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Aus der Stadt Kanuten besorgt: Kommen Paddelverbote auf der Leine?
Hannover Aus der Stadt

Naturschutzpläne für die Leine bremsen Paddler und Kanuten aus

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16:43 20.08.2019
Kanuten auf der Leine: Auch kommerzielle Anbieter müssen mit Einschränkungen rechnen. Quelle: Daniel Junker
Hannover

Die Pläne der Region, die Leineaue zwischen Hannover und dem Sarstedter Ortsteil Ruthe vom Landschafts- zum Naturschutzgebiet hochzustufen, sorgen bei Paddlern und Kauten für erhebliche Unruhe. Denn während sich für Angler, Jäger oder Radfahrer nichts Wesentliches ändern würde, sind für die Wassersportler Fahrverbote auf Teilabschnitten der Leine vorgesehen, teils zu bestimmten Jahreszeiten. „Wir halten gar nichts davon, es ist für die Kanuvereine existenzbedrohend“, sagt Axel Grote, Vorsitzender beim Paddel-Klub Hannover. Die Einschränkungen betreffen auch kommerzielle Anbieter von Kanutouren.

Beim Naturschutz herrscht Druck

Deutschland hinkt beim Naturschutz den Anforderungen der Europäischen Union hinterher; das betrifft auch die Region Hannover. Sie steht deshalb unter Druck und hat viele Schutzgebiete entweder schon ausgewiesen oder bereitet dieses vor. Das geplante Naturschutzgebiet in der Leineaue zählt zur zweiten Kategorie; es erstreckt sich von der Wilkenburger Straße in Wülfel über Hemminger, Laatzener und Pattenser Gebiet bis in den Nachbarkreis Hildesheim.

„Wassersportler dürfen laut Gesetz Fließgewässer zum Befahren mit kleinen Fahrzeugen ohne Eigenantrieb nutzen“, erläutert Regionssprecher Klaus Abelmann. Dieser sogenannte Gemeingebrauch kann aus Naturschutzgründen beschränkt werden, und genau das sehen die bisherigen Planungen vor. Demnach soll für den Streckenabschnitt zwischen Wilkenburger Straße und der Brücke der Bundesstraße 443 in Laatzen-Rethen ein Fahrverbot in der Brut- und Aufzuchtzeit zwischen dem 1. Januar und dem 14. Juli gelten. Der weiter südlich gelegene Abschnitt Richtung Marienburg wäre bis Ruthe ganzjährig Tabuzone für Paddler und Kanuten. Weitere Einschränkung: Ein- und Ausstieg in die Boote wäre dann nur noch am Ostufer der Leine möglich.

Nachholbedarf beim Kanutourismus

„Damit sind Traininigs- und Wanderstrecken der Vereine betroffen“, beklagt Grote. Acht von ihnen wollen sich am Mittwochabend im Domizil vom Paddel-Klub in Döhren treffen und gemeinsam mit dem Landesverband eine Stellungnahme zu verfassen. Sie dürfte Ablehnung beinhalten. Thomas Hennecke vom Kanuverleih Hannover ist von den Plänen überrascht worden. Er bietet Mietkanus und geführte Touren auf Weser, Aller und Leine an. „Fahrverbote würden uns treffen, der Abschnitt zwischen Hannover und der Marienburg ist bei unseren Kunden beliebt“, sagt er.

Unterstützung finden die Wassersportler bei der Stadt Hannover: „Eine zeitlich begrenzte Nutzungsdauer der Leine für Vereinssportaktivitäten ist nicht tolerierbar“, heißt es in ihrer Stellungnahme.

Kanufreunde geben auch zu bedenken, dass die Fahrverbote Bemühungen beeinträchtigen würden, den Tourismus im Raum Hannover anzukurbeln. Im Mai hatten Region und die Marketing- und Tourismus-Gesellschaft HMTG die Broschüre „Urlaub nebenan“ präsentiert. Regionspräsident Hauke Jagau erklärte seinerzeit, dass noch einiges für den Kanutourismus getan werden könne. Andererseits sind temporäre Fahrverbote auch an anderen Flüssen in Niedersachsen Thema – unter anderem deshalb, weil an einigen Tagen viele Freizeitfahrer alkoholisiert unterwegs sind.

Am Ende entscheidet die Politik

Ob die Pläne für das Naturschutzgebiet in ihrer derzeitigen Form Bestand haben, ist noch nicht ausgemacht. Bis zum 15. September können Kommunen, Vereine und Bürger Einwände vorbringen, die die Region dann bewertet. Der endgültige Beschluss ist dann Sache der Politiker in der Regionsversammlung. Er fällt voraussichtlich erst im kommenden Jahr.

Die Leineaue: Lebensraum für Biber und Fledermäuse

Das schon bestehende Landschafts- und künftige Naturschutzgebiet in der Leineaue südlich Hannovers erstreckt sich auf 985 Hektar. „Die Ausstattung mit verschiedenen, besonders schutzwürdigen Biotopen und insbesondere den Wasserflächen ist die Grundlage für das Vorkommen von zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten“, heißt es im Verordnungstext der Region. Sie listet im Bereich Fauna Fischotter, Biber, Fledermäuse sowie diverse Wasser- und Wiesenvögel auf, im Bereich Fauna dutzende Pflanzenarten mit Namen wie Hügel-Vergissmeinnicht, flutender Schwaden oder Rohrglanzgras.

„Neben seiner hervorzuhebenden Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz spielt das Gebiet aufgrund seiner Stadtnähe, der besonderen Vielfalt, Eigenart und Schönheit ebenfalls eine große Rolle für die naturverträgliche, ruhige Erholungsnutzung“, vermerkt die Region. Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturschutzgebietes führen könnten, seien verboten. Dazu zählen unter anderem: Störenden Lärm zu erzeugen, Hunde frei oder an Leinen von mehr als zwei Meter Länge laufen zu lassen, zu zelten, offene Feuer anzuzünden oder das Gebiet mit Luftfahrzeugen wie etwa Heißluftballons in einer Höhe von unter 150 Metern zu überfliegen.

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