurden kurz nach den Schüssen auf der Vahrenwalder Straße im Fluchtwagen geblitzt.

Shilan H.s Vater erhob kurze Zeit nach dem Mord schwere Vorwürfe, seine Tochter habe sich gegen eine geplante Zwangshochzeit gewehrt. „Meine Tochter wurde ein Opfer von veralteten Bräuchen und Traditionen“, schrieb Ghazi H. damals auf Facebook. Demnach habe es 2015 einen Bruch mit dem Rest der Verwandstschaft gegeben, als seine beiden Brüder versuchten, eine Zwangsehe zwischen dem gesuchten Sefin und dessen Cousine Shilan zu arrangieren.

Von Peer Hellerling