Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Barfuß im Jobcenter: Sicherheitsleute kaufen Obdachlosem neue Schuhe
Hannover Aus der Stadt

Obdachloser kommt barfuß zum Jobcenter Hannover: Sicherheitsleute kaufen ihm neue Schuhe

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
07:00 30.01.2020
Sayed Elyas Razavi (von links), Yaqoob Haidary, Mechmet Chousein-Oglu und Najib-Mohammad Anwari haben am Mittwoch einem Obdachlosen in Not geholfen. Quelle: Tim Schaarschmidt
Anzeige
Hannover

Jeden Tag eine gute Tat: Das haben sich vier Angestellte eines Sicherheitsunternehmens gedacht, die im Jobcenter an der Vahrenwalder Straße in Hannover ihren Dienst machen. Sie halfen einem Obdachlosen, der am Mittwochmittag bei Kälte und Schmuddelwetter barfuß vor der Tür stand. Irgendjemand habe ihm die Schuhe gestohlen, erklärte der Obdachlose. Beim Amt hoffte er auf etwas Geld für eine Neuanschaffung. Kurzerhand legten die vier Security-Leute Geld zusammen und besorgten dem Obdachlosen noch vor Ort ein neues Paar Schuhe.

„Er hatte sichtlich Schmerzen, als er vor dem Jobcenter ankam“, sagt Najib-Mohammad Anwari. Der Obdachlose sei vom Kröpcke zu Fuß die rund 4,5 Kilometer bis zum Jobcenter an der Vahrenwalder Straße/Ecke Kabelkamp gelaufen. „Da wäre ich auch k. o. gewesen“, sagt der 48-jährige Anwari. „Und der Herr hatte nur nasse Socken, da sind Schmerzen kein Wunder.“

Anzeige

Ankunft kurz vor Feierabend

Sein Kollege Yaqoob Haidary war der Erste, der den Obdachlosen zu Gesicht bekam. „Es war kurz vor 12 Uhr“, erinnert er sich. Zunächst habe der 39-Jährige gar nicht mitbekommen, dass dem Mann etwas fehlt. „Ich meinte noch zu ihm, dass er es aber gerade noch rechtzeitig geschafft habe“, sagt Haidary. Punkt Mittag macht das Amt zu.

„Wir alle haben sofort gefragt, was los ist“, sagt Haidary. Er, Anwari und ihre beiden Kollegen Sayed Elyas Razavi (29) und Mechmet Chousein-Oglu (40) kümmerten sich umgehend um den Mann und begleiteten ihn ins Jobcenter. „Unsere Herzen haben geklopft“, sagt Razavi. Den Männern vom HBC Sicherheitsdienst sei sofort klar gewesen, dass sie dem Obdachlosen helfen müssen.

Kunde bot spontan seine Schuhe an

„Ich hatte schon meine Frau gefragt, ob sie von zu Hause Schuhe vorbeibringen kann“, sagt Haidary. Auch ein Besucher des Jobcenters habe spontan angeboten, dem Obdachlosen sein Paar zu überlassen. „Und das, obwohl der Mann sicher auch nicht viel besitzt“, sagt Anwari. Die vier Sicherheitsleute hatten aber eine bessere Idee: Sie gingen zum Discounter in der Nachbarschaft. „Dort hatten sie ein normales Paar Schuhe“, sagt Haidary. „Nur Socken gab es leider nicht.“

Während der Obdachlose wegen eines anderen Anliegens in der Notfall-Vorsprache saß, kauften die Security-Leute die neuen Schuhe. Laut Jobcenter war der Mann 35 bis 40 Jahre alt und offenbar Deutscher. Nähere Angaben machte das Amt nicht. Auch der stellvertretende Teamleiter Kenan Bigli bekam die spontane Hilfsaktion mit: „Ich bedanke mich ganz herzlich bei unseren Security-Mitarbeitern“, sagt er. „Wir selbst können leider immer nur mit Bargeld oder Gutscheinen weiterhelfen.“

Passanten haben nur geguckt

Auch der Obdachlose sei überschwänglich vor Freude gewesen. „Er hat sich tausendmal bei uns bedankt und jeden umarmt“, sagt Chousein-Oglu. „Das wäre gar nicht nötig gewesen.“ Für die Sicherheitsleute sei es schlicht ein Akt der Nächstenliebe gewesen, „einem Menschen in Not zu helfen“. Traurig macht Anwari allerdings, dass der barfuß laufende Obdachlose auf seinem Weg zum Jobcenter zwar von vielen angeguckt worden sei. „Aber niemand hat ihm geholfen.“

Lesen Sie auch

Von Peer Hellerling