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Aus der Stadt Nach Gewalt bei C-Jugend-Spiel: So sah es die Schiedsrichterin
Hannover Aus der Stadt

Nach Gewalt bei C-Jugend-Spiel in Burgdorf: Schiedsrichterin berichtet

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09:57 25.09.2019
Nezihe Gündogdu hat das C-Jugend-Spiel zwischen der TSV Burgdorf und dem FC Lehrte gepfiffen. Quelle: Joachim Dege/privat/Montage
Hannover/Burgdorf

Die Bestürzung ist groß nach der Prügelattacke bei einem C-Jugendspiel in Burgdorf. Ein 13-jähriger Junge aus Lehrte wurde dabei schwer verletzt – er lag am Montag immer noch im Krankenhaus.

Schiedsrichterin Nezihe Gündogdu hat die Partie, die in den Schlussminuten eskaliert ist, geleitet. Gegenüber der HAZ erzählte sie, wie es zu der Schlägerei kam.

Konflikte habe es schon vor dem Anpfiff gegeben, erinnert sich Gündogdu: „Das Trainerteam der Lehrter hat vorab schon gesagt, dass das Spiel abgebrochen werden soll, wenn es auf dem Feld nicht fair zugeht“, sagt die 52-Jährige. „So was möchte ich nicht – ich will neutral an jedes Spiel rangehen.“ Bereits am vorherigen Spieltag, am 10. September, hatten Burgdorfer Spieler die Mannschaft des SV Fuhrberg verbal und körperlich attackiert. Das Spiel war vorzeitig abgebrochen worden.

Gündogdu hat ihre Schiedsrichterprüfung vor fast fünf Jahren bestanden. Seitdem pfeift sie hauptsächlich Spiele von Damenmannschaften – die C-Jugend-Ansetzung war ihr erster Einsatz bei den Jungs.

Ansprache schon vor dem Spiel: „Wisst ihr, was ihr für einen Ruf habt?“

In der Kabine kurz vor dem Spiel suchte Gündogdu, die in Hannover als Lehrerin arbeitet, das Gespräch mit den Jugendlichen. Dabei habe sie auch die rassistischen Beleidigungen der Burgdorfer gegen den dunkelhäutigen Torhüter der Lehrter angesprochen, die es schon vor Anpfiff gegeben haben soll. „Ich habe nur am Rande mitbekommen, es aber in meiner Ansprache erwähnt.“

Nezihe Gündogdu hat das C-Jugend-Spiel zwischen der TSV Burgdorf und dem FC Lehrte gepfiffen. Quelle: privat

Gündogdu sprach eine Mahnung aus: „Wisst ihr, was ihr seit dem letzten Spielabbruch für einen Ruf habt?" Und: „Ich habe sie darauf angesprochen, dass viele in ihrer Mannschaft selbst einen Migrationshintergrund haben – da hat Diskriminierung erst recht keinen Platz. Das ist auch bei der Mannschaft angekommen“, sagt die Lehrerin.

Die Angaben zur Herkunft der Jungen sind indes bisher widersprüchlich: Nach Angaben der Polizei sind der verletzte Junge und mindestens einer der Angreifer syrische Staatsangehörige. Dem Lehrter Verein zufolge, stammt der 13-Jährige dagegen aus einer alt eingesessenen türkischen Familie. Das Burgdorfer Team besteht laut Verein „ausschließlich aus Jugendlichen mit Migrationshintergrund und Geflüchteten“.

Nach einem Foul eskalierte die Situation

Über weite Strecken sei es ein „normales Spiel“ der Jugendlichen gewesen. Zur entscheidenden Szene, die zur Prügelei führte, kam es erst in der Nachspielzeit – die Burgdorfer führten knapp mit 6:5. Der 13-jährige Lehrter, der später im Krankenhaus landete, war von einem Spieler der TSV gefoult worden. „Das war kein kartenwürdiges Einsteigen“, sagt die Schiedsrichterin. Allerdings sei der Lehrter im Anschluss auf den Verursacher losgegangen, und habe ihn zu Boden gestoßen. Danach seien die beiden Kontrahenten aufeinander losgegangen. Im letzten Moment habe sie dazwischen gehen und die Spieler auseinanderhalten können, sagt sie. Doch die Stimmung sei da bereits hochgekocht: Ein Feldspieler der Burgdorfer sowie „zwei bis drei Auswechselspieler“ hätten den Lehrter angegriffen. „Die Situation ist aus dem Ruder gelaufen“, sagt Gündogdu.

Zwei gelbe und drei roten Karten

Gemeinsam mit einem Schiedsrichterkollegen, der sich das Spiel privat ansah, sowie einigen Zuschauern, konnte die Schlägerei beendet werden. „Das hat nur ein paar Sekunden gedauert“, sagt die 52-Jährige. Dass der 13-jährige Lehrter verletzt war, habe sie auf den ersten Blick nicht erkannt. Später habe sie noch der Mutter des Verletzten eine Nachricht geschrieben und nach seinem Zustand gefragt. „Nach dem Spiel kam noch ein junger Burgdorfer zu mir. Er hat sich für seine Mannschaft entschuldigt“, so Gündogdu.

Im Spielbericht der zwölf- bis 14-jährigen Kicker standen am Ende zwei gelbe und drei rote Karten. Platzverweise gab es für den verletzten Lehrter wegen des Schubsers, zwei für Burgdorf wegen der Prügelattacke. Hinzu kommt eine Anzeige wegen Körperverletzung.

Burgdorf meldet C-Jugend ab

Dass die jungen Spieler der TSV Burgdorf nun den Ruf einer Schlägertruppe haben, die eventuell vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden, tut der Lehrerin trotz der Vorfälle leid. „Fußball ist wichtig. Dabei lernen sie, wie man richtig mit Konflikten umgeht. Das scheinen die Spieler nie gelernt zu haben.“

Der Niedersächsische Fußballverband will gleichwohl Konsequenzen aus den Vorfällen ziehen. Das Sportgericht des NFV wird voraussichtlich in den nächsten drei bis vier Wochen die Aussagen der Burgdorfer, des FC Lehrte sowie der Schiedsrichterin einholen. Dann soll das endgültiges Urteil fallen, ob und wie lange die Burgdorfer Jugendmannschaft vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden soll. Bisher gilt: Sie sind vorläufig gesperrt – längstens aber bis zum 21. März 2020.

Allerdings kam die TSV Burgdorf dem Verband am Montagabend zuvor: Der Vereinsvorstand beschloss, die C-Jugend vom Spielbetrieb abzumelden. Die an der Auseinandersetzung beteiligten Spieler sollen zudem aus dem Verein ausgeschlossen werden.

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