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Aus der Stadt Was ist besser fürs Klima: Onlineshopping oder der Einkauf vor Ort?
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Onlineshopping oder der Einkauf vor Ort: Was ist besser für das Klima?

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11:57 09.12.2019
„Im Durchschnitt legt ein Käufer im stationären Einzelhandel mehr Wege zurück, als das ein Paket tut, wenn wir es bringen“: Deutsche-Post-Manager Ole Nordhoff an der hannoverschen Zustellbasis des Unternehmens am Weidendamm. Quelle: Katrin Kutter
Hannover/Bonn

Wer hat die bessere Klimabilanz – der Kunde, der im Einzelhandel einkauft, oder der, der seine Waren im Internet bestellt und sich per Paket nach Hause liefern lässt? Belastbare Zahlen dazu hat nicht einmal das Umweltbundesamt, in Kürze soll eine Studie mehr Klarheit bringen. Bei der Deutschen Post, die stark vom boomenden Onlinehandel profitiert und mit Paketlieferungen gute Geschäfte macht, legt der Bereichsvorstand Ole Nordhoff vor: „Ich glaube, dass die Verkehrs- und Umweltbelastung durch Paketlieferdienste in der öffentlichen Debatte ein gutes Stück überschätzt wird.“

Klimabilanz des Handels: Es kommt auf die Wege an

Das Thema ist umstritten. Der Handelsverband HDE verkündete zur Jahresmitte, dass der Einzelhandel seine CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 um die Hälfte verringert habe. Fast zeitgleich erklärte die Universität Bamberg, dass die vielen Retouren den Onlinehandel zum Klimakiller machten: Jedes sechste im Netz bestellte Paket werde zurückgeschickt. Zwei zu null also für den stationären Handel? Nein, sagt Post-Manager Nordhoff: „Im Durchschnitt legt ein Käufer im stationären Einzelhandel mehr Wege zurück, als das ein Paket tut, wenn wir es bringen.“

Deutsche-Post-Manager Ole Nordhoff im Gespräch mit der HAZ. Quelle: Katrin Kutter

Beim Vergleich mit dem stationären Handel dürfe man nicht vergessen, dass erstens die Waren in die Innenstädte gebracht würden und zweitens die Menschen, die sie kauften, dort hin- und wieder wegkommen müssten. Tatsächlich berücksichtigte die HDE-Studie vor allem die Innensicht des Handels. Die Wege der Kunden wurden nicht einberechnet.

„Paketlogistik hat die bessere Umweltbilanz“

Im Gespräch mit der HAZ vergleicht Nordhoff die Situation mit Busfahren versus Taxifahren. „Da sind dann unsere Paketautos gewissermaßen der Bus für 150 bis 200 Pakete, die zum Kunden gebracht werden. Wenn Sie aber individuell in die Stadt fahren, um ein paar Schuhe zu kaufen und einen Toaster, dann fahren Sie im Wesentlichen zwei Güter mit einem Taxi hin und her.“ Er sei daher „überzeugt, dass Paketlogistik unterm Strich eine sehr viel bessere Umweltbilanz hat“. Trotzdem müsse man „darüber nachdenken und daran arbeiten“, die Transporte umweltverträglicher zu machen.

In Linden-Nord läuft das Pilotprojekt Urbane Logistik

Mit speziellen Lastenfahrrädern wird die Paketzustellung in Linden-Nord getestet. Quelle: Schaarschmidt/M

Derzeit beteiligt sich die Post in Hannover zusammen mit anderen Logistikunternehmen an der vom Bund mitfinanzierten Projektinitiative Urbane Logistik. Sie soll Lösungen entwickeln, die Städte vor zunehmenden Verkehrs- und Umweltbelastungen durch die Paketflut zu bewahren.

Weit ist man noch nicht gekommen: Nach zweijähriger Diskussion sind in Linden-Nord zunächst neun spezielle Stellplätze eingerichtet worden, damit Lieferfahrzeuge nicht auf Straßen und Radwegen halten. Lieferfahrzeuge aus den Paketzentren steuern diese Umschlagpunkte an und geben dort die Ware an die Auslieferer weiter. Diese übernehmen den Rest der Zustellung auf umweltfreundliche Weise – etwa mit Lastenrädern, Elektroautos, zu Fuß oder mit der Sackkarre.

Die Zahl der Stellplätze ist inzwischen auf 20 erhöht worden, und allmählich steige die Akzeptanz bei den Anwohnern, sagt Post-Sprecher Jens Hogardt. Weil dafür Autostellplätze tagsüber gesperrt werden, hatte es anfangs Ärger gegeben. Die Entfernung der Stellplätze sei aber zu groß, sagt Hogardt: „Die Flächen reichen nicht, um von dort aus flächendeckend den Stadtteil zu beliefern.“ Immerhin liefert die Post im Versuchsgebiet ausschließlich mit E-Transportern und Lastenrädern aus. Auch einige Wettbewerber wie Hermes und UPS setzen dort zunehmend auf E-Mobilität.

Post will bis 2050 klimaneutral sein

Bis 2050 wolle die Post „vollständig CO2-neutral agieren“, sagt Bereichsvorstand Nordhoff. Von den bundesweit etwa 55 000 Auslieferungsfahrzeugen sind bereits jetzt etwa 11 000 als vollelektrische Streetscooter im Einsatz. Die Zahl werde ständig erhöht.

E-Scooter der DHL: „Von unseren etwa 55 000 Auslieferungsfahrzeugen sind jetzt schon etwa 11 000 als vollelektrische Streetscooter im Einsatz“. Quelle: dpa-Zentralbild

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