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Aus der Stadt OB-Kandidat Hansmann fordert Stadtbahnlinie bis zum Bismarckbahnhof
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Oberbürgermeisterwahl in Hannover: Hansmann fordert Stadtbahnlinie bis zum Bismarckbahnhof

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11:57 12.08.2019
Eine Bahn mitten durch die Südstadt: Eines von Marc Hansmanns Wahlkampfthemen. Quelle: Nigel Treblin
Hannover

Stadtbahnlinien verlängern, neue Wohnquartiere erschließen, Schulden aufnehmen – der SPD-Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl Marc Hansmann geht mit konkreten Wahlversprechen in die Offensive. Sollte er die Wahl gewinnen und Chef im Rathaus werden, will Hansmann die Stadtbahnlinie 10 durch die Südstadt bis zum Bismarckbahnhof verlängern. Zudem regt er an, die Linie 17 vom Schwarzen Bären Richtung Hanomag-Gelände zu führen. „Wir müssen den öffentlichen Nahverkehr stärker ausbauen“, sagte Hansmann am Freitag bei der Vorstellung seines Wahlprogramms im Kurt-Schumacher-Haus. Zudem will er den Betrieb am Lindener Hafen einstellen und das Gebiet in ein Wohnquartier verwandeln. Der Hafen spiele ohnehin keine große Rolle mehr, meint Hansmann.

Der OB-Kandidat der SPD, Marc Hansmann, stellt sein Wahlprogramm vor. Quelle: Rainer Droese

Stadtbahn durch die Südstadt ist ein alter Vorschlag

Hansmann holt mit seiner Stadtbahnverlängerung eine alte Idee aus der Schublade. Der Bau einer Trasse auf der Berliner Allee über die Sallstraße bis zum Bismarckbahnhof wurde vor fast zehn Jahren schon einmal diskutiert. Damals hatte sich Regionsdezernent Ulf-Birger Franz (SPD) für den Vorschlag stark gemacht und Unterstützung von der Südstädter CDU bekommen. Die Baukosten wurden auf etwa 90 Millionen Euro geschätzt. Nach damaligen Berechnungen der Regionsverwaltung würden täglich 7900 zusätzliche Fahrgäste die Strecke nutzen. Das sei sehr lukrativ, hieß es damals. Doch Stadtbaurat Uwe Bodemann und die SPD im Rat waren dagegen. Zu eng sei die Sallstraße für eine Stadtbahntrasse. Der Autoverkehr hätte komplett herausgenommen werden müssen, hieß es. Dann aber gäbe es mit der Hildesheimer Straße und dem Rudolf-von-Bennigsen-Ufer am Maschsee zu wenig Ausweichrouten für den Autoverkehr. Die Pläne verschwanden in der Schublade, zwei Jahre später wurde die Sallstraße für zwei Millionen Euro zu einer Allee umgebaut.

Hochstraße wäre im Weg

Eine weitere Schwierigkeit für den Ausbau der Linie 10 bestand darin, dass die Raschplatz-Hochstraße im Weg war. Um die Trasse auf der Berliner Allee Richtung Sallstraße zu führen, hätte die Brücke weichen müssen. Kosten für den Abriss: Rund 14 Millionen Euro. Das Land war nicht bereit, Fördermittel zu spendieren. Am Ende blieb die Hochstraße stehen und wurde vor fünf Jahren für 3,5 Millionen Euro saniert. Die Linie 10 hat jetzt ihren Endpunkt neben dem Hauptbahnhof in Höhe Rundestraße.

Die Raschplatz-Hochstraße während der Sanierung. Quelle: Rainer Surrey

Hansmann glaubt, dass ein Gleisbau auch ohne Hochstraßen-Abriss möglich sei. „Ich vertraue auf die Ingenieurskunst“, sagt er. Möglicherweise könnten Stadtbahnen auch auf dem S-Bahngleis zwischen Haupt- und Bismarckbahnhof verkehren. „Wir sollten das alles zusammen mit der Regionsverwaltung gründlich prüfen“, sagt er. Grundsätzlich gehe es darum, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen und damit einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Lindener Hafen als Wohnquartier?

Einen weiteren Schwerpunkt setzt der SPD-Kandidat beim Wohnungsbau. Innerhalb von zehn Jahren will Hansmann bis zu 20.000 Wohnungen schaffen. Unter anderem schlägt er vor, den Lindener Hafen aufzugeben und als Baugebiet zu erschließen. „Dort ist Platz für mehrere Tausend Wohnungen“, meint Hansmann. Die Aufgaben des Hafens könnten vom Misburger Hafen übernommen werden. Tatsächlich hält sich der Schiffsverkehr im Lindener Hafen in Grenzen. Nach Angaben der Stadt legten 2017 insgesamt 143 Schiffe am Kai an, im vergangenen Jahr waren es nur 119. Bedeutender ist der Hafen als Umschlagplatz für Fracht im Schienen- und Lastwagenverkehr. Das Hafenareal hat eine Fläche von 72 Hektar.

Industriebrache am Lindener Hafen: Raum für Wohnungen? Quelle: Moritz Frankenberg

10.000 Wohnungen auf Deurag-Nerag-Gelände möglich

Hansmann will noch ein weiteres Gebiet für den Wohnungsbau erschließen – das Grundstück der ehemaligen Raffinerie Deurag-Nerag in Misburg. Dort könnten bis zu 10.000 Wohnungen entstehen, meint Hansmann. Jedoch müsste das hoch belastete Grundstück zuvor saniert werden. Die Kosten werden in einem älteren Gutachten mit bis zu 90 Millionen Euro angegeben. Politische Rückendeckung hat Hansmann für den Vorschlag. Das Mehrheitsbündnis im Rat (SPD, Grüne, FDP) forderte vor zwei Jahren, das 45 Hektar große Gelände für Gewerbeansiedlungen herzurichten.

Das hoch belastete Grundstück in Misburg muss vor einer Wohnbebauung saniert werden. Quelle: Michael Thomas

Mit dem verstärkten Wohnungsbau will Hansmann den angespannten Wohnungsmarkt entlasten. „Wir müssen bezahlbaren Wohnraum schaffen – auch für die Mittelschicht“, sagt Hansmann. Kaltmieten von acht Euro pro Quadratmeter seien für viele Familien zu teuer. Bezahlen will der ehemalige Kämmerer seine Baupläne notfalls mit neuen Schulden. „Aber wir werden die Schulden auch wieder tilgen“, verspricht der derzeitige Enercity-Finanzvorstand.

Hansmann will neues Führungspersonal im Rathaus

Der SPD-Bewerber um den Chefposten im Rathaus, Marc Hansmann, will das Führungspersonal im Rathaus nicht nach Parteibuch besetzen. „Ich werde mir externe Berater nehmen und systematisch nach geeignetem Personal suchen“, kündigt Hansmann an. Die Parteizugehörigkeit sei zweitrangig. In den kommenden Jahren gehen mehrere Fachbereichsleiter in Rente. Baudezernent Uwe Bodemann wird im Februar 2021 voraussichtlich in den Ruhestand gehen, zudem muss ein neuer Personaldezernent gefunden werden. Hansmann wünscht sich zudem zwei „Ansprechpartner“ für die Bereiche Kultur und Sport. „Ob das gleich Dezernenten sein müssen, weiß ich noch nicht“, sagt er.

Hansmann wehrt sich gegen den Vorwurf des OB-Kandidaten der CDU, Eckhard Scholz, im Rathaus herrsche die „Monokultur“ einer einzigen Partei. „Das ist ehrrührig gegenüber den Stadtmitarbeitern“, meint Hansmann. Der Spruch, jeder Hausmeister brauche im Rathaus ein SPD-Parteibuch, habe möglicherweise in den sechziger und siebziger Jahren gegolten. „Aber die Zeiten sind längst vorbei“, sagt der SPD-Mann.

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