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Aus der Stadt Ein Leben für die Kinder
Hannover Aus der Stadt Ein Leben für die Kinder
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06:00 04.01.2019
Kindergärtnerin Petra Pfahl kümmert sich im Ruhestand im Kinder im Flüchtlingsheim im Roderbruch. Quelle: Foto: Katrin Kutter
Hannover

Warum die Kinder in Hannover sind, ob sie eine Chance auf ein Bleiberecht oder Asyl haben und woher sie stammen interessiert Petra Pfahl höchstens am Rande. Die pensionierte Erzieherin möchte sich einfach um „ihre“ Flüchtlingskinder kümmern, mit ihnen Dinge unternehmen, die Spaß machen und außerdem dafür sorgen, dass sie Deutsch lernen. Für die Jungen und Mädchen zwischen zwei und sechs Jahren ist die 64-Jährige seit Anfang des Jahres täglich in der Flüchtlingsunterkunft Baumschulenallee in Groß-Buchholz vor Ort – und alle lieben Petra.

Freunde und Nachbarn spenden Einrichtung

Das Kinderzimmer im Container an der Baumschulenallee ist liebevoll eingerichtet und ausgestattet. Bücher und Spiele stapeln sich in den Regalen, in einer Ecke steht ein gut bestückter Kaufmannsladen, die Kindertische und -stühle sind bunt lackiert, Decken und Hussen kindgerecht gestaltet. „Ich habe hier sehr viel selber gemacht“, sagt Petra Pfahl. Allerdings habe es auch regelmäßig jede Menge Spenden gegeben. Der Bezirksbürgermeister Henning Hofmann hatte die bereits im Stadtteil sehr engagierte Erzieherin angesprochen und von dem Flüchtlingsheim berichtet, in dem viele kleine Kinder unterschiedlichen Alters ohne Betreuung und Spielangebot untergebracht seien. „Da habe ich einfach losgelegt, Räume organisiert und eine Wunschliste an Möbeln, Geschirr und Spielzeug erstellt und an Nachbarn und Freunde verteilt“, erzählt Pfahl. Daraufhin wurden reihenweise Keller und Schränke geplündert und zur Unterkunft gebracht. Spenden an Büchern und Spielsachen reißen bis heute nicht ab und stapeln sich in der Wohnung von Petra Pfahl. „Ich habe oft eine Wundertüte vor meiner Tür mit besten Wünschen für die Kinder.“

Wer schnell Deutsch lernt, hat mehr Chancen

„Es ist unglaublich, was die Leute hier auf die Beine gestellt haben“, sagt die 64-Jährige. Im Roderbruch seien die Menschen durchaus offen und aktiv, in den letzten Jahren sei eine richtige „Dorfgemeinschaft“ entstanden, der Stadtteil habe zu Unrecht einen schlechten Ruf. „Und gemeinsam für Kinder da zu sein, fällt kaum jemandem schwer.“ Petra Pfahl stammt aus Hamburg, hat Jahrzehnte als Erzieherin gearbeitet, zwischenzeitlich im Rheinland, die meiste Zeit aber in Hannover und der Region. Sprachförderung und Literatur waren stets ihre Schwerpunkte und genau darauf legt sie auch bei den Flüchtlingskindern großen Wert. „Die Mädchen und Jungen müssen schnell lernen, sich auszudrücken und zu verstehen. Dann haben sie viele Chancen, Deutsch ist die Überlebenssprache hier für die Kinder“, meint die 64-Jährige, die selber zwei Kinder und drei Enkel hat.

Täglich in der Containerunterkunft

Jeden Vormittag kommt Petra Pfahl in das hübsche Kinderzimmer, die Jungen und Mädchen warten dann schon auf sie. „Vor allem für diejenigen, die noch nicht in der Schule sind und keinen Kita-Platz haben ist die Betreuung sehr wichtig“, so Pfahl. Sie setzt sich derzeit vehement dafür ein, dass eine Erzieher-Stelle in jeder Flüchtlingseinrichtung mit Familien geschaffen wird. „Erwachsenen wird alles angeboten, aber Kinder brauchen auch Unterstützung, sie müssen aufgefangen werden.“ Von den Eltern könnten sie die Sprache nicht adäquat erlernen, zudem kämen sie auch zeitlich oft zu kurz. Immer wieder betreut Petra Pfahl den Nachwuchs auch während die Eltern Sprachunterricht haben. „Das geht aber nicht immer nur im Ehrenamt, wir benötigen offizielle Erzieher.“ Aus Haftungsgründen könne sie als Ehrenamtliche etwa keine Ausflüge mit den Kindern machen, was aber eine wichtige Bereicherung für den kindlichen Alltag sei.

Nachfolger gesucht

Eigentlich möchte Petra Pfahl sich bald richtig in den Ruhestand verabschieden. „Ich hab mir den Hut aufgesetzt für dieses Projekt und es ist sehr schwer, ihn wieder abzusetzen – vor allem, wenn man die Not der Kinder sieht.“ Sie hofft, dass es noch „junge Alte“ gibt, die sie offiziell ersetzen können. Bei dem Mangel an Erziehern vermutlich kein leichtes Unterfangen. „Man muss sich halt rechtzeitig kümmern und den eigenen Nachwuchs auch heranzüchten und vor allem fördern“, betont Pfahl. Dann könnten Engpässe auch vermeiden werden.

Derzeit wird im Flüchtlings-Kinderzimmer viel gebastelt. Farben und Formen sind angesagt, aus Kreisen werden Schneemänner, aus Dreiecken Tannenbäume. „Hier wird nur Deutsch gesprochen, auch von den Kindern untereinander.“ Manchmal singt die Gruppe Lieder aus den verschiedenen Herkunftsländern. „Zum Schluss kommt aber immer ein deutsches – es lebe Helene Fischer.“

Von Susanna Bauch

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