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Aus der Stadt Mord in der Südstadt: Ist Sophie N. Opfer eines Stalkers?
Hannover Aus der Stadt

Mord in der Südstadt: Ist Sophie N. Opfer eines Stalkers?

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21:37 16.01.2020
Die Leiche der jungen Frau wurde am späten Sonnabend in ihrer Wohnung in der Südstadt von Hannover entdeckt. Quelle: Christian Elsner
Hannover

Vier Tage nach dem tödlichen Messerangriff auf die 23-jährige Stewardess Sophie N. in ihrer Wohnung in Hannovers Südstadt kommen neue Details zu den Hintergründen ans Licht. Die junge Frau wurde vor ihrem gewaltsamen Tod von einem Stalker verfolgt, der ihr massiv nachgestellt hatte. Die Polizei geht derzeit der Frage nach, ob der geständige Täter Patrick S. für diese Stalkingtaten verantwortlich gemacht werden kann. Die Ermittler haben den Computer, das Handy und weitere Datenträger des Verdächtigen sichergestellt und werten die Daten auf den Gegenständen aus.

23-Jährige erstattete in Hannover Anzeige wegen Stalkings

„Im Mai 2019 hat die 23-Jährige in Hannover Anzeige gegen unbekannt erstattet“, sagt Kathrin Söfker, Sprecherin der Staatsanwaltschaft der HAZ. Jemand habe in ihrem Namen „wiederholt Fake-Profile auf Instagram erstellt“. Welche Fotos dort zu sehen waren, habe N. allerdings nicht näher zu Protokoll gegeben. Söfker: „Weil es damals jedoch keinen konkreten Verdacht gab, wurden die Ermittlungen eingestellt.“ Danach sei N. wegen ähnlicher Vorfälle auch nicht wieder bei der Polizei gewesen. Am Sonnabend soll Patrick S. über den Balkon in die Wohnung der 23-Jährigen eingestiegen sein und die junge Frau mit einem Stich in den Hals getötet haben. Die beiden hatten sich im Jahr 2016 bei einem gemeinsamen Job in einem Modegeschäft kennengelernt. Dem Vernehmen nach hatte sich der junge Mann mehr von Sophie N. erhofft, sie soll das aber abgelehnt haben.

Schon mehrere Stalking-Opfer in Hannover

In Hannover sind in den vergangenen Jahren immer wieder junge Frauen Opfer von Gewaltverbrechen geworden, denen Stalkingtaten vorausgegangen waren. Im Februar 2016 attackierte Daniel F. in Leinhausen seine Ex-Freundin Vanessa Münstermann mit Säure. Seitdem ist ihre linke Gesichtshälfte entstellt. Zuvor hatte F. der jungen Frau massiv nachgestellt, weil er die Trennung von ihr nicht verkraftet hatte.

Im März 2016 wurde die 21-jährige Shilan H. bei einer Hochzeit in Vahrenheide erschossen. Rund anderthalb Jahre zuvor hatte sich ein Freund eines Cousins der jungen Frau in sie verliebt. Sie wies ihn aber ab, wollte nichts mit ihm zu tun haben. Der junge Mann drohte ihr mit dem Tod, verschickte Drohnachrichten auch an Familienmitglieder und montierte schließlich ein Bild ihres Gesichts auf ein Nacktfoto und verschickte auch das an Verwandte. Shilan H. erstatte Anzeige wegen Stalkings, berichtete auch von ihrer Furcht, von einem Mitglied der eigenen Familie getötet werden zu können. Ihre Befürchtungen wurden wahr. Bei der Hochzeitsfeier zog der Cousin, der mit dem Verschmähten befreundet war, eine Waffe und tötet Shilan H. mit drei Schüssen. Der Täter ist seitdem untergetaucht.

Mögliche Tatwaffe im Fall Sophie N. sichergestellt

Im Fall Sophie N. ist das anders: Nach der tödlichen Messerattacke am Sonnabend fuhr Patrick S. in seine Heimat Dessau, stellte sich dort der Polizei und gestand. Auf HAZ-Nachfrage teilt die Staatsanwaltschaft mit, dass bei dem 34-Jährigen eine potenzielle Tatwaffe gefunden wurde. „Die Auswertungen dauern noch an, ob sie es wirklich ist“, sagt Söfker.

So können sich Frauen vor Stalkern schützen

Stalking, also das Nachstellen, ist nach Paragraf 238 des Gesetzbuches ein Straftatbestand, der mit einem Gefängnisaufenthalt von bis zu drei Jahren geahndet werden kann – vorausgesetzt, der Fall wird bei den Behörden zur Anzeige gebracht. Im Jahr 2018 registrierte das Landeskriminalamt Niedersachsen im gesamten Bundesland 1842 derartige Fälle. „Aus unserer Sicht fängt Stalking dann an, wenn eine Person regelmäßig unerwünscht Kontakt mit einer anderen Person aufnimmt“, sagt Katja Grieger vom Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe. Für die Opfer bedeute das Nachstellen einen extremen Kontrollverlust. „Sie wissen nie, wann und wo der Täter das nächste Mal zuschlagen wird“, sagt Grieger.

Die Expertin vom Bundesverband rät Betroffenen, das Problem nicht allein anzugehen. „Es kann hilfreich sein, mit guten Freundinnen, Verwandten oder einer Beratungsstelle darüber zu reden“, sagt sie. Zudem sei es wichtig, die Zahl und die Art der Übergriffe zu dokumentieren. Die Opferschutz-Organisation Der Weiße Ring hat dafür eine spezielle App für Mobiltelefone entwickeln lassen. Mit der No Stalk App lassen sich kompromittierende Fotos, Sprachnachrichten und Videos chronologisch und lückenlos speichern.

Zivilrechtlich können die Opfer darüber hinaus ebenfalls gegen die Täter vorgehen. „Sie können ein Kontakt- und Näherungsverbot erzwingen – manche Stalker lassen sich davon tatsächlich beeindrucken“, sagt Grieger. Aus Sicht der Beratungsstellen gibt es bei der Bekämpfung von Stalking ein großes Problem. „Die Polizei und die Gerichte sind so überlastet, dass oft sehr viel Zeit zwischen der Erstattung einer Strafanzeige und der Eröffnung eines Verfahrens ins Land geht“, sagt Katja Grieger. So berichtet die Expertin von einem Fall, bei dem der Verdächtige rund 100-mal gegen eine Gewaltschutzverfügung verstoßen hatte, bis tatsächlich etwas passierte. „Das ist ein Riesenproblem“. sagt die Sprecherin des Bundesverbandes.

 

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