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Aus der Stadt Nach zehn Jahren Stillstand: Umbau im Ihme-Zentrum
Hannover Aus der Stadt Nach zehn Jahren Stillstand: Umbau im Ihme-Zentrum
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18:41 07.01.2019
Das Hämmern und Bohren hat begonnen: Abbrucharbeiter machen sich an der Fassade des Ihme-Zentrums zu schaffen. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Das hat es seit genau zehn Jahren nicht gegeben: Bauarbeiter werkeln hörbar im Ihme-Zentrum. Der Fassade zur Blumenauer Straße geht es an den Kragen. Etwa 120 Tonnen Beton will die Abbruchfirma Moß in den nächsten Wochen zerkleinern und abtransportieren. Kein leichtes Unterfangen – deshalb sollen zunächst auf einem 70 Meter langen Abschnitt Erfahrungen gesammelt werden.

Das Unternehmen aus Lingen ist auf komplizierte Abbrüche spezialisiert. Viele Hannoveraner haben den Namenszug schon einmal gelesen: Die Firma hat das Kröpcke-Center abgerissen, Stück für Stück, mit Kies-Ballastierung in den Tiefgeschossen, damit das immer leichter werdende Gebäude nicht im Grundwasser nach oben schwimmt. Dieses Problem wird es beim Ihme-Zentrum nicht geben, dort geht es ja derzeit nur um die Fassaden. „Aber wir wissen noch gar nicht genau, was uns hinter den Fassadenbauteilen erwartet“, sagt Projektleiter Frank Sauermilch.

Seit zehn Jahren herrscht Stillstand im Ihme-Zentrum. Jetzt soll alles besser werden, verspricht der Haupteigentümer. Bilder vom Umbaustart – und die Projektionen, wie es einmal aussehen soll.

Jede Betonplatte an der Außenhaut wiegt etwa drei Tonnen, also soviel wie zwei Mittelklassewagen. Derzeit legen sieben Arbeiter die Anker frei, mit denen die Kolosse aufgehängt sind, damit ein Kran sie später hinunterhieven kann. Ein Schadstoffgutachten, das 2018 erstellt worden war, hat eine Ahnung davon gegeben, dass Polychlorierte Biphenyle in den Fugen und krebserregende Mineralstoffe in den hinterliegenenden Dämmungen verarbeitet sind. „Aber bei solch einer Baustelle gibt es immer Überraschungen“, sagt Sauermilch.

10 Millionen Euro soll der erste Bauabschnitt kosten. Bislang laufen nur Vorarbeiten. So richtig los gehen kann es erst nach Donnerstag. Dann hängt die Gerüstbaufirma Kunkel eine ganz besondere Plane vor die Baustelle, die nicht nur als Schadstoffschutz dient, sondern dank Luftkammern auch als Lärmschutz. Acht Dezibel vom Abbruchlärm soll sie schlucken – schließlich telefonieren direkt nebenan Mitarbeiter des Stadtwerke-Callcenters, und ringsherum wohnen und arbeiten Menschen.

Abbruch bis Ende März oder Anfang April

Bis Ende März oder Anfang April werde der Abbruch auf dem 70 Meter lange Teilstück dauern, sagt Sauermilch: „Wir müssen uns erstmal Klarheit über die Immobilie verschaffen – in den Bauabschnitten soll es dann schneller gehen.“

Gebäudeverwalter Torsten Jaskulski ist sich sicher: „Die meisten Wohnungseigentümer im Ihme-Zentrum sind frohen Mutes, dass es jetzt vorangeht.“ Die unteren Gewerbebereiche der Großimmobilie sehen seit zehn Jahren wie Ruinen nach einem Bürgerkrieg aus. Damals hatte eine Tochtergesellschaft der US-Firma Carlyle nach großspurigen Sanierungsplänen eine Pleite hingelegt und die begonnene Sanierung abgebrochen. Vor drei Jahren hat die Berliner Intown-Gruppe die Gewerbeareale der Immobilie und damit 85 Prozent der Anteile in einer Zwangsversteigerung erworben. Jetzt sollen wieder Handel, Büros und Gewerbe in die Sockeletagen einziehen, der Fassadenbau soll ein erster Schritt zur Aufwertung sein.

Zugleich reinigen innen acht Mitarbeiter der Firma A&S die Baustelle, auf der sich seit zehn Jahren viel Dreck angesammelt hat. „Gucken Sie mal, wo es aufgeräumt ist und wo nicht“, sagt Teamleiter Serdal Gökcen: „Das ist doch ein Unterschied wie Tag und Nacht.“ Auch, wenn viele nicht an die Versprechungen von Großeigentümern daran glauben: Immerhin ist jetzt ein Anfang gemacht.

Von Conrad von Meding

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