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Aus der Stadt Auch Frau von angeschossenem Mafiaboss erhält Polizeischutz – Streit um Kosten
Hannover Aus der Stadt

Polizeigewerkschaft fordert: MHH soll Kosten für Bewachung des verletzten Mafia-Mitgliedes Igor K. tragen

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17:36 16.02.2020
Seit mehr als einer Woche wird die MHH von schwer bewaffneten Polizisten bewacht. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Der Fall des angeschossenen mutmaßlichen Mafia-Mitglieds Igor K. aus Montenegro, der sich seit gut einer Woche in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) behandeln lässt und von der Polizei mit einem Großaufgebot rund um die Uhr bewacht wird, sorgt weiter für Diskussionen. Jetzt fordert die Polizeigewerkschaft Bund deutscher Kriminalbeamter (BdK ) in Niedersachsen, die MHH müsse die Kosten für den aufwendigen Polizeieinsatz bezahlen. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatte erklärt, der Steuerzahler müsse für die Bewachung des verletzten Clan-Mitglieds aufkommen.

„Es kann doch nicht sein, dass die MHH sich einen Privatpatienten einfliegen lässt, daran gut verdient und der Steuerzahler muss draufzahlen“, sagt BdK-Landesvorsitzender Matthias Karsch der HAZ. Der Gewerkschafter fordert, dass die MHH einen erheblichen Teil der Kosten für die Bewachung von Igor K. tragen müsse. „Dazu kommt ja noch, dass das Personal, das jetzt täglich an der Hochschule im Einsatz ist, an anderer Stelle fehlt“, sagt Karsch.

Auch Ehefrau wird in Hannover von der Polizei bewacht

Offenbar ist es nicht nur Igor K., der umfangreichen Polizeischutz erhält. Nach HAZ-Informationen wird auch Suzana K., die Frau des 35-Jährigen in einem der Hochschule nahe liegenden Hotel von Beamten des Landeskriminalamts und der Polizeidirektion Hannover rund um die Uhr bewacht. Wie hoch die bisherigen Kosten für diese Schutzmaßnahmen sind, dazu gibt es bislang keine offiziellen Äußerungen.

Die Polizei beacht auch dieses Hotel in der Nähe der MHH rund um die Uhr. Hier soll sich die Ehefrau des angeschossenen Mafia-Mitglieds Igor K. aufhalten. Quelle: Frank Tunnat

Weiterhin ist unklar, warum sich der 35-jährige Igor K. der in seiner Heimat unter anderem wegen Drogenhandels verurteilt worden ist, in Hannover medizinisch versorgen lässt. Nach HAZ-Informationen soll die Empfehlung für Medizinische Hochschule aus dem familiären Umfeld des Verletzten gekommen sein. Igor K. war am 28. Januar in einem Ort nahe der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica durch Schüsse verletzt worden. Mehr als 20 Mal feuerten die Täter auf den Jeep des 35-Jährigen. Sieben Kugeln sollen ihn getroffen und lebensgefährlich verletzt haben. Die Ärzte in Montenegro versorgten die Wunden offenbar so weit, dass er seinen Verletzungen nicht erlag und dass er eine gute Woche später bereits transportfähig war.

Mit ärztlicher Begleitung nach Hannover

Wie und wann genau der Kontakt zwischen dem mutmaßliche Mafia-Mitglied und dem Leiter der Unfallchirurgie der MHH, Christian Krettek, zustande gekommen ist, steht nicht fest. Nach HAZ-Informationen ist Igor K. in seiner Heimat mit einer Polizeieskorte zum Flughafen gebracht, von dort mit einem Privatflugzeug in Begleitung eines Arztes und seiner Ehefrau am Freitag vor einer Woche am Flughafen in Langenhagen gelandet und unverzüglich in die MHH gebracht worden. Die Behandlungskosten sollen im Vorfeld beglichen worden sein. Die Behörden wussten zu diesem Zeitpunkt nichts von diesem Patienten.

Igor K. streitet Kontakt zur Mafia in Montenegro ab

Erst als Igor K. in der MHH aufgenommen worden war, sollen Ärzte die Polizei eingeschaltet haben. Dazu sind sie dem Gesetz nach verpflichtet, wenn ein Patient mit Verletzungen eingeliefert wird, die auf ein Verbrechen hindeuten. Der Anruf soll aber nicht bei der Polizeidirektion Hannover oder dem Landeskriminalamt Niedersachsen, sondern im Polizeikommissariat in der Südstadt eingegangen sein. Die Beamten dort sollen dann alle weiteren notwendigen Schritte in die Wege geleitet haben, sodass die Behörde bald wusste, mit wem sie es zu tun haben. Igor K. soll nach HAZ-Informationen so stabil gewesen sein, dass die Polizei eine erste Befragung vornehmen konnte. Darin soll K. Kontakte zur Mafia in Montenegro abgestritten haben.

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Von Tobias Morchner

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