Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Neue IGS? Ampelpartner wollen Ergebnis der Elternbefragung abwarten
Hannover Aus der Stadt

Neue IGS: Ampelpartner wollen noch keine Entscheidung über Schulform

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:55 31.05.2019
Schulformwechsler brauchen besondere Förderung, findet Grünen-Schulpolitikerin Silvia Klingenburg-Pülm. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Die Forderung der SPD-Fraktion nach einer zwölften Integrierten Gesamtschule in Hannover wird von den Bündnispartnern zurückhaltend aufgenommen. Einig ist man sich, dass eine neue weiterführende Schule nötig ist, um mehr Plätze im Sekundarstufen-I-Bereich (Jahrgänge fünf bis zehn) zu schaffen. Nur ob dies eine Gesamt-, Ober- oder Realschule sein soll? Da wollen sich Grüne und FDP noch nicht festlegen. Die Stadt will erst in drei Wochen – bei der nächsten Schulausschusssitzung – zu dem Vorstoß etwas sagen.

„Die Entscheidung zur Schulform bleibt erst mal offen, da die Elternbefragung noch läuft“, sagt Silvia Klingenburg-Pülm, Bildungsexpertin der Grünen. Nur ein weiteres Gymnasium sei absolut tabu, findet sie, denn gerade an den anderen Schulformen fehlten Plätze. Ideologisch bevorzugen die Grünen aber klar integrierte Systeme wie an den Gesamtschulen. „Wir wollen auch Schulen unterstützen, die sich in Gesamtschulen umwandeln.

13.500 Grundschuleltern werden nach ihrer Wunschschule befragt

Im Juni will die Stadt Briefe an alle 13.500 Eltern von Erst- bis Drittklässlern verschicken und sie nach ihrer späteren Wunschschule befragen. Bis wann das Ergebnis vorliegt, ist aber noch unklar. Wichtig sei es, dass die Stadt bereits jetzt nach einem geeigneten Grundstück sucht, fordert Klingenburg-Pülm: „In Zeiten mit hohem Flächennutzungsdruck ist es schwierig, für eine Schule von etwa 1000 Kindern ein Grundstück zu finden.“ Das habe die Suche nach einem Standort für das 18. Gymnasium gezeigt. Das soll nach einer jahrelangen Debatte jetzt in Bemerode entstehen.

Warum nicht mal den Schulhof aufs Dach bauen?

In einer dicht bebauten Stadt müsse man in der Schulplanung auch mal neue, ungewöhnliche Wege gehen, sagt Elisabeth Clausen-Muradian, wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen, und führt als Beispiele die Katharinenschule in der Hamburger HafenCity an, die den Pausenhof auf dem Dach hat, oder die Bemeroder Grundschule An der Feldbuschwende, wo die Turnhalle abgesenkt wurde und die Klassenräume obenaufgesetzt wurden.

Die SPD hatte den sich für den Bau einer neuen IGS stark gemacht, die fünf bis sechs Klassen pro Jahrgang aufnimmt. Möglicherweise könnte aber auch eine kleinere Oberschule für die Schüler nötig sein, sagt Andreas Bingemer (FDP). Solange noch keine Daten aus der Elternbefragung vorlägen, könne man noch nicht sagen, was die Schüler wirklich bräuchten. Auf alle Fälle müssten Hannovers Oberschulen besser unterstützt werden. Er verweist auf die Pestalozzischule in Anderten, an der 90 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund hätten, 85 Prozent aus ärmeren Familien kämen und 80 Prozent gar nicht im Stadtteil wohnten und obendrein sich noch 34 Pädagogen und zehn weitere Mitarbeiter ein 60 Quadratmeter großes Lehrerzimmer teilen müssten.

Schulformwechsler müssen besser gefördert werden

Von der CDU kommt ein klares Nein zu einer weiteren IGS. In Hannover seien die Schulen des mittleren Bildungswegs, also Real- und Oberschulen, lange vernachlässigt worden, kritisiert Stephanie Matz (CDU). Die Gebäude seien in einem schlechten Zustand. Dabei seien es gleichberechtigte Schulen und eine so große Stadt wie Hannover sollte sich ein vielfältiges System leisten können, sagt die Unionspolitikerin. Die CDU fordert den Bau einer neuen Realschule, wahlweise auch eine Oberschule. Matz spricht sich auch gegen eine große Schule mit fünf bis sechs Klassen pro Jahrgang aus. Besser sei eine kleinere, familiärere Schule. „Viele Schüler fühlen sich in großen Systemen unwohl, die Jugendlichen werden immer individueller, sie brauchen auch eine individuellere Förderung.“

Sollen Gymnasien auf Realschulniveau unterrichten?

Wer zweimal hintereinander eine Klasse nicht geschafft hat und wieder sitzenbleibt, muss die Schulform wechseln, er wird „abgeschult“. In diesem Schuljahr werden rund 300 Kinder die Gymnasien verlassen müssen. Doch Schulplätze für sie an Gesamt-, Ober- und Realschulen gibt es nicht. Für die Schulformwechsler bleibt der freie Elternwille bloße Vision. Die Eltern können froh sein, wenn ihr Kind überhaupt irgendwo unterkommt und nicht monatelang auf einen freien Platz warten muss, wie zuletzt 24 Kinder in der Stadt. Mehrere Schulen sollen im nächsten Schuljahr deshalb zusätzliche Klassen einrichten.

„Es wäre schön, wenn man Modelle schaffen könnte, dass die Kinder in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können und den Schulabschluss machen, den sie erreichen können“, sagt Peter Schütz, Leiter der Integrierten Gesamtschule Linden. Auch für Silvia Klingenburg-Pülm (Grüne) wäre das die Wunschvorstellung, für Stephanie Matz (CDU) hingegen ist es undenkbar, dass Gymnasien Kinder auf Realschulniveau unterrichten: „Das wäre die Aushöhlung des Gymnasiums von innen, dann wird das eine Gesamtschule.“

Auch das Schulgesetz sieht diese Möglichkeit bislang nicht vor. Sehr wohl können Jugendliche an Gymnasien auch schon jetzt den Realschulabschluss oder den Erweiterten Sekundarabschluss I erwerben, wenn sie die zehnte Klasse erfolgreich absolvieren und dann abgehen.

„Schüler lediglich abzuschulen ist nur scheinbar eine Lösung“, sagt Katharina Badenhop, Leiterin der Tellkampfschule. „Das Problem der Restschulen wird das Gymnasium nicht allein lösen können trotz zunehmend differenzierter Unterrichtsangebote und individualisierter Beschulung. Personelle, sachliche und zeitliche Ressourcen fehlen, um in Einzelfällen fachspezifisch zu fördern, pädagogisch zu beraten, um Übergänge individuell zu gestalten im Gespräch mit den Schulformen, die dem Schüler den für ihn bestmöglichen Bildungsabschluss ermöglichen können.“ dö

Grünen-Politikerin Klingenburg-Pülm sagt, man müsse die Schulformwechsler besser betreuen: Wer an einer Schule zweimal sitzen geblieben sei, habe häufig gar keine Lust mehr auf Unterricht und müsse seelisch wieder aufgebaut werden. Wenn Gesamt- und Oberschulen nach den Sommerferien eine weitere Klasse einrichteten, um Platz für die Wechsler zu schaffen, sei es unglücklich, die alle in eine Klasse zu stecken, andererseits sei es auch schlecht, bestehende Klassen zu teilen.

Von Saskia Döhner

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Aus der Stadt „Students for Future“ Hannover - Jetzt kämpfen auch Studenten für das Klima

Studenten aus Hannovers Hochschulen unterstützen die Schülerbewegung Fridays for Future für Klimaschutz. Dafür gründen sie die Gruppe „Students for Future“.

03.06.2019

An einer Kreuzung in Hannover-Misburg ist derzeit Geduld bei Autofahrern gefragt. Bauarbeiten der Infra am benachbarten Stadtbahngleis scheinen Auswirkungen auf die Ampelschaltung zu haben – das Licht steht nahezu dauerhaft auf Rot. Pro Grünphase schaffen es maximal vier Autos über die Kreuzung.

31.05.2019

Bei einer Informationsveranstaltung der Wirtschaftsfördergesellschaft Hannoverimpuls erklären 60 Fachleute am kommenden Mittwoch kostenlos, was Jungunternehmer beachten sollten.

03.06.2019