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Aus der Stadt Opernball: Diese beiden Herren halten die Fäden in der Hand
Hannover Aus der Stadt Opernball: Diese beiden Herren halten die Fäden in der Hand
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14:15 28.02.2019
Chefdramaturg Dr. Klaus Angermann und Intendant Michael Klügl. Quelle: HAZ
Hannover

Worauf sich Chefdramaturg Klaus Angermann und Intendant Michael Klügl bei diesem Opernball am meisten freuen? „Es ist unser letzter Opernball – da freue ich mich, nette Menschen zu treffen und noch einmal richtig zu feiern“, lacht Klügl und gibt zu: „Ich bin eigentlich kein Partylöwe, hätte auch nie einen Opernball ausgerichtet, wenn es diesen hier nicht gegeben hätte. Der ist wirklich in Ausstattung, Programm und allem einzigartig. Aber ich war vorher nie auf einem Opernball und werde nachher wohl auch keinen mehr besuchen – von daher genieße ich diesen noch mal richtig!“ Klaus Angermann dagegen ist auf dem Opernball direkt noch richtig gefordert – er führt durchs Programm und von daher ist seine Antwort verständlich: „Ich freue mich auf die Mitternachtsshow mit dem Pasadena Roof Orchestra – dann sind meine Moderation und die damit verbundene Anspannung vorbei.“ Für Klügl ist es der 13. Ball, für Angermann der achte – kein Wunder, die beiden sind auch in der Organisation ein eingespieltes Team. Und so haben sie auch die letzten Tage vor dem Opernball regelrecht genossen: „Das ist immer eine wundervolle Stimmung unter all den Menschen hier und es ist eindrucksvoll, wie sich das Haus verwandelt“, sagt Angermann. „Es macht wirklich Spaß und wir lachen viel. Es ist so schön zu sehen, wie das Thema bis ins letzte Detail umgesetzt wird, selbst die Beschilderung oder die Tapeten geben die Schriften oder Muster der 20er-Jahre wieder“, ergänzt Klügl. In einem sind sich die beiden Männer sicher: „Dieser Opernball soll wieder einmalig werden – so wie all unsere anderen zuvor auch!“

Fast ein Jahr haben sich Angermann und Klügl mit dem Thema beschäftigt: „Es ist Tradition, dass wir uns nach dem Opernball im Team zusammensetzen und das Thema vom nächsten Opernball festlegen“, sagt Klügl: „Und letztes Jahr haben wir uns – es war morgens um 6 Uhr – auf die Goldenen Zwanziger geeinigt. Wir haben immer eine Liste von vielen schönen Ideen, da standen die Goldenen Zwanziger schon länger drauf“, lacht er. „Jetzt waren sie wirklich dran.“ Bei dem Thema kommt der Intendant des Opernhauses so richtig ins Schwärmen: „Das war eine faszinierende Zeit. Die Rolle der Frau änderte sich, sie emanzipierte sich, die Mode, die Musik, die Kunst, die Architektur – alles war in Bewegung. Aber die Welt steckte mit der Turboinflation in einer ungeheuren Krise. Es gab soziale Abgründe, ungeheure Armut und das Aufkommen der rechten Bewegungen – ich würde sagen, golden war diese Zeit nicht, eher roaring – brüllend! Deswegen haben wir uns beim Namen auch auf die englische Version geeinigt“, sagt Klügl.

All das in einer Nacht darzustellen ist eine große Herausforderung. Aber Klügl und Angermann sowie ihr Team, das hinter den beiden steht, lieben genau diese Aufgaben. „Das Schwierigste und wo wir immer am längsten darüber nachdenken, ist immer die Gestaltung der Hauptbühne. Was soll dort, an diesem zentralen Punkt, dargestellt werden?“, sagt Angermann. Dieses Mal schien es nicht ganz so schwer gewesen zu sein: „Wir beide kennen uns schon sehr lange“, lacht da Klügl, „wir beide waren als Studenten in Paris und haben uns in der Komischen Oper ‚Relâche‘ von Erik Satie und Francis Picabia angesehen. Und damit hatten wir die Idee für unser Bühnenbild.“ Das zweiteilige Ballettstück „Relâche“, das in der Pause durch einen dadaistischen Film unterbrochen wird, wurde 1924 uraufgeführt und war die letzte Arbeit Saties vor seinem Tod. In „Relâche“ werden die Grenzen zwischen Theater, Musik, Tanz, Film aufgehoben, immer wieder kommt es zu Brüchen und zu Überraschungen, zum Spiel von Gewohnheiten und Ungewöhnlichem, zur Überschreitung von Grenzen und Ordnung. Das Bühnenbild zu „Relâche“ war sensationell: Über die ganze Rückwand waren Schlagzeugbecken aneinandergereiht aufgehängt: „Diese Bühnenbildidee haben wir jetzt nach Hannover geholt!“

Als besondere Auszeichnung für den Opernball sehen die beiden auch den Auftritt ihres Stargastes Conchita mit der Thilo Wolf Big Band auf dieser Bühne – diese musikalische Zusammenarbeit ist übrigens eine Premiere. „Durch den Auftritt von vor zwei Jahren ist eine fast freundschaftliche Beziehung entstanden. Der Künstler hat sich hier so wohl gefühlt, dass er sich jetzt riesig freut, wieder die zwei Tage dabei sein zu dürfen“, sagt Klügl.

Musikalisch haben die 20er-Jahre eine enorme Bandbreite geboten – auch das war eine Herausforderung. „Es gab Schlager mit so unglaublichen Texten wie ,Küss mich, Schnuckiputzi‘“, schwärmt Angermann; „Wir haben das im Programm mit unseren Solisten aufgenommen.“ Ein Harlemer Jazzclub findet sich im Savoy Ballroom, da tritt auch das Saxofonquartett Sistergold auf.

Viele Figuren aus den 20er-Jahren haben Klügl und Angermann mit ihrem Team wieder auferstehen lassen – da fiel die Auswahl schwer: „Es lebten damals so viele großartige Menschen: Siegfried Kracauer, Friedrich Hollaender, Walter Benjamin Alban Berg, Maurice Ravel, Bert Brecht – es gab so viele Menschen, die ich gerne mal live getroffen hätte“, sagt Klügl. Einige davon finden sich zumindest mit ihrer Kunst oder in Bildern im Opernhaus jetzt wieder: „Unser Säulenheiliger ist dieses Jahr Charlie Chaplin. Die 20er-Jahre waren ja auch eine Zeit des Films. Sein Humor war einzigartig, er war ja auch ein großer Humanist. Und der Gasometer oben ist Josephine Baker gewidmet“, so Klügl. Angermann ist ein großer Fan von Kurt Schwitters „Dem wäre ich wirklich gern mal begegnet.“ Es ist also eine Selbstverständlichkeit, dass auch an Schwitters und die Dadaisten auf dem Opernball gedacht wird.

Nicht alle Ideen konnte das Team umsetzen: „Die Jojo-Bar ist unser Inflationsstübchen, unsere Scheinbar“, erzählt Klügl: „Eigentlich wollten wir die ganze Wand mit Scheinen tapezieren“, lacht er: „Aber das wäre wirklich zu teuer gewesen.“

Berichte, Bilder und mehr: Alles zum Opernball in Hannover

Auf unserer Themenseite finden Sie weitere Berichte, Bilder und mehr zum Opernball in Hannover.

Von Maike Jacobs

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