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Aus der Stadt Jugendorganisation der NPD lobt Aktion der 96-Ultras gegen Autonome
Hannover Aus der Stadt Jugendorganisation der NPD lobt Aktion der 96-Ultras gegen Autonome
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22:08 28.02.2019
Fans von Hannover 96 stehen in einem Polizeikessel. Quelle: Heidrich
Hannover

Die rund 60 Problemfans von Hannover 96, die am Sonntag eine handfeste Auseinandersetzung mit Linksautonomen in der Nordstadt provoziert hatten, haben für ihr Vorgehen offenbar Lob von der Jugendorganisation der rechtsextremistischen Partei NPD erhalten. Die Gruppe Junge Nationalisten (JN) meldete sich über den Kurznachrichtendienst Twitter zu Wort. „Der Vorfall am vergangenen Wochenende in der Nordstadt zeigt, dass den AntiFa-Spinnern viel zu lange freie Hand gelassen wurde“, heißt es in der Nachricht. Die Fanszene habe den Anfang gemacht und gezeigt, dass man sich nicht kampflos unterordnen werde. „Nun heißt es zusammenstehen und die Linken in ihre Schranken weisen“, heißt es in der Mitteilung.

Als Verfasser der Nachricht ist die Jugendoffensive Hannover genannt. Als Anschrift ist die E-Mail-Adresse der Organisation Junge Nationalisten angegeben. Der Polizei ist die Twitter-Nachricht bekannt. Ermittlungen ergaben, dass die Facebook-Seite der Gruppierung erst seit dem 26. Februar existiert, also erst eingerichtet wurde, nachdem die Auseinandersetzung in der Nordstadt stattgefunden hatte. Beim Kurznachrichtendienst Twitter sei kein eigener Account der Jugendoffensive Hannover vorhanden, teilte die Behörde mit. „Ob die Facebook-Seite tatsächlich der Jugendorganisation der NPD zugerechnet werden kann, kann derzeit nicht abschließend bewertet werden“, teilte die Polizeidirektion Hannover mit.

Polizei: „Rechte Agitation der Fanszene nicht belegt“

Sollte der Tweet tatsächlich von den Rechtsextremisten stammen, wäre der Vorgang eine Bestätigung für die Linksautonomen. Seit Monaten weisen sie auf einen angeblichen Rechtsruck der aktiven Fanszene von Hannover 96 und angeblichen Überschneidungen zwischen Mitgliedern gewisser Ultra-Gruppierungen und rechten Organisationen hin. Der Verein und die Polizei haben diese Entwicklung bislang nicht bestätigen können. Auch in der Stellungnahme zu dem mutmaßlichen Tweet der JN der Behörde heißt es: „Eine organisierte rechte Agitation von Gruppen aus der Fanszene kann seitens der Polizeidirektion nicht belegt werden.“ Nach Einschätzung der Ermittler werde sich die 96-Fanszene durch die Twitter-Nachricht nicht instrumentalisieren lassen, weil „davon ausgegangen wird, dass es in der Fanszene lediglich Einzelpersonen mit entsprechenden Auffälligkeiten und/oder persönlichen Kontakten in rechte Personenkreise gibt“, teilte die Behörde mit.

In Hannovers Nordstadt haben sich Anhänger von Hannover 96 und Linksautonome eine Schlägerei geliefert.

Unterdessen hat der Verein Hannover 96 angekündigt, den Vorfall vom Sonntag in der Nordstadt mit der aktiven Fanszene besprechen zu wollen. „Wir sind über unsere Fanbeauftragten und das Fanprojekt der Landeshauptstadt in Kontakt mit der aktiven Fanszene“, sagt 96-Sprecher Heiko Rehberg. Außerdem sei ein Kreis von 96-Verantwortlichen im Dialog mit dem Fanbeirat. Die mutmaßliche Twitternachricht der JN hat bei dem Klub Entsetzen ausgelöst. „Wir haben von dieser Organisation jetzt überhaupt zum ersten Mal gehört, kennen sie nicht und legen auf Kontakt keinen Wert“, sagt Rehberg. Von irgendwelchen Vorhaben oder Aktionen der Jungen Nationalisten distanziere sich der Verein unmissverständlich.

Kritik an Aktion der eigenen Leute

Auch bei den Fußballfans wird die Aktion der rund 60 Anhänger der Roten vom Wochenende zum Teil heftig kritisiert. „Dass sich ein Haufen 96 Ultras vor einem Spiel gegen Frankfurt wirklich damit abgeben, eine Auseinandersetzung mit Linken zu suchen/provozieren, statt sich um Frankfurt zu kümmern, beschreibt den Zustand der in sich zusammenfallenden Szene perfekt“, schreibt ein Fan auf der Internetseite Faszination Fankurve.

Nach Angaben der Polizei hatten sich die sogenannten Problemfans am Sonntag in einer Nordstadt-Kneipe eingemietet. Die Linksautonomen hatten davon erfahren und hatten sich gegen 10 Uhr an der Gaststätte an der Lutherkirche versammelt. Sie sollen die 96-Ultras mit Glasflaschen beworfen haben und anschließend geflüchtet sein. Die 96-Fans sollen auf die Gegner eingeprügelt haben. Die Polizei nahm die rund 60 Fans der Roten in Gewahrsam. Bei ihnen wurden unter anderem Sturmhauben, Quarzsandhandschuhe und Zahnschutzschienen sichergestellt.

Weiterlesen: Nordstadt-Krawalle: „Werner’s“-Wirtin war in Sorge um Betrieb

Von Tobias Morchner

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