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Aus der Stadt Polizei warnt: Barrieren in Oberricklingen bleiben jetzt doch
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Polizei warnt: Barrieren in Oberricklingen bleiben jetzt doch

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07:00 10.12.2019
Zurück auf Anfang: Die Straßensperren durch Betonpoller am Grünen Hagen in Oberricklingen bleiben nun nach vielem Hin und Her doch bestehen. Quelle: Rainer Dröse
Oberricklingen/Wettbergen

Alles zurück auf Anfang: Die drei Sperren auf den Oberricklinger Straßen Am Grünen Hagen und Am Sauerwinkel werden nicht abgebaut. Die Stadtverwaltung folgt jetzt doch nicht dem Beschluss des Bezirksrats Ricklingen – denn inzwischen hat die Polizei eine eigene Einschätzung der Situation vorgelegt. Darin warnt sie vor fatalen Folgen, wenn die gesperrten Straßen geöffnet würden.

Dieser jüngste Schwenk folgt auf eine bereits seit Monaten anhaltende, emotional geführte Debatte in dem Stadtteil. Es geht um die Frage, wem der Platz auf den kleinen Straßen in Oberricklingen gehört: Autos, Fußgängern, Fahrradfahrern.

Wegen der zahlreichen Baustellen wurden mehrere Straßen in dem Wohnviertel mit Durchfahrtssperren versehen. Da soll verhindern, dass Autofahrer sich Schleichwege suchen.

Der Bezirksrat hatte im November mehrheitlich die Öffnung der Straßengefordert. Kurz davor, im Oktober, hatte die Erste Stadträtin Sabine Tegtmeyer-Dette bei einer Bürgerversammlung angekündigt, dem Votum des Bezirksrats zu folgen – wie auch immer es ausfällt. Damit sollte die monatelange Debatte beendet werden. Doch jetzt sieht wieder alles ganz anders auf.

Das sagen die Behörden

Die Stadt prüfte im November die Verkehrslage noch einmal und setzte Modellberechnungen für eine Prognose ein. Demnach könnte die Aufhebung der Sperren zu einem Anstieg des Verkehrsaufkommens um etwa 250 Prozent führen. Allein in der Straße Am Grünen Hagen könnten dann 4000 Fahrzeuge am Tag unterwegs sein – die meisten davon im Berufsverkehr am Morgen und am frühen Abend.

„Im Wesentlichen wäre das Baustellen-Ausweichverkehr“, teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage der CDU-Fraktion in der jüngsten Bezirksratssitzung mit. Also Durchreisende, die anderenfalls über die Wettberger Trasse In der Rehre gefahren wären – gäbe es dort nicht eine Vollsperrung wegen Bauarbeiten.

Am Grünen Hagen sind Schulkinder unterwegs, aber auch viele ältere Menschen, die zum angrenzenden Ricklinger Stadtfriedhof wollen. Das seien zu viele ungeschützte Verkehrsteilnehmer, findet die Polizei. Auch Radfahrer seien bei dem zu erwartenden Verkehrsaufkommen kaum noch sicher unterwegs – und der Grüne Hagen ist eine Fahrradstraße. Die Polizei gehe von einer „spürbaren Verringerung der Verkehrssicherheit“ aus. Fazit der Polizeidirektion: „Daher wird der Beschluss des Bezirksrats nicht unterstützt.“ Dem folgte auch die Stadtverwaltung. Rechtlich sei das Bezirksratsvotum nicht bindend, ließ die Verwaltung mitteilen. Es gehe um übergeordnete Interessen, die über Stadtbezirksgrenzen hinaus reichten.

Das sind die Folgen

Aus Sicht der Stadt ist zweifelsfrei klar, dass die Sperren bleiben müssen. Der Bezirksrat kündigte keinen Widerstand an. Die Barrieren in Oberricklingen sind bis zum Sommer 2020 da. Genau so lange, wie der erste Bauabschnitt der Straße In der Rehre andauert. Diese Bauphase umfasst den Abschnitt von der Göttinger Chaussee bis zum Rewe-Markt. Hier kann die Stadt nur unter Vollsperrung bauen; es gibt keinen Platz für den Kraftverkehr.

Die Oberricklinger Straßensperren sollen den Schleichverkehr durch Wohngebiete verhindern. Der zweite Bauabschnitt umfasst das Stück vom Rewe-Markt bis zur Kreuzung Bergfeldstraße. Gebaut wird vom Sommer 2020 bis Frühjahr 2021. In diesem Abschnitt will die Stadt auch während der Bauzeit Autoverkehr zulassen. Es gebe dort mehr Platz, begründete Kai Kaminski vom städtischen Tiefbauamt. Nur für kurze Phasen könnte es Vollsperrungen geben.

Verwirrung bei der Stadt

Die Kehrtwende der Stadt kommt für viele Beteiligte überraschend. Die Sperrkritiker kündigten eine neue Unterschriftensammlung gegen die Barrieren an. Sie sehen nach wie vor die eigentliche Gefahr darin, dass sich Durchreisende trotz der Sperren ihren Weg durch Oberricklinger Anliegerstraßen suchen.

Ihr Gegenpart, die im Herbst gegründete Initiative Forum ruhiges Oberricklingen, warb noch am 24. November mit einem offenen Brief beim neuen Oberbürgermeister Belit Onay für den Erhalt der Sperren. Zu diesem Zeitpunkt war die Haltung der Stadt noch anders. Der Sinneswandel folgte kurz darauf

„Wir sind enttäuscht“, sagte SPD-Bezirksratsfrau Angelika Walther. Auch die anderen Fraktionen bemängelten, dass Prognosen und Einschätzungen von Stadt und Polizei erst spät vorgelegen hätten. Der Bezirksrat sei nun „der Dumme“, schimpfte Walther.

Allerdings: Die Sperren wurden erst geplant, als der Bezirksrat gemeinsam mit dem Tiefbauamt Ortstermine am Grünen Hagen organisierte. Und erst seine Entscheidung gegen die Barrieren führte dazu, dass Stadt und Polizei die Lage noch einmal prüften.

Die neue Haltung der Stadt drang offenbar nicht schnell genug an alle maßgeblichen Stellen durch. Mitte voriger Woche luden Mitarbeiter einer Baufirma das Sperrmaterial an der Straße Am Grünen Hagen bereits auf einen LKW. Von Anwohnern alarmierte Polizisten verhindert das; die Barriere wurde wieder aufgebaut. Das sei ein ärgerliches Missverständnis gewesen, räumte Kaminski ein.

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Von Marcel Schwarzenberger

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