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Aus der Stadt Nach Querelen um Kunstrasenplatz: Grünen-Fraktionschefin tritt zurück
Hannover Aus der Stadt

Nach Querelen um Kunstrasenplatz: Grünen-Fraktionschefin tritt zurück

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14:08 30.12.2019
Annette Volland gibt ihren Fraktionsvorsitz bei den Grünen im Bezirksrat Kirchrode-Bemerode-Wülferode ab. Quelle: Grüne KiBeWü
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Hannover

Die Stadt Hannover spendiert Millionen Euro für den Bau von Kunstrasenplätzen, doch die Grünen treten auf die Bremse. Nicht die Grünen im Rat, sondern eine dreiköpfige Mini-Fraktion im Bezirksrat Kirchrode-Bemerode-Wülferode. Unter der Leitung von Fraktionschefin Annette Volland wollen die Grünen den geplanten Bau eines Kunstrasenplatzes für den TSV Bemerode verzögern. Das sorgt für viel Ärger in Partei und Ratsfraktion, schließlich hatten die Grünen zusammen mit SPD und FDP im Rat das Programm zum Bau von Kunstrasenplätzen angestoßen.

„Das Beste wäre, wenn sie aus der Partei austreten würde“

Dem innerparteilichen Druck gibt Volland jetzt nach. Die Fraktionschefin will ihr Mandat zum Jahresbeginn niederlegen. Doch damit sind die Wogen nicht geglättet. „Das Beste wäre, wenn sie auch aus der Partei austreten würde“, heißt aus den Reihen der Grünen.

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Eigentlich war der Bau eines Kunstrasenplatzes am Kronsberg längst beschlossene Sache. Doch die Grünen im Bezirksrat beantragten dort kürzlich, ein Umweltgutachten einzusehen und das Bauvorhaben auszusetzen. Auf dem künftigen Baugelände mit seinem Baumbestand lebten Molche, Igel und Fledermäuse, Anwohner seien entsetzt, führten die Grünen zur Begründung an. Volland unterstützt eine Onlinepetition, die dazu aufruft, den Bau des Platzes zu verhindern. Die Initiative der Grünen hat nicht nur im Bezirksrat hitzige Debatten ausgelöst.

Neue Parteimitglieder schreckt Fundamentalismus ab

Bei den Grünen im Rat und auf Parteiebene herrscht Fassungslosigkeit. „Das ist parteischädigendes Verhalten“, sagt ein Mitglied der Ratsfraktion. Mehrere Gespräche zwischen Parteispitze und Volland habe es bereits gegeben, um die Fraktionschefin in ihrem Eifer zu bremsen. „Neue Parteimitglieder schreckt der Fundamentalismus Vollands ab“, heißt es aus dem Führungszirkel der Partei. Dass sie ihr Mandat niedergelegt habe, sei ein notwendiger Schritt gewesen – und ein Kraftakt.

Volland will Mitglied der Grünen bleiben

Offiziell gibt sich die Parteispitze diplomatisch. „In einem Gespräch mit Frau Volland werden wir das Problem lösen“, sagt Hannovers-Grünen-Chefin Gisela Witte. Sie weist daraufhin, dass es sich bei dem Bauvorhaben für den TSV Bemerode um einen „komplexen Sachverhalt“ handele.

Volland selbst will ihren Verzicht auf das Mandat nicht weiter kommentieren. „Ein neues Vorhaben wird mir leider keine Zeit mehr für das arbeitsintensive Ehrenamt im Bezirksrat lassen“, teilt sie mit. Zudem bleibe sie Mitglied der Grünen, da sie weiterhin hinter den Zielen der Partei stehe, „ganz besonders bezüglich des Umwelt- und Klimaschutzes sowie der nachhaltigen Stadtentwicklung“. Im Übrigen habe es bisher kein einziges Gespräch mit der Parteispitze gegeben, sagt sie. Auch habe niemand in der Partei sie zum Rücktritt oder Parteiaustritt aufgefordert. Möglicherweise sei sie mit dem Niederlegen ihre Mandats solchen Forderungen zuvorgekommen.

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Von Andreas Schinkel