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Aus der Stadt Nachts nur noch Tempo 30: So reagieren Hannoveraner auf die Idee
Hannover Aus der Stadt

Nachts nur noch Tempo 30: So reagieren Hannoveraner auf die Idee

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00:17 08.06.2019
Nachts ein Tempolimit an der Podbi? Anwohnerin Kerstin Klostermann findet das nicht schlecht, sagt aber auch: „Lauter sind eigentlich die Stadtbahnen.“ Quelle: Conrad von Meding
Hannover

Auf besonders belasteten Straßen soll es in Hannover künftig langsamer vorangehen: Die Ratsfraktionen von SPD, Grünen und FDP schlagen vor, nachts auf wichtigen Verkehrswegen nur noch eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde zuzulassen.

Bei Anwohnern der Podbi, die die HAZ am Mittwochmorgen befragt hat, kommt der Vorschlag unterschiedlich an – auf Ablehnung trifft er aber nirgends. „Der Lärm stört, denn es gibt immer Vollidioten, die ihren Mercedes oder ihre Harley mit Vollgas aufheulen lassen“, sagt etwa Jurist Joachim Meier, der seinen Balkon zur Straße hat.

Kerstin Klostermann würde ein Tempolimit ebenfalls begrüßen – auch wenn sie sagt: „Ich schlafe zwar mit offenem Fenster, aber nachts stören mich die Autos weniger.“ Das Geräusch der Stadtbahnen seien lauter, räumt die 48-Jährige ein: „Ich habe früher zeitweilig am Lister Kirchweg und an der Podbi weiter stadtauswärts gewohnt, da fand ich den Autolärm stärker.“

Eine 38-Jährige Erzieherin, die ihr Schlafzimmer zur Podbi hat, sagt: „Ich wohne hier seit zehn Jahren, ich höre das schon gar nicht mehr.“ In Werktagsnächten sei der Lärm erträglich, „aber an Wochenenden ist es meist mehr“. Auch wenn sie selbst sich inzwischen mit dem Autolärm arrangiert habe, findet sie: „Ich hätte nichts gegen eine nächtliche Tempo-30-Regelung.“

Auch unter den Nutzern der HAZ-Facebook-Seite wird dieser Vorschlag kontrovers diskutiert. Viele lehnen den Vorstoß rundheraus ab:

Reaktionen aus dem Netz:

„Vielleicht sollte man erst einmal auf die Einhaltung des Tempolimits in bestehenden 30er-Zonen achten!“, schreibt Julia F. auf der HAZ-Facebookseite. „Ich wohne in einer solchen, aber gefühlt jedes zweite Fahrzeug rast mit 50 km/h über das Kopfsteinpflaster.“

Viele Nutzer zweifeln daran, dass Tempo-30 den Anwohner überhaupt mehr Schlaf verschafft: „Leiser wird es nicht sein, wenn alle durch die Straßen auf dem 2. Gang fahren. Ob die Umwelt damit entlastet wird, ist auch fragwürdig“, meint Lolita T.

„Blinder Aktionismus“

Für Michael B. ist klar: „Wir leben in einer Großstadt, die viele Vorteile bietet, und in die man auch mit dem Auto auf eine akzeptable Weise rein und rauskommen muß.“

Auch Marko S. kann Tempo 30 wenig abgewinnen: „Anstatt den Verkehrsfluss zu optimieren, wird er weiter ausgebremst“, schreibt er auf Facebook. „Bescheuert“.

Auch andere Nutzer reagieren empört: „Geht’s noch!“, heißt es mehrmals, „Blinder Aktionismus“ – und „Bissel spät für einen Aprilscherz“.

Jens P. fordert: „Die sollen lieber einmal die Ampelschaltung entsprechend schalten.“

„Soll mir recht sein“

Doch es gibt auch einige positive Reaktionen: „Soll mir recht sein. Guter Ansatz. Am Tage ist doch eh auch niemand schneller“, findet etwa Olaf K. Und Andreas H. sagt: „Hannover hat mit dem Messe-, dem Süd- und Westschnellweg sowie der A2 genug Straßen, auf denen nachts weiterhin zügig gefahren werden darf, um von A nach B zu kommen.“

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Tempo 30 – so funktioniert’s im Umland

Tempo 30 – auch nachts – ist in vielen Kommunen der Region ein Thema. Hier einige Beispiele:

In Langenhagen sind bereits seit einigen Jahren je ein Abschnitt der Walsroder Straße sowie der Theodor-Heuss-Straße in eng umbauten Bereichen zwischen 22 Uhr und 6 Uhr auf Tempo 30 beschränkt. So soll die Lärmbelastung der Anwohner reduziert werden. Die Wirksamkeit dieser Aktion ist inzwischen durch ein Gutachten belegt. Die Stadtverwaltung will das nächtliche Tempolimit auf weitere Straßen ausdehnen, die Entscheidung jedoch hängt in der Politik fest. Insbesondere die Feinstaub-Diskussion lässt den Langenhagener Rat zögern, da – so die bisherigen Erkenntnisse – die Schadstoffbelastung der Luft bei geringeren Geschwindigkeiten steige. Die Verwaltung wiederum mahnt: Sinnhaft sei ein Geschwindigkeitslimit nur, wenn regelmäßig geblitzt werden könne. Dies aber ist nachts zumindest aus Bordmitteln der Stadt Langenhagen nicht möglich.

Anders verfährt die Stadt Burgwedel: Sie hat auf der stark belasteten Ortsdurchfahrt von Fuhrberg ebenfalls nachts das Tempo auf 30 Kilometer pro Stunde reduziert – und einen stationären Blitzer aufgestellt. Der ist in der Lage, je nach Uhrzeit zu schnell fahrende Fahrzeuge zu erfassen.

In der Gemeinde Wedemark müssen Anwohner der ausgewiesenen Umleitungsstrecken während der Großbaustellen auf der A7 unter vermehrtem Verkehrslärm leiden. Um sie zu entlasten, hat die Straßenverkehrsbehörde ein auf die Nacht beschränktes Tempo-Limit von 30 Kilometern pro Stunde entlang der Umleitungsstrecken angeordnet.

In Laatzen gibt es seit Jahren Diskussionen um Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen, doch gilt dies zumindest auf der Hildesheimer Straße oder der Erich-Panitz-Straße noch nirgendwo. Aktuell wird wieder über das Tempolimit gesprochen, und es steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass dies stellenweise umgesetzt werden könnte.

Im Neustädter Land inklusive der Kernstadt gibt es keine „Tempo-30-bei-Nacht“-Regelung. Allerdings gilt an etlichen kommunalen Straßen dauerhaft Tempo 30 oder für ganze Ortsteile: Bordenau, Eilvese, Suttorf und Niedernstöcken. Ausgenommen sind Ortsdurchfahrten, das sind überwiegend Bundes-, Landes- und Kreisstraßen sowie ÖPNV-Strecken. Wollte man auch auf den ÖPNV-Strecken Tempo 30 anordnen, müssten die Fahrpläne neu geschrieben werden, argumentiert die Neustädter Stadtverwaltung.

 

Ist Tempo 30 lauter als Tempo 50?

Welchen Einfluss hat das Tempo von Autos auf den Lärm? Im Internet wird immer wieder das Argument genannt, dass mit Tempo 30 im zweiten Gang mehr Geräusche verursacht würden als mit Tempo 50 im dritten Gang. HAZ.de-Leser Jens P. etwa kommentiert die aktuelle Debatte um nächtliches Tempolimit auf Hauptverkehrsstraßen provokant so: „Ich würde mit dem dritten Gang in mittelhohen Drehzahlen fahren, um geschmeidig zu bleiben. Ob das im Interesse dieses Vorschlags ist: Höhere Drehzahlen mit mehr Emissionen?“ Aber: Macht das Sinn?

Fakt 1: Automatikwagen, bei denen die Schaltung technisch optimiert ist, fahren bei konstantem Tempo 30 nicht im zweiten, sondern im dritten Gang. So schonen sie den Motor, sparen Sprit und reduzieren obendrein den Lärm. Die Relation von Drehzahl und Gang war früher anders, etwa beim VW-Käfer mit Viergangschaltung. Inzwischen verfügen die meisten Fahrzeuge über mindestens fünf Gänge. Wenn Autofahrer mit Schaltwagen die Erfahrung der Automatikgetriebehersteller nutzen und ebenfalls früher hochschalten, profitieren sie von diesen Vorteilen. Der ADAC und zahlreiche Fahrschulen bieten Nachschulungen zu modernen Fahrweisen an.

Fakt 2: Lauter als das Motorengeräusch ist bei normalem Fahren ohnehin das Rollgeräusch, mindestens ab Tempo 30 aufwärts. Das haben Studien ergeben, die belegen, dass das Motorgeräusch „bei Konstantfahrt meistens nur noch im ersten und zweiten Gang“ dominiere. Das sogenannte Reifen-Fahrbahngeräusch hingegen sei „in den meisten Fahrsituationen innerorts und nahezu allen Fahrsituationen außerorts“ stärker. Bei einer Temporeduzierung von 50 auf 30 Kilometer in der Stunde, sinkt entsprechend auch das Gesamtfahrgeräusch. Bei höheren Tempi, etwa auf Autobahnen, spielt zudem das Windgeräusch eine Rolle, das in der Debatte um innerörtliche Tempolimits aber irrelevant ist.

Von rah/med/asl

Auf wichtigen Ein- und Ausfallstraßen in Hannover sollen die Autofahrer nachts künftig vom Gas gehen. Die Reaktionen auf die Pläne für Tempo 30 fallen unterschiedlich aus. „Hat die Stadt keine anderen Probleme“, fragen Hannovers Unternehmer. Die Polizeigewerkschaft GdP ist skeptisch – nur von der Umwelthilfe kommt leise Zustimmung.

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