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Aus der Stadt Politiker sind sich einig: Eigene Grünphase für Radfahrer und Fußgänger ist sinnvoll
Hannover Aus der Stadt

Politiker in Hannover sind sich einig: Eigene Grünphase für Radfahrer und Fußgänger macht Sinn

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21:07 15.07.2019
Die Kreuzung von Lister Meile und Hamburger Allee: Für Autofahrer, die rechts abbiegen, ist die versetzte Fußgängerampel kaum einzusehen – sie erkennen nicht, ob die Fußgänger Rot oder Grün haben. Das schafft gefährliche Situationen. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Nach dem Tod zahlreicher Radfahrer auf Hannovers Straßen steht die Stadt offenbar vor einer kleinen Wende in der Verkehrspolitik. Sprecher von CDU, Grünen und FDP unterstützten am Montag in weiten Teilen einen Vorstoß von SPD-Oberbürgermeisterkandidat Marc Hansmann. Er schlägt vor, Kreuzungen für Radfahrer und Fußgänger durch eigene Grünphasen sicherer zu machen. Zudem will Hansmann im Fall seiner Wahl Straßen und Radwege dort grundsätzlich trennen, wo es baulich möglich ist.

CDU: „Die Idee ist nicht neu“

„Gegen diese Vorschläge ist inhaltlich nichts einzuwenden“, sagte Felix Semper, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion. Er kritisierte jedoch, dass die Stadt in Fragen der Verkehrssicherheit bereits wesentlich weiter hätte sein können. Schon vor fünf Jahren habe die CDU gefordert, eigene Wege für Radfahrer anzulegen, damit sie nicht auf Straßen fahren müssten. Noch länger zurück liege die Forderung, Hannover mit Fahrradampeln auszurüsten, die Radlern einige Sekunden Vorsprung vor abbiegenden Autofahrern geben würden. Sempers Fazit: „Die Idee von Hansmann ist nicht neu und letztlich nur abgeguckt.“ Der SPD-Kandidat will allerdings komplette Grünphasen für Radfahrer und Fußgänger durchsetzen. An Kreuzungen abbiegende Autofahrer bekämen erst Grün, wenn Radfahrern Rot angezeigt wird. Ein Parallelverkehr, der zu tödlichen Unfällen führte, wäre ausgeschlossen.

Grüne wollen generellen „Paradigmenwechsel in der Verkehrspolitik“

Die Grünen, Bündnispartner der SPD im Rat, forderten am Montag einen „Paradigmenwechsel in der Verkehrspolitik“. Die Stadtverbandsvorsitzende Gisela Witte sagte, die autogerechte Stadt gefährde andere Verkehrsteilnehmer. Ihre Forderungen gleichen denen von Hansmann: eigenständige und sichere Wege sowie eigene Ampelschaltungen für Radfahrer. Statistisch erwiesen sei jedoch, dass „Radschutzstreifen auf der Fahrbahn sicherer sind als Radwege neben der Fahrbahn“. FDP-Ratsherr Wilfried Engelke hält getrennte Ampelschaltungen für sinnvoll, allerdings nur bei Unfallschwerpunkten.

Die Forderung des SPD-Kandidaten, auf Unfallstraßen Tempo-30-Zonen einzurichten, stößt allerdings auf Widerspruch. Nicht bei den Grünen, wohl aber bei CDU und FDP. Dort heißt es, vor Schulen und Kitas gebe es bereits ausreichend Geschwindigkeitsbegrenzungen.

ADAC sieht Verkehrsfluss durch Grünphase für Radfahrer und Fußgänger behindert

Der ADAC blickt grundsätzlich sehr skeptisch auf den Vorschlag, an Ampeln für Fußgänger und Radfahrer eine eigene Grünphase einzuführen. „Die praktische Umsetzung würde hier und da sicherlich haken“, sagt ADAC-Sprecherin Alexandra Kruse. Der Verkehrsfluss würde durch eine solche Regelung erheblich behindert. Die Ampel sei „ein komplexer Bereich“, meint die ADAC-Sprecherin. Dort seien die einzelnen Schaltphasen für die jeweiligen Richtungen penibel aufeinander abgestimmt. Wenn dabei etwas verändert werde, müsse auch geschaut werden, ob der Verkehrsfluss weiter bestehen bleibe, wie bisher.

Fahrradclub ADFC: „Das ist unsere Linie“

Der Fahrraclub ADFC begrüßt dagegen den Vorschlag von Hansmann. „Das ist unsere Linie“, sagt ADFC-Sprecher Eberhard Röhrig-van der Meer. Es müsse allerdings darauf geachtet werden, dass die Länge der Ampelphasen nicht zulasten von Radfahrern und Fußgängern verändert würden, betont er.

An der Kreuzung von Vahrenwalder Straße und Industrieweg will die Stadt nach zwei schweren Unfällen eine getrennte Ampelschaltung einrichten. Dort war im April vergangenen Jahres ein elfjähriger Radfahrer von einem abbiegenden Lastwagen überfahren und tödlich verletzt worden. Erst vor wenigen Tagen hatte sich dort ein Radfahrer bei einem weiteren Abbiegeunfall schwer verletzt.

Laut dem Lagebericht zur Stadtentwicklung sind 2017 in Hannover pro 10.000 Einwohner 21 Radfahrer bei Unfällen getötet oder verletzt worden – so viele wie in keiner deutschen Stadt vergleichbarer Größe. Hansmann spricht von 50 Menschen, die im vergangenen Jahr bei Unfällen in der Region Hannover ums Leben kamen.

Die Vorschläge von Marc Hansmann

Von Gunnar Menkens und Mathias Klein

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