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Aus der Stadt Radfahrer tot – Lkw-Fahrer zu hoher Geldstrafe verurteilt
Hannover Aus der Stadt

Radfahrer auf Hamburger Allee getötet - Amtsgericht Hannover verurteilt Lkw-Fahrer zu hoher Geldstrafe

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00:22 16.06.2019
Norbert K. (l.) wird von Anwalt Wolfgang Schoefer verteidigt. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

 Der Lkw-Fahrer, der im März 2017 auf der Hamburger Allee beim Rechtsabbiegen einen 48 Jahre alten Radfahrer mit dem Auflieger seines Sattelschleppers überfuhr, ist vom Amtsgericht Hannover wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 35 Euro verurteilt worden. Richterin Sabine Mzee folgte damit dem Antrag der Staatsanwältin, die ebenfalls für eine Geldstrafe in Höhe von 5250 Euro plädiert hatte. Der 65-jährige Norbert K. gälte, wenn das Urteil rechtskräftig wird, als vorbestraft. Außerdem muss der Kraftfahrer aus Wolfsburg dem elfjährigen Sohn des Opfers 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen sowie für dessen Therapiekosten und weitere aus dem Unfall entstehende Schäden aufkommen.

An dieser Stelle überrollten die Hinterräder des abbiegenden Sattelschleppers den Radfahrer, der in Richtung Cinemaxx unterwegs war. Quelle: Christian Elsner

Die Richterin nannte es „extrem bedenklich“, dass K. die Rechtskurve zur damaligen Bahn-Baustelle nahe dem ZOB „in einem Zug durchgefahren“ sei. Das Tempo des Sattelschleppers bei dem Abbiegemanöver sei mit 14 bis 17 Kilometern pro Stunde überhöht gewesen. Auch habe der Lkw-Fahrer seine Sorgfaltspflicht verletzt, weil er nicht in ausreichendem Maße in seine Rückspiegel geschaut habe. Schon vor dem Unfall sei K. einem Zeugen auf der Vahrenwalder Straße durch seinen „zügigen Fahrstil“ unangenehm aufgefallen.

Falsche Angaben im Prozess

Zudem warf Mzee dem Rentner, der auf 450-Euro-Basis immer noch Lastwagen fährt, sein Verhalten nach dem Unglück vor. So habe K. im Sommer 2018 einen Bußgeldbescheid kassiert, weil er in einem Pkw innerorts 26 Stundenkilometer zu schnell gefahren war. Auch habe der Angeklagte im Zuge des sechs Verhandlungstage währenden Prozesses falsche Angaben gemacht, etwa zur Schadensregulierung durch die Versicherung seines Arbeitgebers. Eine grobe Pflichtverletzung des Radfahrers, so Mzee, sei hingegen im Zuge des Verfahrens nicht zutage gefördert worden.

Das 48-jährige Opfer – hier ein Foto aus 2015 mit seinem damals sieben Jahre alten Sohn – lebte mit der Familie in Misburg. Quelle: privat

Ehefrau und Sohn sind nach wie vor in therapeutischer Behandlung

Ehefrau und Sohn des Verstorbenen, der als Rechtspfleger am Amtsgericht Hannover tätig war, sind nach Auskunft von Nebenklage-Anwältin Alexandra Klar-Lützel durch den Verlust des 48-Jährigen nach wie vor schwer gesundheitlich beeinträchtigt und in therapeutischer Behandlung. Der Lkw-Fahrer habe bislang aufgrund verschiedener Ausflüchte eine Schadensregulierung verhindert, er habe sich nicht bei der Familie entschuldigt und durch seine Fahrlässigkeit „das Leben von drei Menschen zerstört“. Sie forderte für K. eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren – eine Forderung, der sich die Witwe anschloss, „um ein Zeichen zu setzen“. Rechtsanwalt Matthias Doehring, der den elfjährigen Sohn vertritt, hielt dem Angeklagten vor: „Sie haben versucht, sich mit erfundenen und erlogenen Argumenten reinzuwaschen.“

Verteidiger spricht sein Mitgefühl aus – der Angeklagte im Schlusswort nicht

Demgegenüber plädierte K.s Anwalt Wolfgang Schoefer auf Freispruch. Der Lkw-Fahrer habe nicht ständig in seine Rückspiegel schauen können, da er auch das Verkehrsgeschehen vor seinem Führerhaus im Auge behalten musste. Zudem habe ein Psychologe seinem Mandanten geraten, möglichst schnell nach dem Unfall wieder Auto zu fahren, um das schreckliche Geschehen besser verarbeiten zu können. Der Verteidiger sprach den Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus – der Angeklagte selbst konnte sich in seinem Schlusswort nicht dazu durchringen.

Von Michael Zgoll

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