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Aus der Stadt „Drogenszene ist zurückgedrängt worden“
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Neuer Leiter im Polizeikommissariat Lahe: „Der Stadtbezirk ist auf einem guten Weg“

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12:35 10.12.2019
„Das Geheimnis des Erfolgs liegt in der Netzwerkarbeit“: Andreas Pütsch ist hauptsächlich für den Bezirk Bothfeld-Vahrenheide zuständig. Quelle: Foto: Laura Ebeling

Herr Pütsch, warum sind Sie Polizist geworden?

Schon als Kind hatte ich einen sehr positiven Blick auf einen Dorfpolizisten in meinem Heimatort. Daraus hat sich der Wunsch, Polizist zu werden entwickelt und verfestigt. Und es war dann auch die erste und einzige Bewerbung im Anschluss an die Schulzeit. Dass das geklappt hat, hat mich schon sehr gefreut. Der Beruf des Polizisten ist sehr vielfältig. Und ich habe bis heute noch keinen Tag als Polizist bereut.

Warum sind Sie Leiter des Polizeikommissariats Lahe geworden?

Meine Vorgängerin, Frau Wulff-Bruhn, ist zur Bereitschaftspolizei gegangen. Damit war die Leitung des Polizeikommissariats in Lahe vakant. Mein Telefon im Landeskriminalamt klingelte eines Tages und der hannoversche Polizeipräsident sprach mich an, ob ich die Leitung der Dienststelle übernehmen könnte. Darüber habe ich mich sehr gefreut und habe gerne zugesagt.

Was schätzen Sie an der Arbeit als Kommissariatsleiter?

Die vielfältigen Kontakte innerhalb und außerhalb der Polizei. Dass ist das, was mir sehr viel Freude macht, weil ich gerne im Gespräch mit Menschen bin. Und das sowohl innerhalb der eigenen Organisation, als auch nach außen. Dazu gehören sicherlich Polizisten, aber genauso die vielen zivilgesellschaftliche Akteure in den Stadtteilen, wie zum Beispiel der Bezirksrat, Vereine oder Verbände.

Sie haben gerade zivilgesellschaftliche Akteure im Stadtteil angesprochen. Wie wollen Sie, vielleicht auch mit deren Hilfe, die Sicherheit der Bürger in den Stadtbezirken verbessern?

Ich habe ein prima Team übernommen. Und ich habe auch ein prima Netzwerk übernommen, dass intensiv gelebt wird. Ganz besonders im Bereich des Sahlkamps, wo vielfältige Akteure, aus der Stadtverwaltung, Gesellschaft und aus Unternehmen, schon über eine lange Zeit gemeinsam ein sicheres Umfeld für die Menschen im Quartier schaffen. Und all das möchte ich genauso aufnehmen, fortsetzen und weiterentwickeln. Ganz besonderes dadurch, dass ich mit den Menschen in Kontakt und ins Gespräch komme. Wir als Polizei können nicht allein für Sicherheit sorgen. Wir müssen gemeinsam mit allen Bürgerinnen und Bürgern über die bestmöglichen Wege nachdenken, wie jeder dazu beitragen kann, dass die Menschen in den Stadtteilen sicher leben können.

Stadtteile Vahrenheide und Sahlkamp sind problematisch

Wie möchten Sie mit den Bürgern der Stadtbezirke ins Gespräch kommen?

Dazu gibt es viele Gelegenheiten. Zum Beispiel die etablierten Runden, wie im Bereich des Sahlkamps die Arbeitsgemeinschaft Sicherheit im Quartier. Aber auch Gespräche mit den Bezirksbürgermeistern. Ich habe beide Bezirksbürgermeister für die Stadtbezirke Bothfeld-Vahrenheide und Buchholz-Kleefeld schon getroffen. Zusätzlich pflege ich anlassunabhängige Kontakte zu Einrichtungen in den Stadtbezirken. So war ich zum Beispiel auf dem Stadtteilbauernhof oder im NaDu Kinderhaus. Ich habe mir einen Eindruck vom Umfeld verschaffen können, in dem wir uns auch als Polizei bewegen. Aber dadurch habe ich auch Kontakt zu Menschen im Stadtbezirk knüpfen können.

Mehr zur Person

Andreas Pütsch (44) machte nach seiner Schulzeit eine Ausbildung zum Polizisten, von 2010 bis 2012 absolvierte er das Studium für den höheren Polizeivollzugsdienst an der Polizeiakademie Niedersachsen und der Deutschen Hochschule der Polizei Münster. Der gebürtige Hannoveraner fing beim Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen an und war zuletzt Leiter des Behördenstabes beim LKA. Seit dem 1. September 2019 ist Pütsch neuer Leiter des Polizeikommissarits Lahe und befehligt dort knapp 100 Polizeibeamte. Diese haben für die Sicherheit von rund 60.000 Menschen in den Stadtteilen Vahrenheide, Sahlkamp, Bothfeld, Lahe, Isernhagen-Süd und in einem Teilbereich von Groß-Buchholz zu sorgen.

Sie sind ja hauptsächlich für den Stadtbezirk Bothfeld-Vahrenheide zuständig, ein kleiner Teil von Groß-Buchholz gehört auch noch zu Ihrem Einsatzgebiet. Welche Probleme sehen Sie denn im Bezirk Bothfeld-Vahrenheide?

Es ist kein Geheimnis, dass die Stadtteile Sahlkamp und Vahrenheide in der Vergangenheit schon einen besonderen Blick auf sich gezogen haben. Beispielsweise durch die Raubüberfälle, die sich Anfang 2018 im Sahlkamp, insbesondere im Umfeld der Straßenbahnhaltestelle Alte Heide, ereignet haben. Durch sehr intensive Ermittlungen ist es glücklicherweise gelungen, die Raubüberfälle aufzuklären. In beiden Stadtteilen leben einige Menschen in schwierigen Lebensverhältnissen. Dazu kommt noch in Teilen eine schwierige Situation der Wohnbebauung, insbesondere im Sanierungsgebiet Sahlkamp. Wir als Polizei behalten weiterhin einen ganz besonderen Blick auf die beiden Stadtteile. Und zwar zum einen indem wir dort deutlich sichtbar präsent sind und insofern präventiv agieren. Zum anderen indem ich ganz intensive Kontakte zu all den Menschen suche, die das Netzwerk in den Stadtteilen bewegen. Und die versuchen, diese schwierigen Lebensverhältnisse zu gut wie möglich aufzufangen.

Die Raubüberfälle im Sahlkamp wurden von einer Jugendbande begangen. Welche Schritte kann die Polizei unternehmen, um solche Jugendbanden zu verhindern?

Das Geheimnis des Erfolges liegt da tatsächlich in der Netzwerkarbeit, um auch nachhaltig präventiv wirken zu können. Das was wir tun, ist in erster Linie ein Eingreifen in Akutsituationen, wie 2018 im Rahmen der Raubüberfälle. Wir begleiten Jugendliche aber auch aus der Jugendsachbearbeitung heraus ganz eng. Immer im Kontakt mit Jugendamt und Jugendhilfeeinrichtungen, um langfristig die Jugendlichen aus ihren schwierigen Verhältnissen herauszuführen. Auch die Kontaktbeamten in den Stadtteilen tragen viel dazu bei, einen engen Draht der Polizei in die Bevölkerung – und natürlich auch zu den Jugendlichen – zu halten. All das, um zu verhindern, dass Jugendliche wiederholt straffällig werden. Am Ende eine Aufgabe, die Polizei und andere nur gemeinsam bewältigen können.

Drogenkriminalität ist zurückgedrängt worden

Ein anderes Thema im Stadtbezirk ist auch die Drogenkriminalität. Im Mai 2019 ist der Polizei ein Schlag gegen eine Drogenbande in Vahrenheide gelungen. Wie groß ist das Drogenproblem dort?

Was Drogenkriminalität angeht, sind wir stadtweit sehr aufmerksam. Der Zugriff gegen Drogenhändler am und um den Vahrenheider Markt im Mai, war aus unserer Sicht ein spürbar schwerer Schlag für die Szene. Wir gehen davon aus, dass der Einsatz und die Festnahmen für unseren Stadtbezirk zu einer Eindämmung der Drogenkriminalität geführt haben. Seitdem zeichnet sich dort kein Brennpunkt mehr ab.

Welches Problem sehen Sie denn noch im Stadtbezirk Bothfeld-Vahrenheide?

Die Kriminalitätszahlen haben sich ausweislich der Statistiken, die wir führen, in den letzten Jahren im Allgemeinen sehr positiv entwickelt. Insofern sind wir aus meiner Sicht auf einem sehr guten Weg. Problematisch und herausragend waren die Raubtaten im Sahlkamp, die auch für ein Unsicherheitsgefühl in der Bevölkerung gesorgt haben. Wir sind froh, dass wir dort aber keinen Ermittlungsschwerpunkt mehr setzen müssen. Wir haben aber sehr wohl einen Blick darauf und sind in diesem Bereich weiterhin offen und verdeckt präsent. Unser Ziel ist es, alles, was wir tun können, dazu beizutragen, dass es zu ähnlichen Vorkommnissen im Stadtbezirk nicht mehr kommt.

Seit dem 1. September 2019 sind Sie im Amt. Was ist das Erste gewesen, was Ihnen im Stadtbezirk aufgefallen ist?

Am ersten Tag an der Spitze des Kommissariats habe ich auch gleich die Polizeistation Sahlkamp-Vahrenheide besucht. Bei meinen anschließenden Wegen durch das Quartier, insbesondere im Sahlkamp, hat mich tatsächlich das tolle Netzwerk von Menschen beeindruckt. Sie machen sich alle Gedanken darüber, wie man das Quartier lebenswerter und sicher gestalten kann. Auf ein solches Netzwerk zurückgreifen zu können, das bereits prima funktioniert und dass ganz viel zur Lebensqualität im Stadtbezirk beiträgt, ist toll.

Sie haben gesagt, es funktioniert vieles schon sehr gut. Was fehlt denn aus polizeilicher Sicht noch?

Bei all den positiven Erfahrungen, die ich im Kontakt mit Verantwortlichen und Menschen aus unterschiedlichen Bereichen bisher gemacht habe, habe ich noch keine Defizite erkannt. Ich bin ganz sicher, dass der Stadtbezirk Bothfeld-Vahrenheide auf einem guten Weg ist. Auch die Stadtteile Sahlkamp und Vahrenheide. Ich bin mir sehr sicher, dass wir es als Polizei zusammen mit den Menschen im Stadtbezirk in vielen Bereichen schon gut geschafft haben, Probleme anzugehen. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich mit aller Kraft genau dafür.

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Von Laura Ebeling

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