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Aus der Stadt Tilman Kuban über seine Rede: „Genau richtig so“
Hannover Aus der Stadt Tilman Kuban über seine Rede: „Genau richtig so“
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00:16 26.03.2019
Tilman Kuban besucht noch immer gerne seine alte Wirkstätte, den TSV Kirchdorf bei Barsinghausen. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Die Sonne steht über dem Rasenplatz, ein paar Jungs kicken sich den Ball zu, der Trainer pfeift zur Pause. Tilman Kuban zieht sein Jacket aus und atmet einmal tief durch. „Hier auf dem Sportplatz des TSV Kirchdorf kann ich mein Handy mal in die Tasche packen und entspannen“, sagt der frisch gewählte Bundesvorsitzende der Jungen Union, Nachwuchsorganisation der CDU. Viel Zeit bleibt ihm nicht, denn er muss am Freitag noch eine Sportlerehrung in seiner Heimatstadt Barsinghausen besuchen. Danach geht es wieder nach Berlin, zum Kennenlerngespräch mit Parteichefin Annegret Kamp-Karrenbauer.

Bewerbungsrede ist Steilvorlage für Satire

Der 31-Jährige mit dem jungenhaften Lächeln ist derzeit ein gefragter Mann. Das dürfte nicht nur mit seinem neuen Amt zu tun haben, sondern auch mit der Art und Weise, wie er dorthin gelangt ist. Wenige Tage nach seiner Wahl am vergangenen Wochenende haben sich mehrere Satiremagazine der polternden Worte Kubans angenommen. Tatsächlich finden sich in der Rede mehrere Steilvorlagen für Satiriker, etwa: „Wenn die Verteidigungsministerin mehr Kinder als Flugzeuge hat, ist das nicht die Ausrüstung, die wir wollen.“

„Ich kann über mich selbst lachen“

Kuban zuckt die Achseln. Natürlich habe er nichts gegen Parteifreundin und Ministerin Ursula von der Leyen, ganz im Gegenteil. Dennoch muss es nach der Wahl Gesprächsbedarf gegeben haben. „Wir haben telefoniert und zusammen darüber geschmunzelt. Wir verstehen uns sehr gut“, sagt er. Dass seine Worte jetzt satirisch ausgeschlachtet werden, ficht ihn nicht an. „Ich lache wirklich gerne - und vor allem auch über mich selbst“, sagt er. Die Rede sei aber durchaus ernst gemeint gewesen und „genau richtig so“. Die Stimmung im Saal habe ihn getragen. „Nach ein, zwei Sätzen hat der Saal schon gebebt“, erzählt er.

Unternehmerverbände –beliebter Arbeitgeber beim CDU-Nachwuchs

Tilman Kuban ist seit drei Jahren Leiter der Rechtsabteilung bei den Unternehmerverbänden Niedersachsen (UVN). Als er zum Bundesvorsitzenden der Jungen Union gewählt wurde, überbrachte UVN-Hauptgeschäftsführer Volker Müller sogleich seine Glückwünsche. Kuban ist nicht der erste aussichtsreiche Nachwuchspolitiker, der in dem Verband arbeitet. Auch die CDU-Landtagsabgeordnete Mareike Wulf fing nach ihrem Studium bei den Unternehmerverbänden an, zuerst als Bildungsreferentin, später wurde sie Geschäftsführerin. Jetzt sitzt Wulf im Landtag. Ist der Verband eine Art Kaderschmiede für den CDU-Nachwuchs?

Fest steht, dass der Verband eher den bürgerlichen Parteien CDU und FDP nahesteht. Und klar sei auch, sagt ein hochrangiger CDU-Mann, dass der Nachwuchs für den Verband arbeiten müsse und keineswegs freigestellt werde, um die politische Karriere zu planen. Dennoch: Was die Gewerkschaft für SPD-Politiker ist, bisweilen ein Karriere-Katalysator, scheinen die Unternehmerverbände für CDU-Anhänger zu sein.

Bei Kuban ist es umgekehrt. Er war bereits Landesvorsitzender der Jungen Union, als er für die Unternehmerverbände zu arbeiten begann. Es heißt, dass sich der Verband Kuban gezielt geholt habe, um den eigenen politischen Einfluss zu vergrößern. Das dürfte mit der Wahl Kubans zum Bundesvorsitzenden jetzt noch besser funktionieren.asl

Tatsächlich sollte der ausgebildete Jurist aus Barsinghausen nicht unterschätzt werden. Das meinen zumindest Parteifreunde Kubans. Das CDU-Nachwuchstalent verstehe es vortrefflich, auf der politischen Klaviatur zu spielen und mal den Bierzelt-Polterer zu geben, mal den Diplomaten. „Sein charakterlicher Grundzug ist Verlässlichkeit, und das hat ihm viele Anhänger eingebracht“, sagt ein hochrangiger Parteifreund.

Kuban war Nachwuchsscout bei Hannover 96

Verlässlichkeit braucht es auch beim Fußball, Kubans Lieblingssport. Auf dem Rasen hat er viele Jahre seines Lebens verbracht, zuerst als aktiver Spieler des TSV Kirchdorf, später als Jugendtrainer und Schiedsrichter. Seine Lieblingsposition war der Libero , den es im modernen Fußball gar nicht mehr gibt, später hat er dann am liebsten verteidigt. „Überblick behalten, strategisch denken, aber auch mal mit vollem Einsatz in den Zweikampf. Das sind meine Stärken“, sagt er. Danach arbeitete Kuban zwei Jahre als Nachwuchsscout für Hannover 96.

Am Rande des sonnenbeschienenen Platzes trabt ein junger Mann auf und ab. Als er Kuban sieht hebt er die Hand und ruft „Glückwunsch zur Wahl“. Der Kinder-Trainer auf dem Spielfeld wird aufmerksam und winkt. Kuban nimmt einen der Bälle geschickt mit dem Fuß auf und balanciert ihn. „Die Fitness ist nicht mehr voll da, das Ballgefühl schon“, sagt er.

Lesen Sie auch: Junge-Union-Chef kritisiert „Gleichschaltung“ der CDU – und rudert dann zurück

2005 ist Kuban in die Junge Union eingetreten. Damals ging es ihm und seinen Freunden darum, sich für eine Nachtzug-Verbindung zwischen Barsinghausen und Hannover stark zu machen. Damit die Jugendlichen nach der Feierei in der großen Stadt nicht mehr stundenlang mit dem Bus über die Dörfer rumpeln mussten. Unterschriften wurden gesammelt, erste politische Aktionen geplant. Der Erfolg stellte sich erst nach vielen Jahren ein. Seit vergangenem Jahr verbindet ein Nachtzug Barsinghausen mit der Landeshauptstadt.

Zur Person: Tilman Kuban

Tilman Kuban ist 31 Jahre alt, ledig, hat eine feste Freundin und wohnt in Barsinghausen. Nach dem Abitur studierte er in Osnabrück Rechtswissenschaften. Das zweite Staatsexamen absolvierte er beim Oberlandesgericht in Celle. 2007 zog er für die CDU in den Rat der Stadt Barsinghausen. 2009 wurde Kuban Kreisvorsitzender der Jungen Union, 2012 Bezirksvorsitzender und 2014 Landesvorsitzender der CDU-Nachwuchsorganisation. Am vergangenen Wochenende wählte ihn die Junge Union zu ihrem Bundesvorsitzenden.

Kandidatur fürs Europaparlament

Für Kuban geht die Karriere weiter. Er kandidiert für die Europawahl auf einem aussichtsreichen Listenplatz. „Im Europaparlament sollte auch die junge Generation vertreten sein“, sagt der 31-Jährige. Eines seiner Schwerpunktthemen ist die Generationengerechtigkeit. „Wir müssen uns bei künftigen Rente fragen: Wer soll das bezahlen?“, sagt er. Jugendliche seien heutzutage deutlich politisierter als noch vor einigen Jahren. Umstrittene Staatschefs wie Trump und Erdogan, aber auch Ereignisse wie der Brexit haben seiner Ansicht dazu beigetragen, dass sich die Jugend wieder mehr für Politik interessiert.

Skepsis beim Protest gegen den Klimawandel

Den weltweiten Protest gegen den Klimawandel sieht Kuban mit gemischten Gefühlen. „Ich frage mich, ob bei allen Jugendlichen der Klimaprotest zu einhundert Prozent ernst gemeint ist“, sagt er. Schließlich seien in den Ferien deutlich weniger Jugendlichen auf den Straßen als während der Schulzeit. Im Grund aber sei es in Ordnung, sich für drängende Themen zu engagieren, aber müsse das während der Schulzeit sein, fragt er sich.

Dann pfeift der Trainer ab, die Jungs stürzen sich auf ihre Trinkflaschen am Rasenrand. Kuban wirft das Jacket über die Schulter und macht sich auf zum nächsten Termin. Barsinghausen, Berlin, Brüssel – in dieser Reihenfolge.

Von Andreas Schinkel

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