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Aus der Stadt Hannover steht vor Neuwahlen: Wer könnte Schostoks Nachfolger werden?
Hannover Aus der Stadt Hannover steht vor Neuwahlen: Wer könnte Schostoks Nachfolger werden?
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00:17 03.05.2019
Im Rathaus stellen sich die Parteien auf die Wahl eines neuen Oberbürgermeisters ein. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Nach dem Rückzug von Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) werden die Hannoveraner voraussichtlich im November ein neues Stadtoberhaupt wählen. Der neue Verwaltungschef wird dann nicht wie üblich für fünf Jahre gewählt, sondern bleibt rund sieben Jahre im Amt. Der Grund liegt darin, dass zur Restlaufzeit der aktuellen Wahlperiode bis zum Jahr 2021 noch die gesamte folgende Wahlperiode bis zum Jahr 2026 addiert wird. Die übernächste OB-Wahl fiele dann wieder mit der Wahl der Kommunalparlamente zusammen, teilt das Niedersächsische Innenministerium auf Nachfrage mit. Welche Kandidaten die Parteien ins Rennen schicken, wollen sie noch nicht verraten. Doch im Hintergrund hat die Kandidatensuche bereits begonnen:

SPD sucht nach dem passenden Kandidaten

Der SPD dürfte die Suche nicht leicht fallen. Die einst als aussichtsreiche Bewerberin gehandelte Bundestagsabgeordnete Yasmin Fahimi hat gegenüber der HAZ abgewinkt. Immer wieder fällt der Name von Kämmerer Axel von der Ohe, doch auch der erteilte solchen Überlegungen im HAZ-Interview eine Absage. Der scheidende SPD-Unterbezirks-Chef Matthias Miersch gibt sich im Hinblick auf die anstehende Neuwahl des hannoverschen Oberbürgermeisters zuversichtlich. „Wir werden eine Person finden, die sehr glaubwürdig an der Spitze des Rathauses sozialdemokratische Politik machen kann“, sagt er. Namen nennt er indes nicht. Zu Spekulationen, Miersch selbst könne ein geeigneter Kandidat sein, will sich dieser nicht äußern. Dem Vernehmen nach hat der Bundestagsabgeordnete keine Ambitionen, seinen Hut in den Ring zu werfen.

Jetzt denken manche Genossen an den Ersten Bürgermeister und langjährigen Baupolitiker Thomas Hermann. „Der ist bekannt und hat Erfahrung mit der Stadtverwaltung“, meint ein Genosse. Auch beim ehemaligen Kämmerer und derzeitigen Enercity-Vorstandsmitglied Marc Hansmann haben die Genossen dem Vernehmen nach angefragt. Hansmann hatte weit vor der Aufstellung Schostoks zum OB-Bewerber im Jahr 2013 keinen Hehl daraus gemacht, dass er selbst gerne Oberbürgermeister werden würde. Ob sein Wunsch wiederbelebt werden kann angesichts seines derzeitigen Postens bei Enercity, dürfte zweifelhaft sein.

Ebenfalls als Kandidat bei der SPD im Gespräch ist der friesische Landrat Sven Ambrosy, der schon länger immer mal wieder für höhere Ämter im Gespräch war. Doch Ambrosy dementierte ebenfalls gegenüber der HAZ, Ambitionen auf den Oberbürgermeisterposten in der Landeshauptstadt zu haben. Als weiterer möglicher Kandidat gilt vielen in der Sozialdemokratischen Partei Ricklingens Bezirksbürgermeister Andreas Markurth.

CDU will rasch einen Kandidaten finden

Die CDU will sich mit der Kandidatensuche nicht allzu lange aufhalten. „Wir wollen das relativ schnell erledigen“, sagt Hannovers CDU-Chef Dirk Toepffer. Als aussichtsreiche Kandidatin gilt weiterhin die Landtagsabgeordnete Mareike Wulf – trotz ihrer anfänglichen Absage. Es werden innerhalb der CDU aber auch Alternativen diskutiert. Manche Christdemokraten bringen Landessuperintendentin Petra Bahr ins Gespräch. Toepffer legt sich nicht fest. Zunächst wähle man am kommenden Montag, 6. Mai, einen neuen Vorsitzenden des CDU-Stadtverbands, sagt er. Aller Voraussicht nach wird Ratsherr Maximilian Oppelt die Nachfolge Toepffers antreten. Zum Stellvertreter wird voraussichtlich der frisch in den Rat gerückte Jesse Jeng gewählt. „Als OB-Kandidat wollen wir eine interessante Persönlichkeit“, sagt Toepffer. Es habe bereits diverse Vorgespräche gegeben.

Grüne werfen ein Auge auf Belit Onay

Auch die Grünen wollen einen Bewerber ins Rennen schicken. Dem Vernehmen nach läuft alles auf den Landtagsabgeordneten und ehemaligen hannoverschen Ratsherrn Belit Onay hinaus. Abgewunken hatte bereits der einstige Regionsabgeordnete und derzeitige Baudezernent in Dresden, Raoul Schmidt-Lamontain. „Ich habe keine Ambitionen“, sagt er. Offiziell wollen sich die Grünen noch nicht äußern. „Wir treffen Vorbereitungen“, sagt die Chefin der Grünen-Ratsfraktion Freya Markowis.

Döring könnte Konkurrent für Grüne werden

Die FDP signalisiert, einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Dem Vernehmen nach liebäugelt die Partei damit, den ehemaligen Generalsekretär und FDP-Stadtverbandschef Patrick Döring ins Rennen zu schicken. Der eloquente Döring dürfte vor allem für die Grünen ein ernstzunehmender Konkurrent sein. Manche in der Partei wollen auch die Landtagsabgeordnete Sylvia Bruns in die engere Wahl ziehen.

Auch die AfD will einen eigenen Kandidaten aufstellen. Die Piraten wollen ihren Vertreter im Rat, Adam Wolf, ins Rennen schicken. Die Satirepartei Die Partei sucht noch nach Bewerbern.

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