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Aus der Stadt So haben die anderen Kandidaten abgeschnitten
Hannover Aus der Stadt

OB-Wahl in Hannover: So hat Kandidatin Iyabo Kaczmarek den Wahltag erlebt

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23:15 27.10.2019
Gibt im Wahllokal im Lindener Rathaus ihre Stimme ab: Die unabhängige Kandidatin Iyabo Kaczmarek. Quelle: Johanna Stein
Hannover

Insgesamt zehn Kandidaten hatten sich um das Amt des Oberbürgermeisters beworben. Sieben von ihnen – Joachim Wundrak (AfD), Jessica Kaußen (Linke), Adam Wolf (Piraten), Catharina Gutwerk (Die Partei) sowie die Einzelbewerber Ruth Esther Gilmore, Iyabo Kaczmarek und Julian Klippert – konnten in den Dreikampf an der Spitze nicht eingreifen. Sie blieben mit ihren Ergebnissen sämtlich unter der Fünf-Prozent-Marke.

Wundrak (AfD): „Ich bin leicht enttäuscht“

AfD-Kandidat Joachim Wundrak: "Das Bauchgefühl ist irrelevant." Quelle: Manuel Behrens

Am besten schnitt aus dem Septett mit 4,6 Prozent noch Joachim Wundrak ab, der es für die AfD versucht hatte. Der Bundeswehrgeneral im Ruhestand blieb aber hinter dem Resultat seiner Partei bei den vergangenen Ratswahlen in Hannover vor drei Jahren zurück. Damals erreichte die AfD 8,6 Prozent. Gleiches gilt für Jessica Kaußen (Linke). Notierte ihre Partei bei den Ratswahlen noch bei 7,0 Prozent, erreichte sie jetzt fünf Prozentpunkte weniger.Entsprechend herrschte Enttäuschung bei der AfD: Mit einem Wahlergebnis von 4,6 Prozent konnte die Partei die eigenen Ziele nicht einhalten. „Das ist nicht das Ergebnis, das wir erwarten hatten. Ich bin leicht enttäuscht“, sagte der AfD-Bewerber. Er hatte vor dem Wahlabend noch seine Frau zum Flughafen gebracht, die in den Urlaub abreiste.

Kaußen (Die Linke): „Wir haben alles gegeben“

"Ich bin froh, dass der Wahlkampf vorbei ist": Jessica Kaußen, OB-Kandidatin der Linken. Quelle: Manuel Behrens

Ähnlich geknickt gab sich Linken-Kandidatin Jessica Kaußen: „Wir sind weit hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben“, sagte sie zu ihrem Abschneiden von 2 Prozent. Für das unbefriedigende Ergebnis nannte Kaußen mehrere Gründe: Zum einen die Vielzahl der angetretenen Kandidaten, die sich gegenseitig die Stimmen abgegraben hätten. „Viele Wähler haben sich außerdem zwischen den drei Männern von SPD, CDU und Grünen entschieden“, sagte sie. Die 29-Jährige zeigte sich erleichtert, dass der OB-Wahlkampf nun vorbei ist: „Wir haben alles gegeben.“

Wolf (Piraten): „Mit wenig Leuten viel gewuppt“

Piraten Kandidat Bruno Adam Wolf: "Die SPD hat bis zum Abwinken verloren." Quelle: Manuel Behrens

Gemeinsam mit Piraten-Kandidat Bruno Adam Wolf teilten sich die Linken während der Stimmenauszählung einen Raum im Rathaus. 1,3 Prozent der Stimmen konnte Wolf für sich vereinnahmen – ein zufriedenstellendes Ergebnis, wie er sagt: „Wir haben mit wenigen Leuten viel gewuppt“. Erstes Ziel der Piraten sei es gewesen, den Sozialdemokraten Marc Hansmann auf dem Chefsessel im Rathaus zu verhindern. Nach 70 Jahren unter SPD-Regierung sei es für Hannover Zeit für einen Neuanfang. „Die SPD hat bis zum Abwinken verloren“, bilanziert Wolf. Einen Wahlsieg von SPD-Kandidatin von Marc Hansmann wollte auch die Satirepartei Die partei verhindern. Deren Kandidatin Catharina Gutwerk hatte sich als Wahlziel „100 Prozent plus X“ vorgenommen. Letztendlich erhielt sie 1,5 Prozent. „Das ist auch ganz gut“, sagte sie. Julian Klippert, ebenfalls von Die Partei, aber als Einzelbewerber auf der Liste, erhielt 0,3 Prozent der Stimmen. Er bemängelte die geringe Wahlbeteiligung: „Das liegt sicher an den vielen leeren Wahlversprechen. Wenn ich nicht auf dem Kandidatenzettel gestanden hätte, wäre ich sicherlich auch auf dem Sofa geblieben“.

Linke, Piraten und die Mitglieder der Satirepartei die Partei freuten sich gemeinsam über das schlechte Abschneiden von AfD-Kandidat Wundrak: „Die AfD ist auf den Bodensatz von Unbelehrbaren zurechtgestutzt worden“, sagte Wolf. „Das Wahlergebnis zeigt, dass Hannover eine weltoffene und bunte Stadt ist“, ergänzte Jessica Kaußen.

Kaczmarek: „Es ging mir um den Prozess“

Bei gedimmtem Licht, einem Glas Rotwein und ruhiger Musik aus den Boxen saß Iyabo Kaczmarek auf ihrem blauen Sofa. Anders als die anderen Kandidaten der Oberbürgermeisterwahl in Hannover traf sie sich am Sonntagabend mit ihren Freunden und Unterstützern nicht direkt im Neuen Rathaus. Stattdessen gab es in ihrem Kulturbüro in der Nordstadt – dem Society Office, wie es offiziell heißt – erst einmal Wein, Brause und die Süßspeise Kalter Hund. Kurz bevor dann doch alle zum Neuen Rathaus radelten, um die Ergebnisse zu erfahren, sagte die Kandidatin: „Jetzt werde ich doch langsam nervös.“

Erwartet das Wahlergebnis mit Freunden und Unterstützern: OB-Kandidatin Iyabo Kaczmarek. Quelle: Johanna Stein

Die 45-jährige freiberufliche Kulturmanagerin war ohne Unterstützung einer Partei zur OB-Wahl angetreten. Am Ende holte sie lediglich 1,9 Prozent der Wählerstimmen. In der repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der HAZ vor der Wahl durchgeführt hatte, war Kaczmarek noch auf 5 Prozent gekommen. Ihr Ziel, mehr Stimmen zu erhalten als der AfD-Bewerber Wundrak, habe sie nicht erreicht, sagte sie. Aber Kaczmarek zeigte sich versöhnlich mit dem Ergebnis: „Es ging mir um den Prozess und darum, ein anderes Mindset in den Wahlkampf zu bringen – das ist mir gelungen.“

Und wen unterstützt sie nun in der Stichwahl? „Belit, selbstverständlich“, sagt Kaczmarek und fordert ihre Wähler auf, dem Kandidaten der Grünen ihre Stimme zu geben. Doch auch den CDU-Mann Eckhard Scholz schätze sie sehr. „Der ist ehrlich, dem glaube ich mehr als Marc Hansmann. Hansmann hat nicht gerade performt“, sagt sie.

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