Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt „Absolute Sicherheit gibt es nicht“: So schützen Hannovers Museen ihre Schätze
Hannover Aus der Stadt

Nach Diebstahl in Dresden: So schützen Hannovers Museen ihre Schätze

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:37 27.11.2019
Zählt zum Unesco-Welterbe: Der berühmte Goldene Brief ist mit 24 Rubinen verziert – und in der Leibniz-Bibliothek hinter Panzerglas zu sehen. Quelle: HAZ
Hannover

Der dreiste Kunstraub in Dresden hat auch in Hannovers Museen Wellen geschlagen. „In unserer Dienstbesprechung haben wir beschlossen, alle möglichen Schwachstellen im Sicherheitskonzept noch einmal zu überprüfen“, sagt Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel Museums. Sein Haus hütet Kunstschätze von unermesslichem Wert – Werke von Picasso, Klee oder Dix werden unter anderem mit Alarmanlagen gesichert. Mit der Polizei gebe es eine Vereinbarung, dass Beamte binnen fünf Minuten nach einem Alarm im Museum sein könnten. „Absolute Sicherheit wird es aber nie geben“, sagt der Museumsdirektor.

Ein Schatz des Sprengel Museums: Das Picasso-Bild „Tête de cheval“ wurde 2008 gestohlen und tauchte erst nach Jahren wieder auf. Quelle: dpa

In anderen Museen komme es häufig im Verlauf von Bauarbeiten zu Diebstählen, wenn Alarmanlagen abgeschaltet oder Fenstersicherungen demontiert werden, sagt Spieler. Im Jahr 2008 waren zwei Picasso-Gemälde seines Museums, die als Leihgaben in der Schweiz waren, gestohlen worden, darunter das Bild „Tête de cheval“. Beide Werke tauchten erst nach Jahren wieder auf. „Seither überprüfen wir auch die Sicherheitsstandards der Leihnehmer“, sagt Spieler.

Ein Goldbrief im Tresor

In der Leibniz-Bibliothek wird einer der größten Kunstschätze der Stadt in einem Tresor hinter Panzerglas ausgestellt: Ein birmanischer Herrscher schrieb 1756 den Goldenen Brief an Georg II. – ein auf purem Gold verfasstes, mit Rubinen besetztes Schreiben. Ins Detail will Bibliothekssprecherin Marita Simon nicht gehen: „Der Goldene Brief ist aber sehr gut gesichert“, sagt sie nur. Vor einigen Jahren wurde die Bibliothek im großen Stil umgebaut: „Das Sicherheitskonzept war maßgeblicher Bestandteil der Baumaßnahmen.“

Gestohlen: Beim Einbruch auf Schloss Marienburg entwendeten Diebe unter anderem diese historischen Pistolen . Quelle: Polizei (HAZ Archiv)

Bei einem spektakulären Einbruch auf Schloss Marienburg hatten Diebe im September 2018 unter anderem historische Waffen und Medaillons erbeutet. „Seither haben wir unsere Alarmanlagen auf den neuesten Stand gebracht“, sagt Burgbetreiber Nicolaus von Schöning. Auf dem Schloss stehen umfangreiche Baumaßnahmen an. Auch aus Sicherheitsgründen sind die prächtigsten Kunstschätze daher vorübergehend fortgeschafft worden: Die berühmten Silbermöbel aus dem Besitz von Georg II. sind derzeit ans Braunschweiger Herzog-Anton-Ulrich-Museum verliehen.

Gemälde für Millionen

Auch das Landesmuseum hütet sagenhafte Kunstschätze: Das Haus zeigt Werke von Liebermann, Slevogt und Corinth; allein das Monet-Gemälde „Bahnhof Saint-Lazare“ ist Millionen wert. „Wir sind gut gesichert“, betont Direktorin Katja Lembke. Neben Alarmanlagen gebe es einen 24-Stunden-Wachdienst. Mitarbeiter müssten nicht nur ein Führungszeugnis vorlegen, sondern würden auch in persönlichen Gesprächen überprüft.

Millionen Euro wert: Claude Monets „Bahnhof Saint-Lazare“ von 1877 im Landesmuseum. Quelle: dpa

„Anders als die Dresdener Juwelen sind viele unserer Highlights schwer zu stehlen“, sagt die Direktorin. Die gewaltigen Altäre wären ebenso schwer zu transportieren wie die berühmten Kutschen des Historischen Museums. Und Moorleichen wie der Rote Franz sind auf dem Markt nur schwer zu verkaufen.

Lesen Sie auch

Von Simon Benne

Wer hat 1933 den Reichstag wirklich angezündet? Die Erklärung eines SA-Manns aus Hannover zu seiner Tatbeteiligung liegt jetzt für die historische Forschung im Landesarchiv. Auch eine Akte zur Provenienzforschung von Klara Berliner wurde übergeben.

29.11.2019

Die Bundespolizei hat im Hauptbahnhof Hannover einen 24-Jährigen festgenommen. Der Mann war wegen Beleidigung zur Fahndung ausgeschrieben und stieß auch bei der Kontrolle wüste Beschimpfungen in Richtung der Beamten aus.

27.11.2019

Die Bauarbeiten für die 700 Kilometer lange Stromtrasse Südlink haben noch gar nicht begonnen, da ist schon klar, dass sich das Projekt noch mal um ein Jahr verzögert. Der Grund: Die Genehmigungsbehörde will Einwände von Bürgern prüfen und gegebenenfalls in die Trassenpläne einarbeiten.

27.11.2019