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Aus der Stadt „Wow!“: Belit Onay könnte der erste grüne OB Hannovers werden
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Oberbürgermeisterkandidat der Grünen: Belit Onay könnte der erste grüne OB Hannovers werden

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23:03 27.10.2019
Belit Onay mit seiner Frau Derya. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Viel Zeit, das Ergebnis zu genießen, gibt sich Belit Onay nicht, als sich am Sonntagabend mehr und mehr herausstellt, dass er tatsächlich der erste grüne Oberbürgermeister in Hannover werden könnte. Das ist typisch Onay. Der 38 Jahre alte Landtagsabgeordnete ist ein sachlicher Mensch. Kein Bier heute Abend, sagt er auf die Frage eines Reporters, wie er denn seinen Erfolg feiern will. „Morgen geht es wieder in die Vollen.“ Onay hat noch einmal zwei Wochen Wahlkampf vor sich.

Noch nie holte ein Grüner mehr Stimmen

Tatsächlich ist ja noch nichts gewonnen. Aber immerhin: Onay geht am 10. November gegen den Kandidaten der CDU, Eckhard Scholz, in die Stichwahl. Das hat vor ihm noch kein Grüner in Hannover geschafft. Vor sechs Jahren kam Lothar Schlieckau auf gerade einmal 11 Prozent der Stimmen und verpasste die Stichwahl deutlich. Ingrid Wagemann holte 2006 6,7 Prozent, Silke Stokar kam 2001 auf 5 Prozent.

Da erscheinen die deutlich mehr als 30 Prozent, die der türkischstämmige Onay an diesem 27. Oktober geholt hat, geradezu gigantisch. Manche sagen, auch er selbst, es ist historisch – zumal Marc Hansmann der erste SPD-Kandidat seit dem Krieg ist, der die Wahl nicht gewinnt, es nicht einmal in die Stichwahl geschafft hat. Die Themen der Zeit waren grüne Themen, das weiß auch Onay. Der Trend ist ein Grüner. Aber das soll den Erfolg nicht schmälern. Die Parteifreunde jubeln, es gibt Blumen, Onay umarmt seine Frau Derya und gibt ihr einen zarten Kuss auf die Wange.

In der Nordstadt gibt Belit Onay (Die Grünen) seine Stimme ab, im Hintergrund seine Frau Derya. Quelle: Tim Schaarschmidt

Der Erfolg Onays hat viele überrascht. Etliche, auch Parteimitglieder und unter denen viele Frauen, waren enttäuscht, dass die Partei keine weibliche Kandidatin ins Rennen schickte. Als Onay sich im Juni vorstellte, waren die Reaktionen entsprechend verhalten. Ein Berufspolitiker, der nach dem Jurastudium gleich in den Rat der Stadt und dann in den Landtag einzog, ohne Führungserfahrung – viele sahen das als verpasste Chance der Grünen, der von Rathausaffäre und Bundestrend geschwächten SPD das Rathaus abzunehmen.

„Wow“, sagt Onay in einem stillen Moment. Er könnte es allen gezeigt haben. Wenn er denn in zwei Wochen noch einmal erfolgreich ist.

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Von Karl Doeleke

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