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Aus der Stadt Müllgebühren in der Region Hannover sollen drastisch steigen
Hannover Aus der Stadt

Müllgebühren in der Region Hannover steigen drastisch, vor allem bei Restabfallsäcken

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11:48 15.11.2019
An der Deponie in Lahe kippen die Müllwerker den Abfall aus Hannover ab. Quelle: Christian Burkert
Hannover

Die Müllgebühren in der Region Hannover sollen im kommenden Jahr kräftig steigen. Besonders teuer wird es für die Nutzer von Restmüllsäcken im Umland: Sie müssen vom 1. Januar an teilweise doppelt so viel zahlen wie bisher. Das geht aus den Vorlagen für den Abfallwirtschaftsausschuss der Region hervor.

Grund für die Anhebung der Gebühren sind laut Abfallwirtschaftsbetrieb Aha gestiegene Peronalkosten (plus 5,9 Millionen Euro) und sinkende Wertstofferlöse, vor allem beim Altpapier (insgesamt minus 3,7 Millionen Euro). Das dürfte jedoch nicht der einzige Grund sein. Schon seit Jahren ist Aha bestrebt, die Sacknutzung möglichst abzuschaffen – unter anderem, weil die Abfuhr der Säcke die Mitarbeiter deutlich stärker belastet als die von Tonnen. Der für Abfall zuständige Regionsausschuss will am Donnerstag kommender Woche über die Pläne diskutieren, die Regionsversammlung soll in der Sitzung am 17. Dezember zustimmen. Die neue Gebührenordnung soll zu Beginn des neuen Jahres in Kraft treten und dann drei Jahre lang gelten.

 

Kräftiger Anstieg in Mehrfamilienhäusern kommt nicht

Damit sind Pläne vom Tisch, die den Müll vor allem für die Bewohner großer Mehrfamilienhäuser teurer gemacht hätten. Auf diesen Kompromiss hatten sich SPD und CDU zunächst geeinigt. Die neue Gebührenordnung sollte eigentlich bereits im September beschlossen werden, doch es gab Kritik von den hannoverschen Oberbürgermeisterkandidaten von SPD, CDU und Grünen: Sie lehnten den Kompromiss mit der Begründung ab, dass er die Einwohner Hannovers mit seinen vielen Mehrfamilienhäusern benachteilige. Die Region stellte das Thema bis nach der Wahl von Hannovers neuem Oberbürgermeister zurück. Anschließend bekam der Abfallwirtschaftsbetrieb Aha offenbar aus der Regionsverwaltung den Auftrag zur Neukalkulation.

Nutzer von Restabfallsäcken stopfen mehr

Nun liegen die neuen Zahlen auf dem Tisch, und teurer wird es vor allem für Kunden aus dem Umland, die statt Tonnen Restmüllsäcke verwenden. Weil sie deutlich mehr Restmüll in ihre Säcke stopften als andere Bewohner der Region in ihre Tonnen, sollen sie künftig auch mehr zahlen – so argumentiert Aha. Das Unternehmen beruft sich dabei auf rund 3500 Stichproben, die in der ganzen Region genommen wurden. Dabei wurden das Volumen und das dazugehörige Gewicht in Tonnen und Säcken ermittelt.

So viel sollen Tonnen-Nutzer künftig zahlen:

  • Eine dreiköpfige Familie in einem Einfamilienhaus zahlt für eine Restabfalltonne mit 80 Litern bei 14-täglicher Leerung vom 1. Januar 2020 an 20,08 Euro pro Monat inklusive der Grundgebühr von 6,11 Euro (bisher 5,70 Euro) und damit 2,82 Euro mehr als bisher.
  • Für die Nutzung von Restmüllsäcken mit einem Volumen von 80 Litern werden künftig 23,23 Euro monatlich fällig statt bisher 17,26 Euro.
  • Steht vor einem Mehrfamilienhaus mit vier Wohnungen, in denen jeweils vier Personen leben, ein 660-Liter-Restmüllcontainer, der alle 14 Tage geleert wird, klettern die Gebühren pro Partei um 3,03 Euro auf 25,81 Euro pro Monat.
  • Wird der Müll in einer vergleichbaren Wohnanlage in Säcken entsorgt, zahlt jede Wohnung vom 1. Januar an 41,36 Euro und damit fast doppelt so viel wie bisher: Derzeit werden noch 22,78 Euro fällig.

Mindestvolumen kann reduziert werden – aber nur auf Antrag

Neu ist die Möglichkeit, das Mindestvolumen für den Abfall von zehn Litern pro Person und Woche auf fünf Liter zu senken. Das geht auf eine alte Forderung der CDU zurück und wird jetzt mit Umweltschutzaspekten begründet. Dazu müssen Grundstückseigentümer jedoch einen gesonderten Antrag stellen. Darin muss eine dauerhafte Senkung des Restabfallvolumens durch eine besonders gute Trennung der einzelnen Abfallarten wie Papier, Verpackungsabfälle, Glas und Bioabfall nachgewiesen werden. Der Abfallwirtschaftsbetrieb betont allerdings immer wieder, dass das durchschnittliche Abfallvolumen in der Region Hannover bei rund 20 Litern pro Person und Woche liegt.

Wenn bei einem Einfamilienhaus mit drei Bewohnern die Restabfalltonne von 80 Litern in eine Tonne mit 40 Litern getauscht wird, reduziert sich die monatliche Gebühr bei 14-täglicher Leerung künftig von 20,08 Euro (inklusive monatlicher Grundgebühr) auf 13,27 Euro. Zusätzlich erhebt Aha eine einmalige Gebühr für den Tausch der Tonne in Höhe von 24,42 Euro.

Gebührenanstieg auch beim Biomüll:Auch beim Biomüll steigen ab dem 1. Januar die Gebühren. Beispielsweise kostet ein 80-Liter-Behälter bei 14-täglicher Leerung künftig 4,68 Euro pro Monat statt wie bisher 4,33 Euro. Ein 660-Liter-Container schlägt künftig mit 41,60 Euro zu Buche statt wie bisher 24,83 Euro. Deutlich teurer wird auch der 30-Liter-Biosack, Aha erhöht den Preis von derzeit 70 Cent auf einen Euro.

Keine Ermäßigung für Campingplätze, Kleingärten und Wochenendhäuser:Diese Ermäßigungen sind nach Ansicht von Aha ein „historisches Überbleibsel“ aus der Zeit vor der Gebührenstrukturreform im Jahr 2013. Damals galt im Umland eine hohe Grundgebühr (zuletzt 12,40) verbunden mit geringen Kosten für die Abfallsäcke. Inzwischen sei in mehreren Verwaltungsgerichtsverfahren die Frage aufgetaucht, ob die verringerte Grundgebühr noch rechtmäßig ist.

Erhalt der Sackabfuhr:Umlandbewohner, die statt der Tonnenabfuhr ihren Restmüll lieber wieder in Säcken sammeln wollen, können zur Sackabfuhr zurückkehren. Nach der bisherigen Regelung war das ausgeschlossen, wenn erst einmal die Tonne vor der Tür stand.

„Partysack“:Neu ist ein sogenannter Partysack mit einem Volumen von 40 Litern, um größere Mengen Restmüll schneller entsorgen zu können. Er ergänzt den bereits vorhandenen 20-Liter-Partysack – der vielen nach einer Party oder einer Renovierung zu klein ist.

Durch den Anstieg der Müllgebühren kalkuliert Aha in jedem der kommenden drei Jahre mit 16 Millionen Euro zusätzlichen Einnahmen. Insgesamt nähme der Abfallwirtschaftsbetrieb dann durchschnittlich 159 Millionen Euro pro Jahr ein.

 

Der Zweckverband Region Hannover (aha) hält Hannover sauber. Das müssen Sie zu aha wissen.

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